Garfield & Co IV

von Dieter J Baumgart
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Epilog

Dreizehn Jahre sind es nun her, daß Pantoufle in unser Leben trat und schließlich zwei Jahre später auch ihren Halbbruder einführte. Das ist eine lange Zeit und, mal so ganz locker betrachtet, ist es keineswegs klar, wer von uns Vieren zuerst den Löffel abgibt. Coco, die Katze, die mir ihre Memoiren in die Maschine diktierte, wurde immerhin 19 Jahre…
Aber das soll nicht Thema dieses Nachtrags sein.

Hingegen ist es schon einen Blick wert, das Miteinander der Halbgeschwister in wichtigen Angelegenheiten Revue passieren zu lassen.
Was ist zum Beispiel aus den Macho-Allüren des einjährigen Katers Mikesch geworden?
Überraschende Antwort. Die Macht wurde geteilt. Und zwar nach Regeln, welche die Klügere – Pantoufle – aufstellte:
Mikesch schiebt also auch weiterhin seine Halbschwester vom Futternapf, wenn er der Meinung ist, daß es da besser schmeckt. Und dieser Meinung ist er immer. Natürlich, wenn Fischreste oder sonst was Leckeres serviert werden, lassen wir den Mundraub nicht zu. Aber wenn Beide das Gleiche haben, mischen wir uns nicht ein. Und so läuft das dann ab: Kaum setzt der Kater sich in Bewegung, räumt sie das Feld und wendet sich dem verlassenen Napf ihres Halbbruders zu. Ihre Gedanken sind offensichtlich: Lieber Himmel, wenn dir das so wichtig ist, na bitte, friß!
Die Retourkutsche, die Strafe für diese Klauerei, folgt nicht auf dem Fuße, aber sie ist wohl überlegt. Das Hausrecht, wer wann allein oder gemeinsam auf dem Stuhl oder auf dem Sofa sitzt, entscheidet allein und ausschließlich mit Blicken die große Schwester.

Die Couch ist 160 cm lang. Wenn Pantoufle da ruht, kann es sein, daß Mikesch allen Mut zusammen nimmt, hinauf springt und mit dem Begrüßungslecken beginnt. Pantoufle, die die Geste normalerweise freundlich erwidert, rührt sich nicht, der Kater verläßt das Ruhemöbel und trollt sich. Es kann Tage dauern, bis ein Besuch genehm ist. Und im Allgemeinen reicht schon ein Blick aus der Ferne und die Lage ist geklärt. Soviel zum Thema Gleichberechtigung unter Katzen…
Dazu muß gesagt werden, daß die Beiden einander innig lieben. Wenn Begrüßungsküßchen getauscht werden, ist das bei aller Beiläufigkeit eine tief empfundene Freundschaftsgeste.
Und wenn beide Tiere zusammen schlafen, was trotz der schwesterlichen Strafmaßnahmen die Regel ist, dann bieten sie ein Bild schönster Eintracht, und nur die unterschiedlichen Fellfarben ermöglichen es festzustellen, wem welcher der zwei Schwänze und acht Pfoten gehören.

Natürlich nimmt auch die Kommunikation mit uns Menschen den ihr gebührenden Raum ein.
Dazu gehören vor allen Dingen die morgendlichen Begrüßungszeremonien, denn Mikesch und Pantoufle verbringen die Nächte auch weiterhin bei jedem Wetter außer Haus. Wenn die Sonne scheint, ist es Mikesch, der morgens das Haus im Auge hat. Und wir sind sicher, daß er allein aus der wechselnden Geräuschkulisse schließen kann, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um zur Tür zu sausen. Flutsch sind sie drinnen, der verfressene Mikesch eilt an die Näpfe. Was, noch nichts drin? Weiter in die Ecke, wo der Futterbeutel steht, falls uns das entfallen sein sollte. Pantoufle hingegen springt auf den Couchtisch, um uns die Begrüßungszeremonie zu erleichtern, schließlich sind die beiden Menschen auch nicht mehr die Jüngsten... Solcherlei Feinheiten sind dem Kater fremd, wenngleich er Streicheleinheiten auch zu schätzen weiß. Und manchmal zeigt sich bei Pantoufle sogar ein Anflug von Eifersucht: Wenn Mikesch seinen Bauch in die Sonne reckt und bei der Gelegenheit gekrault wird, genießt er das mit einer nahezu wollüstigen Inbrunst. Pantoufle hat für Szenen wie diese allerdings gar kein Verständnis. Funkensprühend vor Eifersucht drängt sie sich dazwischen, während der Kater sich ernüchtert abwendet. Beide Tiere lehnen allerdings einen zu engen Kontakt mit uns vehement ab: Hochheben oder gar auf dem Schoß sitzen? Nicht mit uns!

Apropos Kontakt: Gestern gab es lautstarken Katzenärger in der rue de la-bàs, gemeint ist das schmale Sträßchen an der Längsseite unseres Häuschens. Beteiligte waren offenbar unsere Beiden. Den Anlaß lieferte zweifellos Kater Mikesch, der – der Jahreszeit entsprechend – von Restbeständen seiner Frühlingsahnungsgefühle überkatert wurde und sich dem entsprechend seiner Halbschwester unziemlich genähert hatte.
Die wiederum hat seit ihrer vermuteten Jugendsünde mit ihrem Beschützer Garfield, mit Sex nichts, aber auch gar nichts im Sinn. Nun, wie auch immer, die Strafe ist drakonisch und wird, nach dem was wir heute beobachteten, noch anhalten. Verschärftes Sofa-Verbot: Nicht nur, daß die Dame ein reuevolles Ablecken ablehnt, sie ekelt sich sogar vor einer gemeinsamen Nutzung des Möbels und verzieht sich umgehend auf einen unserer Stühle. Der Kater verlässt bedrückt das Zimmer…
Wir sind gespannt, wie es weitergeht und machen uns so unsere Gedanken über Ähnlichkeiten im Umgang miteinander bei Mensch und Tier. Kein Wunder, daß der Urinstinkt Fortpflanzung bei beiden Rassen an erster Stelle steht und für den meisten Ärger sorgt…

Nun, drei Tage sind vergangen. Mikesch hat seine Lektion offensichtlich gelernt, er würdigt den schwesterlichen Freßnapf keines Blickes mehr, hält sogar eine Art Sicherheitsabstand ein. Und gestern Abend fand die Versöhnung statt: Eine längere Zeremonie, die vor allem ein inniges Ablecken der gegenseitigen Gesichter zum Inhalt hatte.

Ein Donnerschlag zur rechten Zeit
bricht schlechte Sitten,
beendet Streit.

Jedenfalls bei unseren Katzen...

Kuscheltiere unter sich..., Foto: Dieter J Baumgart

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