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Untreu

Bild von Anita Zöhrer
Bibliothek

Dass sie ihm nicht treu war, war für ihn schon lange kein Geheimnis mehr. Dennoch blieb er an ihrer Seite und stand hinter ihr, unterstützte sie, wo immer es ihm möglich war. Ihre Warnungen, sich nicht zu sehr auf ihn einzulassen, nahm er ernst, doch dass er sich in sie verliebt hatte, konnte er nicht ändern. Vielmehr bemühte er sich, ihr ein guter Lebenspartner zu sein; wie viel Schmerz er dabei ertragen musste, wusste nur er allein. Nicht selten fragte er sich, ob seine Freundin seinen Kummer wirklich wert war.

Seine Kameraden hielten ihn für verrückt; der Freundeskreis seiner Freundin nicht minder. Dass die ganze Geschichte kein gutes Ende finden würde, war ihnen allen klar. Bei jedem Besuch und Telefonat versuchten sie, auch ihn davon zu überzeugen, doch er blieb standhaft. Keinesfalls wollte er seine Freundin im Stich lassen. Lieber nahm er ihre Fehltritte in Kauf, als dass er sie in ihrer Meinung bestätigte, sie wäre unfähig zu einer Beziehung.

Monatelang hoffte er, dass sie sich irgendwann vielleicht änderte und ihn nicht ständig mit anderen Männern betrog. Viel zu sehr liebte seine Freundin jedoch ihre Abenteuer als dass sie darauf verzichtete; nicht einmal leid taten ihr ihre Ausrutscher.

Böses ahnte er, als sie eines Tages einen Mann mit nach Hause brachte, den sie als guten Kameraden ausgab. Mit Schnaps und Bier betranken die beiden sich, nur er blieb nüchtern und begnügte sich mit Saft und Wasser. Immer ausgelassener wurden seine Freundin und ihr vermeintlicher Kamerad; tanzten zu lauter Musik und vergnügten sich. Mit feuchten Augen beobachtete er ihre Blicke, die sie austauschten. Nicht im Geringsten kümmerten die beiden sich mehr um ihn; als ob er nicht da wäre, umarmten sie sich schließlich und küssten sich. Das war selbst für ihn zu viel. Er stürmte hinaus ins Freie und wollte nur noch weg. Endgültig war sein Herz in tausend Stücke zersprungen. Womit er das verdient hatte, war ihm unerklärlich.

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