Im Tosen des Sturmes

Bild von Anita Zöhrer
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Meinen Bergen grüße ich zum Abschied, vermissen werde ich sie – meine Felder und Wiesen. Noch ein letztes Mal atme ich den frischen Duft von Freiheit, die Erinnerung an sie schenkt mir ihr Geleit.

Erhobenen Hauptes betrete ich das wankende Schiff. Meine Intuition warnt mich, selten hat sie sich getäuscht. Trotzdem stehe ich zu meinem Entschluss. Mein Wort habe ich dem Kapitän gegeben, an seiner Seite werde ich bleiben bis zuletzt.

Heimweh ergreift mich nach Stunden auf See, Sehnsucht nach einem Zuhause, das es doch nicht gibt. Nicht wahrhaben will ich es, dass die Liebe des Kapitäns dem Meer gilt und nicht mir. Ausgerechnet du, ein Matrose, hast meine Treue mehr verdient als er.

Ein Unwetter braut sich zusammen. Das Schiff beginnt auf den Wellen seinen letzten Tanz. Wasser strömt auf das Deck, die Segel zerreißen. Der Kapitän beordert uns in das Rettungsboot. Kein Platz ist dort mehr für dich – so verzichte ich auch auf den meinigen. Dienen will ich dir selbst in Stürmen wie diesen, nicht zulassen werde ich es, dass du in den Fluten ertrinkst.

Ich wäre dumm, wirfst du mir im Tosen des Sturmes vor. Nein, nur in dich verliebt, entgegne ich dir und küsse dich. Wahr ist mein Geständnis, so wahr wie das Meer sein Maul öffnet, um uns zu verschlingen. Ein hoher Turm baut sich vor uns auf und begräbt uns unter sich. Ich klammere mich an dich fest. Auch wenn es dir lieber wäre, dass ich von dir wiche, weigere ich mich, es zu tun.

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