GrenzerFahrungen

von Mitch Cohen
Aus der Bibliothek

Der Eifrige, der mir die TAZ mit gerechter Wut abnimmt. Noch ein Triumph für die fortschrittliche Gesellschaft!

Der Gemütliche, der mich so höflich bittet, die Taschen auszuleeren und ob er mich abtasten darf, daß ich "aber natürlich" antworte.

Der Verdächtigende, der sich selber mißtraut, weil er weder in meinen Taschen noch in meiner mündlichen Erklärung etwas Verdächtiges zu finden vermag.

Der Kunstkritiker, der wissen will, was die ausgeführte Malerei denn darstellen soll und warum ich sie ausführen will; der mir nicht so richtig glaubt, das Bild sei abstrakt; und der mich mit ungläubigem, abschätzigen Staunen betrachtet als ich sage, ich will es ausführen, weil ich es schön finde.

Der Verständnisvolle, dem ich leid tue, als er erfährt, daß ich fast jedesmal in der Kabine sitzen muß, während die Bücher, die ich verschenken will, auf Einführbarkeit überprüft werden. Als er sich dafür entschuldigt, "Finnegan’s Wake" überprüfen lassen zu müssen, räume ich ein, "Es ist ihre Grenze", eine Einsicht, die ihm Freude bereitet. Der dann nach fünfundvierzig Minuten mit dem Buch zurückkommt und sich für mich freut, "Sie können das Buch ruhigen Gewissens Ihrem Freund schenken."

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