Vom Christbaumständer und dem Selbstwert

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Es war einmal ein Bügelbrett, in manchen Gegenden sagt man auch Plättbrett dazu, das beschwerte sich erbittert: „Niemand kümmert sich um mich; meistens werde ich in die Ecke gestellt und meine Knochen tun mir weh, weil man mich ganz klein macht. Man beschäftigt sich nur mit mir, wenn man mich braucht, sonst bin ich Luft für alle. Und wenn ich mich dann mal so richtig recken und strecken kann, spielt man mir schon wieder übel mit. Dann fahren sie mit einem heißen Eisen auf meinem Rücken hin und her und her und hin, dass ich jedes Mal stöhne und ächze – aber wen kümmert das schon!!“

Vom obersten Regal herab erwiderte der Christbaumständer bedächtig: „Was beklagst du dich. Du bist dazu geschaffen, als Bügelbrett zu dienen, und schau, wie oft man dich braucht. Wie würdest du fehlen, wenn es dich nicht gäbe.
Mich benötigt man nur einmal im Jahr, dann habe ich eine schwere Last zu tragen und meist im Verborgenen. Aber ich trage sie mit Stolz. Denn: Wenn es keine wie mich gäbe, wäre die Welt ein wenig ärmer.“

© noé/1990 Alle Rechte bei der Autorin.

Kommentare

12. Dez 2014

Ein Leben als Bügelbrett kann ich mir auch nicht vorstellen.

12. Dez 2014

Ich bin geplättet!
Jetzt weiß ich endlich wo das herkommt...
:-))

23. Nov 2016

Dass GEGENSTÄNDE so agieren -
War MIR ganz neu, möcht' gratulieren!

LG Axel

12. Dez 2014

Alf: Was? Dass dir die Knochen wehtun? Das Stöhnen und Ächzen beim Recken und Strecken? Oder das Abgebügelt-Werden? ;o))

12. Dez 2014

Axel: Du bist umgeben von den Dingen, / die davon ein Liedlein singen ...

12. Dez 2014

Warum nicht, bin ich nur einmal im Jahr beschäftigt.

23. Nov 2016

Also meiner Meinung nach muss ein Tannenbaumständer kein Hightech sein. Wichtig ist, dass man den Baum gut arretieren kann. Und da gibt es genug Auswahl.