Anmerkungen des Dichters zu Arabischer Markt (Shuk)

von Carl Stern s.A.
Aus der Bibliothek

Liebes! Eben den „Arabischen Markt“ (Endfassung) zu Ende getippt. Beinahe wäre ich über diesem Textgedicht zum Teufel gegangen. Es blieben lediglich noch die zwei Zeilen in der zweiten Strophe / Dieses verfluchte „bunt“! War einzig richtig, aber es wiederholte sich aus der ersten und dann wieder in der dritten Strophe. Das ging nicht. So richtig es jedes Mal war, es wurde nun einfach z u bunt. Daran habe ich mich vier Tage zu Tode geschrieben. Ein „farbenfreudig Leuchten“ bot sich immer wieder an. Aber da alles in der Gesamt-Stimmung gedämpft bleiben musste, war das aus diesem Bild Tanzende zu krass. Habe seitenlang „Variationen“geschrieben, habe mich damit zu Tode gedichtet. Schließlich legte ich mich gestern schlafen. Natürlich träumte ich dabei auch von einer Lösung. Nun, den Seinen gibt es Gott im Schlaf. Und so, im halbdämmerigen Aufwachen, kam mir der Ausweg. Voila! – Aber das war nicht alles. Da war noch dieses „Warda! –Warda!“ der Maultiertreiber.

Auch nach 40 Jahren konnte ich mich deutlich erinnern, dass die Treiber so oder ähnlich geschrien. Chawa trommelte also alle arabischen Angestellten des Gil Hasahaw zusammen, sie sprechen teilweise auch hebräisch.

„Warda?“ Das gibt es nicht. Dafür aber „Barda“. Das jedoch hieße „abweisende Kälte“, und Maultiertreiber schrien: „U-ah- U-ah!“ Das ging nicht, wirkt ja richtig indianisch. N

Endlich legte einer den Finger an die Nase, sagte bedächtig: „Eigentlich gibt es doch `Barra`..Das heißt `geh aus dem Weg!“

Uff, - das passte wunderbar zu „warnend“ und wenn man die Treiber, wie Chawa vorschlug, davor rückt, ist die richtige Wirkung da. Du wirst es merken, wenn Du beide Fassungen vergleichst … Wenn man bedenkt, dass ich an diesem „Arabischen Markt“ vierzig Jahre vergeblich herum geschrieben habe, dass mir das Bild des ehemaligen Shuk abhanden gekommen ist …

Die heutige Altstadt ist orientalisch beleckt und zurechtfrisiert für die Touristen. Peinlich sauber! Und die Verkäufer sagen heute: “Please, come in! You are welcome!“ Ach, so höflich und gesittet. Das Einzige, was blieb, sie hau´n Dich übers Ohr – heute wie damals – wenn Du nicht verstehst, was und wie die Spielregeln sind. Bist Du ganz naiv, betrügen sie dich um das Doppelte und Dreifache. Ist wie beim Kartenspiel, nicht etwa gemeiner Betrug. Zahlst – ganz fair – für Deine Dummheit.

-Briefauszug, Jerusalem, am 28.August 1984 –
(Aus der Werkstatt eines Dichters)

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