Fundsachen und Wirkungen

Bild von Dieter J Baumgart
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Tja, da waren wir vor einigen Monaten mal wieder am Mittelmeer, um zu gucken, was das liebe Meer nach manchem Wintersturm so alles angeliefert hat. Und da fand sich unter anderem auch eine kleine angekohlte Wurzel, die ich mal so in den Sand stellte, weil sie irgendwie lustig aussah. Doch dann ergriff mich leichte Panik: Oh, Teufel, dachte ich, wenn die Anderen auch gefällt und von denen eingesammelt wird, wie das schon häufiger passierte? Dann sollte ich sie vielleicht doch lieber selbst unter meine Fittiche nehmen. Tat ich dann auch - dem Schöpfer sei Dank! Denn vor ein paar Wochen reifte eine Idee heran. Mit dem Winkelschleifer habe ich ihr, der Wurzel, das Schnäuzchen ein wenig poliert. Im Fundus, in dem alles landet, was ich vielleicht irgendwann oder auch nie gebrauchen kann, fanden sich zwei passende Kugellagerkugeln, die sogleich ins nun freigelegte Gesicht transplantiert wurden...
Und da war sie, die Anfrage aus dem Mesozoikum! Tatsächlich war es die Art, wie das Tierchen – in Gedanken natürlich ein ausgewachsener Saurier – seine Vorderpfoten gesetzt hatte. Und sagen Sie selbst, unterstützt von den klugen Äuglein, ließ diese Anfrage an Nachdrücklichkeit nichts zu wünschen übrig.
Bin ich nun ein Skulpteur, gar ein Künstler? Ne, nicht eigentlich. Ich habe ja nur das freigestellt, was schon vorhanden war. Diese unglaubliche Stellung der Vorderpfoten – das war so... Nicht mein Verdienst. Da war jemand am Werk, der größer ist als ich – größer auch als alle Skulpteure zusammen, wage ich mal zu behaupten.
Ich erschaffe nichts, ich lege frei, ohne aber eine Vorstellung von dem zu haben, was dabei heraus kommt. Ja, es macht Spaß. Wird es ein Slogan, eine Frage oder eine Feststellung? Wird es – nichts?
Mein Vorgehen ist akribisch, einem Archäologen gleich, immer Gefahr laufend, etwas unwiederbringlich zu zerstören.
Natürlich bewege ich mich mit meinem Tun nicht in den höheren Sphären von Wissenschaft und Kunst, beileibe nicht. Und ich bin froh darüber. Erspare ich mir doch so manchen Ärger. Wenn ich beim Betrachter meiner Abfallbearbeitungen einen Gedanken anrege, ein Lächeln hervorrufe, dann habe ich das erreicht, was ich wollte. Und wenn ich bei dieser Gelegenheit auch bei meinen Mitmenschen den Blick für die Kleinigkeiten am Rande des Weges aktiviere?
Vielleicht ist es ja (nur) das, was uns vom Tier unterscheidet? – Nicht viel, aber jedenfalls nichts Negatives…
Ja, auch Struppi, der Blumenkastenadministrator (BKA) ist so ein Beispiel. Kürzlich habe ich ein Portrait von ihm erstellt. Sie finden es nebenstehend – samt passendem Slogan.

Brille: Baumgart
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