Der Haustyrann

von Jürgen Wagner
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Wenn Er sich aus dem Bett erhob,
war'n da die Schuh', das Frühstücksbrot
Ging er zur Arbeit aus dem Haus,
dann brach erst mal der Frieden aus

Kam er am Abend müde heim,
war das Kommando wieder sein
Er war nicht aufgelegt zu Späßen:
Wo ist die Zeitung? Wo das Essen?

Die Kinder war'n ihm stets zu laut
Ein Widerspruch war nie erlaubt
Gehorchen sollte man - der Mann
war immer oben - so er kann

Die kluge Frau gab meistens nach,
verhinderte manch Ungemach,
erreichte dennoch, was sie wollte,
auch ganz ohne die Revolte

2017 - Unvergeßlich Heinz Erhardt's Persiflage des deutschen Patriarchen in dem gleichnamigen Film von 1959

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Kommentare

Benedikt B.
03. Apr 2017

Ein beklemmend gutes Gedicht - aber ich hoffe doch, dass dieser Typ hierzulande weitgehend ausgestorben ist. Deshalb frage ich mich , was das Thema heute soll.

Hätte die Frau von Anfang an klaren Widerstand geleistet, wäre seine Tyrannei nicht so ins Kraut geschossen und die Kinder hätten abschauen können, wie ihre Eltern Konflikte freundlich und ehrlich lösen.

Mit Grüßen! Bendedit B.

03. Apr 2017

Nun, die Patriarchen sind noch nicht ganz ausgestorben - in vielen Ländern gibt es sie noch, auch an der politischen Macht. Aber es ist bei uns viel geschehen seit den Jahren, in denen dieser Typus herrschte und ich ihn auch selber noch erlebt und erlitten habe.Heinz Erhardt hat es mir erleichtert, unsere Vergangenheit noch mal humorvoll nachzuzeichnen. Danke! JW
P.S: Das weibliche Pendant wird demnächst nachgereicht

03. Apr 2017

Ich finde Dein Gedicht immer noch Real und auch Zeitlos. Modern hin, emanzipiert und gleichberechtig her.
Gewalt und Tyrannei geht überwiegend vom Mann aus. Vielleicht auch deshalb weil dieser sich vielleicht eine
"schwächere" Partnerin sucht.
Liebe Grüße
Soléa

hcheim
04. Apr 2017

Großartig, wie hier mit wenigen Versen eine solches Ekel beschrieben wird, von denen es leider noch allzuviele gibt! Sie sind eine mehrfache Katastrophe:

Der Mann, im Grunde schwach, setzt nur auf Macht, verfehlt die Liebe und verbreitet Angst, Unfrieden und Schrecken - und niemand mag ihn.
Die Frau, die ihm leider nicht entgegentritt ( hier gebe ich Benedikt B. recht) und die lieber hintenrum trickst - auch nicht gerade ein Vorbild für die Kinder.
Die Kinder, verformt und geschädigt für ihr ganzes Leben, müssen erst mühsam lernen, dass sie selbst auch etwas wert sind, dass Nähe nicht bedrohlich ist und wie sie mit anderen Menschen glücklich umgehen können.

Zur Tragik des Tyrannen noch eine Anekdote vom alten Fritz: Vor dem liefen die Leute immer möglichst rasch davon. Einmal erwischte er gerade noch einen und fragte ihn: "Warum läufts du davon?" - "Weil ich Angst vor eurer Majestät habe." Darauf prügelte der König den Mann mit seinem Krückstock: "Lieben sollt ihr mich, lieben!"

04. Apr 2017

Hier ist ja mit einem strengen und mit einem lachenden Auge ein Typos beschrieben, zu dem wir heute im Abstand sind. Aber meist erkennt man erst dann, was da eigentlich los war - in den alten Zeiten, als Väter wegen Nichtigkeiten dem Kind fast die Seele aus dem Leib schlugen. Der Vater war tabu. Er bekam immer das erste und beste Stück Fleisch, er brauchte immer seine Ruhe, was er sagte, war das letzte Wort. Ein Küßchen für 'Mutti', das war seine Zärtlichkeit. Mittlerweile ist unglaublich viel passiert - zum Glück. Aber das ist die lange Tradition, von der wir herkommen. Danke Euch für alle mitdenkenden Kommentare! Jürgen Wagner