Ehrenamtlich engagiert - Page 3

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ich ständig Post und …«
Erzählte der Knabe am Telefon und wird dabei unterbrochen.
»Bevor ich überhaupt sorgfältig arbeiten kann, muss ich wissen, ob der Vorwurf der Steuerhinterziehung stimmt?«
Bemerkte Christopher und wartet, bis der Knabe die Wahrheit lüftet.
»Ja … Es ist so, dass ich einen Imbiss betreibe, und mein Umsatz ist mit der Zeit derart knapp geworden, dass ich die Hälfte des Einkommenes absichtlich nicht versteuert habe. – Ich muss ausdrücklich sagen, dass mir das Geld völlig egal ist und ich möchte nur den Laden weiterbetreiben. – Wissen Sie, ich habe den Imbiss-Laden vor ein paar Monaten von meinem Onkel geerbt und somit ist es ein Familienbetrieb, den ich weiterhin …«
Verkündete der Knabe und wird selbstverständlich beim Reden unterbrochen.
»Bitte verzeihen Sie mir, aber solche Geschichten höre ich oft! – Wenn das Finanzamt der Sache nachgeht, kann ich in der Zwischenzeit der Ermittlung Ihre Problemstellung beseitigen. – Der Gründungszuschuss wird von mir eigenständig nochmals erstellt und mit der amtlichen Beglaubigung bestätigt; der nicht-rückzahlbare Zuschuss wird von mir aus einer Dienstaufsicht der auskommenden Finanzverwaltung angefordert und das Beschluss-Datum wird auf Ihr Problem angepasst. – Somit wäre diese Problematik erledigt!«
Erklärte rasend schnell Christopher Tageszeit.
»Oh … Das klingt sehr überzeugend und glaubhaft. Wenn Sie mir helfen können, dann bin ich bereit, Ihre Dienstleistungen anzunehmen. – Können Sie mir auch sagen, wie teuer das wird?«
Erkundigte sich der Knabe.
»Für Steuerhinterziehungs-Angelegenheiten nehme ich nur das Geld, welches Sie nicht versteuert haben.«
Antwortete ernst Christopher Tageszeit.
»Oh, Sie nehmen all das Geld … Ich kann Sie auch mit Essen bezahlen … Wissen Sie, das Geld habe ich schon ausgegeben und ins Geschäft investiert. – Ich habe vor, mir ein paar neue Esstische und Stühle zu besorgen, damit der Imbiss-Laden gemütlicher aussieht. Und dafür habe ich schon all das Geld ausgegeben und …«
Sprach der Knabe, der doch ernsthafte Probleme hat. Doch seine Ansprache dauert nicht lange, denn Christopher erkennt das, was das Finanzamt auch wusste.
»Wenn das Finanzamt Ihnen kein Vertrauen schenkt, dann werden Sie meiner Überzeugung nach Ihre Lage ebenfalls nicht glaubhafter gestalten können. – Entweder ich bekomme das Geld, welches Sie nicht versteuert haben, oder Sie gehen ins Gefängnis, Herr Posalanski.«
Begründete überzeugend Christopher Tageszeit, und es folgt eine kurze Pause, die das Nachdenken in sich verbirgt.
»Gut … Ich werde das Geld an Sie überweisen.«
Antwortete der Knabe.
»Meine Anschrift wird wohl Ihnen bekannt sein. Bitten versenden Sie all das Geld per Post und in einem Briefumschlag. Bitte versenden Sie keinen Fensterumschlag, sondern einen herkömmlichen Briefumschlag, den Sie sich bei der Post besorgen können. Bitte das Geld nur mit zwei Briefmarken versenden. – Haben Sie noch weitere Fragen?«
Vergewisserte sich Christopher.
»Nein. – Obwohl … Wie lange werden Sie für das Problem brauchen?«
Erfragte leicht hektisch der Knabe.
»Wenn das Geld bei mir angekommen ist, werde ich die Dokumente höchstpersönlich an demselben Tag verschicken. – Somit liegt es bei der Post, wie schnell die Schriftstücke beim Finanzamt und dem zuständigen Sachbearbeiter ankommen werden.«
Verkündete Christopher.
»Gut, ich bin einverstanden. – Sie werden das Geld erhalten.«
Erzählte der Knabe, der vorhin davon sprach, dass er all das Geld schon ausgegeben und investiert hat. Und schon wird der Telefonhörer so innerlich erfüllt von Christopher aufgelegt, dass dabei eine kleine Gerechtigkeit erfüllend erwacht. Das Ordnerfach, das den Namen „Steuerhinterziehung” trägt, bekommt ein paar Dokumente dazu, und offenbart damit dazugehörend: welche Kundschaft all die Bemühungen und Anstrengungen hier schafft. Neue und problemvolle Kunden zu beschaffen, ist unter voller Selbstverständlichkeit zu erwarten und zu erhoffen, denn bekanntermaßen gibt es für jedes Problem eine eigene Lösung und regelrechte Maßnahme, und diese Massen an Problemlösungen kann massenweise nur ein Matratzenladen durch seine Dienstleistungen anbieten. Folglich folgen die telefonischen Gewohnheiten weiterhin, da die Kunden weitestgehend durch Weitergabe und Verbreitung an vielen Leute Christophers Aufgabe weiterleiten und verbreiten.
»Guten Tag! – Hier ist die ‚Matratze mit der Fratze‘. Mein Name ist Christopher Tageszeit. Was kann ich für Sie tun?«
Sprach Herr Tageszeit.
»Moin, Moin! Mein Name ist Herr Kreisleger, ich bin 61 Jahre alt und benötige Ihre Hilfe.«
Antwortete ein älterer Mann.
»Guten Tag, Herr Kreisleger. – Welche Probleme haben Sie zu mir gebracht?«
Vergewisserte sich Christopher Tageszeit.
»Es geht um meine Rente und bezüglich dieser Angelegenheit brauche ich Ihre Hilfe. – Ich bin seit vielen Jahren arbeitslos und körperlich schwerbehindert … Ich hatte vor vier Jahren einen Arbeitsunfall, bei dem meine Kniescheibe zertrümmert wurde. – Mein Antrag auf die Erwerbsminderungsrente wurde von der Rentenversicherung abgelehnt und ich würde gerne diesbezüglich einen Widerspruch einlegen.«
Erzählte besorgt ein älterer Herr.
»Ich werde bereitwillig der Sache nachgehen und den Widerspruch ohne Ablehnungsquote für Sie verfassen. – Darf ich auch erfahren, was Sie beruflich gemacht haben?«
Fragte vorsichtig Herr Tageszeit.
»Ich war 38 Jahre bei einem Malereibetrieb berufstätig und dazu als Ausbildungsleiter im Betrieb. – Genau vor vier Jahren bin ich bei der Arbeit von der Leiter gefallen und habe mir dabei das Knie zertrümmert. Mein Jobcenter-Berater gibt mir einfach keine Ruhe und sucht ständig nach vielen Gründen für eine Sanktionierung. Ein 1-Euro-Job, dem ich in einem Lager nachgehen sollte, kommt für mich nicht in Frage, und ich würde die letzten Lebensjahre bis zur Regelaltersrente mit einer Erwerbsminderungsrente überbrücken. – Wäre es für Sie möglich, dass Sie mir einen Widerspruch in eine schriftliche Form abfassen?«
Schilderte ein arbeitsloser Mann.
»Ich werde bei Ihren Anliegen behilflich sein und mit einer Vergünstigung für Sie den Widerspruch verfassen. Allerdings werde ich Ihre erreichbare Anschrift; Ihren vollständigen Namen und die Auskunfts- und Beratungsstelle der Rentenversicherung, bei der Sie den Antrag eingereicht haben, benötigen. – Meine Anschrift wird Ihnen wohl bekannt sein. Bitten versenden Sie die nötigen Dokumente einzeln und nur mit einem Fensterumschlag. Alle Briefe sollen mit zwei Briefmarken versendet werden. – Haben Sie noch Fragen?«
Verkündete Christopher.
»Nein, habe ich nicht! – Ich danke Ihnen, dass Sie solche Sachen ehrenamtlich für mich machen, Herr Tageszeit. Falls Sie Ihren Laden irgendwann mal renovieren möchten, wäre ich als Maler sehr nützlich!«
Beschrieb ein alter Mann, der vor Freude sprachlich strahlt.
»Falls es dazu kommt, werde ich mich sicherlich an Sie erinnern. – Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag und schon sehr bald werden Sie Post von der Rentenversicherung bekommen.«
Erzählte rasend

Lektor: Axel C. Englert

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