Liebe spielte keine Rolle

Bild von Anita Zöhrer
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Noch nie war mir ein solch arroganter Idiot untergekommen, wie Philipp es war. Von seinen reichen Eltern völlig verwöhnt, drehten sich seine Gedanken stets um sich selbst. Trotzdem bestand mein Vater darauf, dass ich ihn zum Mann nahm. Liebe spielte dabei keine Rolle, sondern nur das Geld, der Einfluss und das Prestige, die Philipps Familie besaß.

Meine Mutter hatte längst das Weite gesucht und ich wollte es ihr nun gleichtun. Lieber verbrachte ich mein Leben mit keinem Cent in der Tasche als mit jemandem, dessen größte Sorge es war, dass ihm sein Haargel nicht ausging.

Spät in der Nacht kaufte ich mir am Bahnhof ein Zugticket und war gerade auf dem Weg zu meinem Zug, als auf einmal Polizisten auf mich zu kamen. Sofort wusste ich, dass mein Vater sie alarmiert und auf mich angesetzt hatte. Ich ergriff die Flucht. Auf keinen Fall kehrte ich freiwillig nach Hause zurück.

In einer dunklen Ecke ein Stück vom Bahnhof entfernt, versteckte ich mich und beobachtete die beiden Polizisten, wie sie sich nach mir umsahen. In Kürze würden sie Verstärkung erhalten. Ich war ratlos, wie ich ihnen entrinnen sollte, als plötzlich jemand seine Hand auf meine Schulter legte. Erschrocken wandte ich mich um – es war ein guter Kamerad von mir.

„Komm, ich bring dich weg von hier!“
Ich hatte ihm von meinem Vorhaben erzählt. Dass er mir dabei helfen würde, hätte ich von ihm jedoch nicht erwartet.

Gemeinsam fuhren wir in seinem Auto quer durch das Land, bis wir schließlich ein kleines Dorf erreichten, in dem wir eine Rast einlegten. Es gab hier nicht viele Leute, jedoch zahlreiche Leute, die auf der Straße lebten. Ich fand Gefallen an ihnen und beschloss, zu bleiben. Hierher zu ihnen gehörte ich. An diesem Platz war ich frei, zu lieben, wenn ich wollte.

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