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Story XV: Der Gärtner oder eine gar garstige Moritat - Page 2

Bild von Q.A. Juyub
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der Tatort! Wenn Se bitte mitkommen möchten.‘
Punchie betrachtete seinen Seppel unwillig. Wie konnte er nur auf die absurde Idee kommen, dass dieser verblödete Kerl hier überhaupt ein Spielchen abzog. Vor einigen Minuten, nachdem er sich zuvor auf dem benachbarten Supermarktparkplatz mit nicht ganz billigen Designerdrogen entspannt hatte, war der Schrecken der Unterwelt mit seinem aus Nebeneinkünften finanzierten Lotus XL vorgefahren und brachte das noble Gefährt elegant zum Stehen, was angesichts der einhundert Stundenkilometer Ankunftsgeschwindigkeit schon eine rennfahrerische Leistung darstellte; allerdings übte der mobile Gesetzeshüter auch regelmäßig Hochgeschwindigkeitsrennen in der Innenstadt. Mit ungewöhnlicher Schnelligkeit gelang es dem Polizeihauptmeister Seppel, der seit seinem Anruf geduldig auf das Eintreffen des Vorgesetzten vor dem Sonnenstudio wartete, durch einen gewaltigen Sprung zur Seite nicht in die Statistik der Verkehrsopfer einzugehen, sodass nur einige Mülltonnen ein trauriges Schicksal erlitten. Enttäuscht sein oberordnungspolitisches Haupt schüttelnd verließ der Kriminalist aus Leidenschaft ungern seine Luxuslimousine und wurde auch schon flugs vom offensichtlich völlig unbeeindruckten Beinaheverkehrsopfer auf gewohnt stupide Art eingewiesen.
‚Was Sie nicht sagen, Seppel! Sind die SpuSi und der Leichenfledderer schon fertig?‘
‚Nee Chef, die sind nich so schnell als-wie Se mit Ihre Verhaftungen, die arbeiten nämlich.‘
‚Was soll das denn schon wieder heißen, Sie Clown?‘
Mit Ochsen gleicher Unschuldsmiene blickte der smarte Polizeihauptmeister seinen unwilligen Vorgesetzten an.
‚Nix Chef! Ich mein nur, die sind nich fertig!‘
‚In gewisser Weise ähneln Sie der Sphinx, Seppel. Ihre mentalen Fähigkeiten reichen zwar nicht zum Brunzen aus, aber Sie sind mit Sicherheit so rätselhaft. Und jetzt setzen Sie den Sitz Ihres bescheidenen Denkapparates in Bewegung.‘
Der verständnislose Blick seines verwirrten Untergebenen versetzte den Oberkriminalist gewohnheitsmäßig in eine mittlere Rage.
‚Damit Sie mich verstehen: Bewegen Sie Ihren Arsch jetzt gefälligst in Richtung Tatort!‘
‚Zu Befehl, Herr Oberkommissar. Wat immer Se sagen!‘
Gehorsam betrat der uniformierten Geistesriese das Sonnenstudio des Grauens mit seinem Herrn im Gefolge, dessen eiserne Selbstbeherrschung gerade noch den unwiderstehlichen Drang unterdrücken konnte, seine Dienstwaffe an seiner statt sprechen zu lassen.
Der geneigte Leser mag die Details der sich darbietenden Szene schon in unzähligen Kriminalfilmen, die mindestens ebenso von Unkenntnis wahrer Polizeiarbeit geprägt sind wie meine Schmierereien, beobachten können, sodass ich mir die schmutzigen Details aus reiner Faulheit spare. Während im Hintergrund allerlei Statisten herumwieselten, die mit irgendeinem kriminaltechnischen Schnickschnack beschäftigt waren, befanden sich im Geschäftsraum des Sonnenstudios drei für diese Szene wichtige Personen: Herr Aton, sein Angestellter Echnaton und der Pathologe Babushka.
‚Wenn Se hier kucken, Chef. Dat beiden Südländer sind die Herren Echnaton und Aton. Dat Echnaton is der Junge, wo die Leiche entdecken tat. Dat Opfer arbeitet hier, tut heißen Bibi Blockhill, is 35 Jahre und is wohnhaft in dat Brokenstr. 666a. Dat Opfer is ledig, aber wohl mit eine Herr Binukiu liiert…‘
‚Seppel, Sie Knalltüte, verschonen Sie mich mit derart unwichtigen Details!‘
‚Jawohl Meister Chef! Soll ich dat Südländer jetze verhaften tun?‘
Während die beiden ‚Südländer‘ ägyptischer Abstammung völlig konsterniert den diensteifrigen Seppel anstarrten, schüttelte Punchie in völligem Unverständnis über so viel Unvermögen das kommissarische Haupt.
‚Seppel, Sie Pfeife, wie oft soll ich Ihnen noch sagen, dass wir dieses Verfahren ausschließlich bei Bioateutonen anwenden! Entschuldigen Sie sich jetzt gefälligst bei den Herren!‘
‚Entschuldigen Se, aber dat Kommissar wat Ober is, tut sonst immer dat verhaften lassen, wat die Leiche gefunden hat, weil dat einfach is. Manchmal greifen wa uns auch ne Obdachlose, wat seinen Verstand versoffen getan hat, weil dat auch bestimmt dat Mörder is und sich nich wehren tut. Deshalb hat dat Chef eine Aufklärungsrate von 100 Prozente!‘
Wieder dachte der 100-prozentige Oberkriminalist an seine Dienstwaffe, beschloss aber, mit äußerster Willensanstrengung, verbal zu feuern; vielleicht konnte man den ehrlichen Seppel gelegentlich in eine dunkle Seitengasse locken und dort dem Elend ein Ende machen.
‚Schweigen Sie, Sie verdammter Idiot. Nehmen Sie, meine Herren, nicht ernst, was der Polizeihauptmeister dort deliriert. Diese niederen Chargen haben doch manchmal eine ganz eigenartige Art von Humor!‘
‚Echnaton, mein getreuer Knecht, sage dem Sterblichen, dass mir die Methoden der hiesigen Büttel in meiner unendlichen Weisheit durchaus bekannt sind. Oh mein demütiger Diener, verkünde der niederen Polizeilichkeit, Dein heiliges Alibi, nämlich, dass Du in ehrfurchtsvoller Anbetung die Nacht mit mir verbracht hast. Für weitere Fragen mögen sich die Vertreter der profanen Weltlichkeit an unseren ‚Advocatus Dei‘, Lucifige Rofocale, wenden!‘
Die Benennung des göttlichen Anwalts verursachte bei Punchie ein sehr kräftiges Unwohlsein in der Magengrube. Der berühmt berüchtigte Strafverteidiger der Kanzlei Asmodeus & Friends genoss einen eindeutigen Ruf, der sich darauf gründete, dass es dem von jeglichen Skrupeln befreiten Juristen gelungen war, für den unübertroffenen Massenmörder Mackie Messer – im Volksmund auch ‚Jack the Knive‘ genannt – einen Freispruch wegen ‚eines Formfehlers‘ zu erlangen; allerdings sollte man in diesem Sinne nicht unerwähnt lassen, dass die örtlichen Gerichte nicht wirklich mit gerechtigkeitsliebender Weisheit gesegnet waren.
‚Aton, dessen Licht die Welt der sterblichen Menschen segnet, lässt sich herab euch folgendes zu verkünden, oh ihr geringes Gewürm: Wer Ohren hat zu hören, der höre…‘
‚Schon gut, Herr Echnaton, ich habe Ihren Chef schon verstanden! Die Herren mögen die Inkompetenz meines Personals verzeihen! Selbstverständlich fällt nicht der Schatten eines Verdachts auf Sie! Grüßen Sie doch bitte Herrn Rofocale von mir recht herzlich!‘
Da das ägyptische Pärchen trotz der offensichtlich mächtigen, rechtsverdreherischen Verbindungen zum advokatischen Meister des Winkels einen leicht durchgeknallten Eindruck auf den servilen Chefermittler machte, formte sich im kommissarischen Oberstübchen eine einträgliche Idee.
‚Seppel, Sie Troglodyt, sind eigentlich die Tageseinnahmen noch in der Kasse?‘
Der Angesprochene lächelte mit einer wissenden Einfalt.
‚Klar Chef, verstehe. Wollen Se die sich sichern?‘
Konnte diesen verdammten Schwejk-Verschnitt nicht einfach der Blitz treffen? Wieder befand sich der Chefermittler am Rande eines hysterischen Anfalls.
‚Verdammter Kretin… Ich meine: Danke für die Information, Polizeihauptmeister.‘
Mit einem schleimigen Grinsen staatlicher Verbindlichkeit wandte sich der Leitbulle an Aton und seinen frommen Diener.
‚Die Herren müssen verstehen, wir müssen dringend die Geldscheine auf… hmm, meinetwegen Fingerabdrücke untersuchen. Zu meinem größten Bedauern werden die bei diesem hochtechnologischen und klimaneutralen Verfahren zerstört. Gewiss werden die Herren mir beipflichten, dass kein Opfer zu groß ist, um der Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen!‘
‚Echnaton, mein herzgebobbeltes Dreckschippche, frage diesen einfältig unverschämten Sterblichen, ob sein schwacher Geist annimmt, dass wir unsere Hosen mit einer Kneifzange schließen? Rufe sodann, oh geliebtester aller Gottesknechte, den Rofocale an.‘
Bevor nun Atons Sprachrohr die Worte

Zum neuen Jahr eine alte Geschichte, die euch erfreuen möge. Ansonsten wünsche ich alles Gute für 2021.
Cheerio
JU

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Kommentare

04. Jan 2021

Wie immer bedankt sich die Firma für die Blumen.
LG JU

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