Erfolg!

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Es war ihm ein Anliegen. Ein Bedürfnis. Sein Ziel.

Er wollte nach oben, wollte den süßen Duft des Erfolgs riechen, seine Nase hineinhalten und ihn tief einsaugen bis in die feinsten Verästelungen seiner Bronchien. So oft schon hatte er es gesehen bei anderen, wie sie strahlten, wenn ihnen das Publikum zujubelte, wie sie von innen heraus zu leuchten anfingen und wie ihnen plötzlich alles andere wie gebratene Tauben in den Mund geflogen kam.

Ein Leben wie sie wollte er führen, umjubelt und im Scheinwerferlicht.

Stand ihm das nicht genau so zu wie all denen vor ihm? Zwei kannte er sogar persönlich, mit einem war er in dieselbe Klasse gegangen, ein paar Jahre lang. Seltsam nur, dass der ihn nicht mehr zu kennen schien. Aber er war ja schon damals so komisch gewesen: Wenn alle Fußball spielten, ging er zum Schlagzeug-Unterricht (!). Wenn die anderen im Park rumhingen, musste er ja immer "proben".

Also ER hatte keinen Unterschied gehört, damals, für ihn klang alles gleich, was sein Kumpel da mit den Schlagstöcken fabrizierte und den Becken oder wie das hieß. In seinem Keller haute er darauf rum wie ein Berserker. DAS hätte er auch gekonnt, wenn er ein Schlagzeug gehabt hätte.
Aber Ronny war nicht davon abzubringen: „Muss noch proben“, war seine Standardausrede, wenn irgendwo die Post abging.

Dass Ronny damals plötzlich in einer Band spielte, hatte er auch nicht nachvollziehen können. Ja, da fing das auch mit den Mädchen an. Mann, von einem Moment auf den anderen liefen die ihm regelrecht die Bude ein. Er hätte JEDE haben können, wirklich JEDE.
Für Ronny stand die Band an erster Stelle. Manchmal wirkte er richtig verbissen, wie er so auf die Trommeln haute – schon ein bisschen exaltiert, irgendwie übertrieben.

Aber die Band fing an, Erfolg zu haben. Erst kleinere Gigs, dann wurden sie zu einem Festival in der Nachbarschaft eingeladen, danach dann die Demo-CD, als der Moderator sie fragte – und die wurde rauf und runter gespielt. Jedes Wochenende waren sie unterwegs.
Zuerst von den Eltern gefahren, dann hatten sie von Gagen sogar einen gebrauchten Bully gekauft, und später nahm alles ganz große Dimensionen an.

Ja, und Ronny kannte ihn nicht mehr. OK, vielleicht hatte er ihn auch vorher nicht richtig gekannt, denn er war ja immer am Proben, Proben …
Nee, das war nix für Michi. Da hatte man ja gar nichts vom Leben! Schließlich war man ja nur einmal jung! Er nahm alles mit, was ihm so über den Weg lief, Kino, Partys, Alkohol, alles, was nicht männlich war, Autorennen, ganze Wochenenden in den verschiedenen Discos nacheinander und Sachen, von denen man lieber nicht laut spricht. Er grinste in sich hinein.

Was ihm jetzt noch fehlte, war der Erfolg. Er wollte auch da oben mitmischen. Wenn er nur den Trick wüsste! Aber ihm fiel nichts ein. Er hatte schon so viel probiert, nur, wenn es ans Eingemachte ging, hatte er einfach keine Energie mehr. Wenn der Wind ihm etwas stärker entgegenblies, strich er lieber die Segel, bevor er auf die Nase fiel und ihm einer dumm kommen könne.

Aber irgendwann käme er schon noch hinter den Trick, wie man Erfolg haben könnte. Und dann würde ER dort oben stehen und alle Welt würde IHM zujubeln. Er musste ihn nur noch finden, diesen Trick. Das war sein ausgemachtes Ziel!

© noé/2015 Alle Rechte bei der Autorin

Gedichte und Prosa im Mix.
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