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wer ich bin

Bild von Alf Glocker
Bibliothek

Ich bin ein… oder vielleicht doch nicht? Bin ich vielmehr ein…, nein, das wohl auch nicht. Ich bin immer was ich mir vorstelle und von mir erwarte…harharr! Auf diese Weise geht selbstverständlich alles, und natürlich auch gut – ich muss es nur immer behaupten. Doch was immer ich sein könnte – eines bin ich auf alle Fälle: eine Unheilige Dreifaltigkeit!

Um heraus zu finden, was ich damit meine, gehe ich auf einen kuriosen Schauplatz: die Grauzone zwischen Schlafen und Wachen. Dort treffe ich sämtliche Michs. Beteiligte „Einzel“-Personen…1 Der neutrale (wenn es so etwas gibt) Verstand, 2 die therapeutische Stimme (=künstlicher Optimismus), 3 die Vertretung einer höhergestellten „Anteilnahme“ (Schicksalsgeist). Dann lausche ich den Winden…

1 Ich fühle mich einsam. Ich möchte nachhause. Wo könnte das sein?

2 Ehrlich gesagt, es ist in dir. Für dich sieht es so aus als läge es in der Vergangenheit. Du bist wohl vorbelastet. Suche nicht, finde.

3 Nein, geh doch einfach hin.

1 Heute in der Nacht, im Traum, bin ich dort rein geschneit. Hab’s gleich an der schlechten Stimmung erkannt.

3 Und?

1 Hab mich wohler gefühlt als jetzt.

2 Das hat was mit Komplexen zu tun.

3 Harharr.

2 Wo liegt eigentlich bei dir der Unterschied zwischen Angst und Angst? Angst vor dem Jetzt und der damaligen Angst vor dem Jetzt?

1 Damals war noch jemand da: falsche Freunde, ignorante Eltern, aber ich hatte ein vertrautes Ambiente – es trug meine Hoffnungen aus der Kindheit. Ich brauchte nur Angst vor der Gegenwart zu haben, nicht vor der Zukunft.

2 Na und jetzt?

1 Jetzt lebe ich im Vakuum. Ich habe fast alle Gegenstände, die ich mir früher gewünscht hatte, aber sonst ist keiner mehr da.

3 Harharr. Eingebildetes Arschloch!

1 Naja, ein paar sind gestorben (durch eigene und durch fremde Hand), einige haben solange intrigiert, bis ich sie nicht mehr ertragen konnte und eine Person will mich nur drangsalieren. Nun habe ich Angst vor der Zukunft.

2 Die eine Person erinnert dich an deine Alten?

1 Perfekt!

3 Dann geh doch dorthin wo der Pfeffer wächst!

2 Den Weg beschreib ich dir nicht!

1 Aus der Gegenwart?

3 Perfekt!

1 Wie macht man das?

3 Harharr!

2 Dir wird doch regelmäßig schlecht wenn du aufwachst…

1 …von der Realität.

3 Harharr

2 Das ist doch schon was. Wovon genau wird dir denn schlecht?

1 Kann ich nicht sagen. Ich schlage die Augen auf und habe ein flaues Gefühl im Magen…

2 Eingebildetes Arschloch!

3 Du gehörst doch auch zur Realität.

1 Eben!

2 Dreh dich um!

1 Wohin denn?

3 Aus der Realität. Wohin denn sonst?! Wer sich nach der Vergangenheit sehnt ist ein Teil von ihr – ob sie ihm nun gefällt oder nicht.

1 Überlichtgeschwindigkeit?

3 So ähnlich…

2 Du ekelst dich doch nur aus purer Eitelkeit. Wer hat dir denn den Floh ins Ohr gesetzt, daß der Ekel gerechtfertigt ist?

1 Niemand. Ich empfinde ihn nur.

2 Finde dich doch einfach gut und beharre auf deinem Standpunkt!

1 Darf ich das kritisch überprüfen?

3 Depp!

1 Wäre es nicht gut für die Reise in die Vergangenheit wenn man sich von sich selbst distanziert, sich nicht mehr mit sich identifiziert? Dann schlösse sich doch eine Zukunft automatisch aus – oder?

2 Darüber würde ich nicht nachdenken. Das ist gefährlich!

3 Ist denn dein Fleisch faulig?

1 Irgendwie schon – es riecht nach Fremdherrschaft. Und Fremdherrschaft bedeutet keine Zukunft nach meinem Geschmack. Dann bin ich lieber wieder zuhause in der Vergangenheit, als in der Gegenwart ganz allein. Vielleicht verstehen mich die dort befindlichen Verstorbenen wenn sie mich sehen.

3 Idiot! Wenn sie das je gewollt oder auch nur gekonnt hätten, dann hätten sie es auch getan.

2 Mir kommt das vor wie die Flucht ins Nirwana. Inkarniere dich doch erst einmal hier richtig…

1 Wie? Meine Existenz hier ist doch andauernd bedroht.

3 Hast du schon mal was von Darwin gehört?

2 ermorde deinen Vater und du bist frei – wende dich von deiner Mutter ab und du kannst dich verlieben und heiraten

3 Dazu ist er doch gar nicht fähig! – Weichei!

1 Neben mir steht eine verrostete Kampfmaschine.

2 Schalte sie ganz ab und du landest in der Psychiatrie!

1 Und anders gedacht…?

3 Arschloch! Ein Arschloch will Arschlöchern die Wildbahn überlassen, weil es glaubt nur Köpfchen sein zu müssen…Weltverbesserer-Arschloch!

2 Raus aus den alten Klamotten, das Leben ist jetzt!

1 Ich seh‘ es im Spiegel. Ein Gnom steht vor mir und hinter dem Gnom erstrecken sich Wüsten und Wüste!

3 Lieb‘ dich selbst, dann liebt dich Gott!

1 Ist das bei allen so?

2 Bei allen die wirklich Köpfchen haben!

1 Warum ist Hitler dann tot?

3 Arschloch!! – Riesenarschloch! Du hast wirklich überhaupt keinen Verstand!

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Kommentare

06. Jul 2015

SO dreifaltig - dies scheint nicht schlecht!
Nur einfältig - das wär' nicht recht...

LG Axel

10. Jul 2015

Vilen lieben Dank!

LG Alf

Alfred Mertens
03. Feb 2016

Wenn Du deinen eigenen Winden lauscht,
dann wäre das wirklich aufgebauscht

Lg
Alfred