Ehrenamtlich engagiert - Page 7

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platzieren kann, sondern tritt da auf, wo er zuvor ging. Erfahrungsgemäß hat er sich die Gehstrecke wie die Ameisen angefertigt und bummelt nur noch dann durch die Wohnung, wenn es wahrlich und dringend sein muss. Der schlingernde Aufwand hat sich wahrlich gelohnt und die aufwändige Anstrengung, die vieles gefordert hat, wird noch heute durch eine Druckerei-Bestellung ausbezahlt. Nicht einfach so hat Wesley sich all die CDs und DVD-Hüllen angeschafft. Und damit bei der Sache eine gewisse Professionalität und geschäftliche Standardisierung entsteht, hat Wesley für sich beschlossen: die Film-Cover eigenständig zu gestalten; zu bestücken und zu verpacken, und inmitten von elektronischen und digitalen Manifestationen der Arbeit kommt eine ersehnte Wendung, und diese Wendung folgt entzückend, weil jemand an der Tür klingelt. Die Gehstrecke ist vor einer Weile gut geschlagen worden und ohne viel Präzision läuft Wesley durch die Wohnung Richtung Tür.
»Hallo, wer ist da?«
Fragte Wesley Tagesarbeit und hofft, dass die Druckerei-Bestellung angekommen ist.
»Guten Morgen, hier ist die ‚Spionage unter Druck‘-Druckerei! – Ich habe Ihre Bestellung vorbeigebracht!«
Antwortete ein Mitarbeiter der Druckerei.
»Endlich! – Bitte kommen Sie hoch!«
Erklärte vor Freude Herr Tagesarbeit, der Filme verkauft. Per Türklingel-Telefon lässt er die Eingangstür für eine lange Zeit offen. Die Tritte im Hausflur erzeugen beim Warten eine erfreuliche Vermutung, die erregend besagt, dass die Bestellung ziemlich groß sein muss, denn es dauert viele Sekunden, bis der Lieferant seinen Körper über die Treppe befördert. Nun sieht auffordernd Wesley Tagesarbeit den Lieferanten, den er bedauerlicherweise zuvor noch nie gesehen hat.
»Hallo, Sie sind bestimmt Herr Tagesarbeit! – Hier ist Ihre Druckerei-Bestellung, die Sie vor Tagen angefordert haben.«
Schilderte ernst ein Mann, der ein großes Paket in den Händen trägt. Er geht die Treppe hinauf und hat eine zu seriöse Art, die für diesen Beruf doch so unpassend wirkt.
»Guten Tag, es freut mich, dass Sie die Bestellung vorbeibringen. – Wo ist Frank geblieben, der immer die Bestellungen an mich geliefert hat?«
Erkundigte sich Wesley, und ahnt etwas, was er nicht mit Vorahnungen begreifen kann.
»Frank … Er hat sich krankgemeldet! Ich bin sein Vertreter.«
Antwortete ein Mann, der sich nicht vorgestellt hat.
»Oh … Davon hat er mir nie erzählt.«
Sprach Wesley.
»Wie denn auch? – Wer kann schon vorausahnen, wann er krank wird! – Hier ist Ihre Bestellung!«
Erzählte unfreundlich der Mann und lässt das Paket auf dem Boden liegen. Nun spricht er weiter:
»Wie ich aus den Akten entnehmen kann, bestellen Sie viele Filmdarsteller-Poster. – Möchten Sie einen Abo-Vertrag mit uns abschließen, damit die Lieferkosten niedriger werden?«
Erkundigte sich aufdringlich der Mann.
»Nein … das wird nicht nötig sein. – Hat Frank eine Grippe, und wissen Sie vielleicht, wann er wiederkommen wird?«
Vergewisserte sich Wesley.
»Der Frank ist in die Print-Maschine gefallen und hat sich die Hand gebrochen. – Wann er arbeitsfähig wird, kann ich nicht sagen!«
Antwortete der Mann.
»Oh …«
Äußerte Wesley Tagesarbeit dazu.
»Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag, Herr Tageszeit! – Und bald sehen wir uns wieder!«
Verkündete bösartig der Mann und geht die Treppe runter.
»Mein Name ist nicht ‚Tageszeit‘. – Ich heiße: Herr Tagesarbeit …«
Antwortete Wesley Tagesarbeit. Noch beim Gehen sagt der Mann etwas:
»Wie auch immer … Wie auch immer …«
Offenbarte der Mann etwas, was eine zweideutige Äußerung mit sich bringt. Das Paket hat der Mann dennoch mühevoll vorbeigebracht und seine Arbeit mühelos erledigt. Sogleich das Paket auch zu schwer fürs Tragen erscheint, schleppt Wesley diese Bestellung eilfertig in die Wohnung hinein. Zwischenzeitlich hinterlässt die Zeit einen Gedanken, der aufblühend und aufdringlich die Idee erzeugt, dass der Lieferant der Druckerei ein verdeckter Polizist sei … Jedes Verbrechen hinterlässt wahrnehmbare und nachdrückliche Spuren, die nicht jeder ausdrücklich sehen kann und wiederum kann auch das Leben diese Fahrspur der Kriminalität einleiten. Und wenn man darin keine Ausfahrt mehr erkennt, muss man hemmungslos und absehbar weiterfahren und aufrecht hoffen, dass es keine Sackgasse war. – Das Paket war nicht leicht zu tragen und viel Platz bietet die Wohnung nicht an. Nur die Fensterbank ist für das Abstellen geeignet und wird dafür auch selbstsicher genutzt. Sich sicher kann Wesley Tagesarbeit nicht sein, und falls die Polizei diese Spuren der Kriminalität erschnüffelt hat, kann Wesley darin keine Ausfahrt und keinen Ausweg mehr erkennen, denn ein gefährlicher Weg ist nur ein Weg, auf dem eine ausgedachte Gefahr nur entgegenkommen kann … Nur der Herbstbaum, den Wesley frohgemut aus dem Fenster sehen kann, hinterlässt den alten Mut. Den Mut, den Wesley vor zwei Monaten spektakulär entdeckt hatte, als er die Idee für seine kriminelle Absichten erschaffen hat. Der herbeigeschaffte Inhalt der Bestellung stimmt; ein Stapel von etlichen Filmpostern wurde gedruckt; das Kunststoff-Papier ist dick genug; jedes Filmposter wurde fünfmal gedruckt, und dennoch drückt das Gewissen beim Kontrollieren bis zur Beklommenheit zu! Der Sorgen-Druck ist so groß, dass Wesley Tagesarbeit seine Arbeit auf später verschieben muss, denn die Sorgen kann man mühevoll und unter vollen Gängen da umlagern, wo sich ein Platz für die Sorgen als großräumig und großflächig erweisen kann, und aufweisend auf diese Folgungen verfolgt Wesley ein besorgtes Telefongespräch, das aus Sorgen bestehend auf der Umlagerung besteht.
»Hallo, hier ist Verena! – Leider bin ich nicht erreichbar und anscheinend in der Welt unterwegs. Wenn du mir etwas sagen möchtest, dann hinterlasse hier gleich eine Nachricht! – Danke und auf Wiederhören.«
Sagte eine Anrufbeantworter-Ansage. Eine echt herrliche Stimme war soeben im Raum und manchmal ruft Wesley diese Dame in unerreichbaren Uhrzeiten an, nur, um ihre Stimme genießen zu können.
»Hallo Verena … Hier ist dein Ex-Freund, Wesley Tagesarbeit! – Du gehst seit Tagen nicht ans Telefon … Vermutlich bist du gerade bei der Arbeit, und ich frage mich immer noch, wieso du in einem Waschsalon arbeitest … Aufgrund meiner Arbeit bin ich nun in der Lage, für dich zu sorgen, und du sollst wissen, dass ich unheimlich viel Geld verdiene … Demzufolge möchte ich dir sagen, dass du nicht mehr arbeiten musst und du kannst mich ruhig mal besuchen … Andererseits muss ich dir hiermit gestehen, dass meine Arbeit nicht ganz legal ist. – Was ich genau mache, kann ich dir nicht sagen, denn mein Telefon wird sicherlich von der Polizei abgehört. Ich habe Scheiße gebaut und erst heute erfahren, dass die Polizei hinter mir her

Lektor: Axel C. Englert

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