Burnout

von Soléa P.
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Beruf oder Berufung
er weiß es nicht
sieht im Spiegel sein Gesicht
das blass und müde ihn angähnt
er dreht das kalte Wasser auf
in diesem Moment stockt der Atem
und sprunghaft steigt der Blutkreislauf
doch ist Manns genug es zu ertragen
freut sich über frisches Leben
geht zielstrebig zur Küche hin
macht die Kaffeemaschine an
kräftige Aromen lassen ihn lächeln
die noch schläfrige Sonne kriecht übers Land
ein letzter Happen vom krossen Toast
dann muss er los
die Arbeit ruft, ein Vollzeitjob
sein Steckenpferd doch auch sein Joch
er pflegt die Alten, die Gebrochenen
das hat er sich einst selbst Versprochen
so gut er kann mit aller Kraft
trotz allem Elend, er freundlich lacht
und zart die Leiber wäscht und cremt
ob die mit Demenz oder gelähmt
er mag sie, nennt sie alle beim Namen
opfert sich auf mit Leidenschaft
bis das Tagespensum vollends geschafft
und doch zerreißt es ihm das Herz
die knappe Zeit sitzt im Nacken
würde gern mehr mit den Herrschaften lachen
doch ein kleines Schwätzchen oder Trost
bringt die Betreuung komplett aus dem Lot
unmenschlich das alles und purer Wahn
lässt ihn an seine Grenzen kommen
er will mehr tun und darf es nicht
auch seine Psyche wirkt mitgenommen
und ist dem Burnout schon sehr nah
bei all dem was er leistet und sah
kommt mit dem Pensum kaum noch klar
zu Hause angekommen sitzt er stumm
in seinem dämmernden Zimmer rum
weint bitterlich und ist untröstlich
zweifelt an dieser kalten Welt
die kalkuliert ihre Runden bahnt
er triftet langsam ab in den Wahn
körperlich noch unversehrt
die Seele hingegen sich streikend wehrt
Berg und Tal rasant mit ihm fährt...
resigniert und ist am Ende
er glaubt nicht mehr an eine Wende.

Quelle:Pixapay- Verändert durch mich.
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Kommentare

02. Aug 2017

Ein ganz tolles Gedicht das die Nöte des Pflegepersonals widerspiegelt, die ihren Beruf tatsächlich aus Berufung nachgehen und nicht nur um des Gelderwerbs wegen.

LG Luise

02. Aug 2017

Danke Luise! Diese Zeilen sind genau an diese Menschen gerichtet. Ich selbst spreche nicht aus eigener, aber aus sehr naher Erfahrung… Die Zustände werden schlechter und die Anforderungen ans Personal immer höher. Und weil es immer mehr an fachlicher Kapazität fehlt, werden oft Umschüler in Pflegestellen vermittelt. Nicht jede/r fühlt sich berufen…. aber, besser als nichts, denken da so manche/r. Und genau mit dieser Einstellung arbeiten sie dann an und mit bedürftigen Menschen. Das Fachpersonal kommt mehr und mehr an seine Grenzen, muss sich noch Zweiteilen… und unmotivierte „Kollegen“ akzeptieren die nicht selten mehr Schaden anrichten als gut machen…

Liebe Grüße
Soléa

02. Aug 2017

Gute Pflegekräfte verlassen drum den Job -
Am Ende wird es dann kalt - und grob ...

LG Axel

02. Aug 2017

… und so vegetiert man hilflos dahin
grübelt übers Leben und dessen Sinn.

Liebe Grüße
Soléa

02. Aug 2017

Burnout ist ein trauriges und schmerzendes Kapitel
menschlichen Leids und nicht nur in der Pflege.
Durchweg sind alle Berufsgruppen betroffen.
Nur, wenn die Helfer schon Hilfe brauchen,
sind wir in unserer Gesellschaft schon tief
gesunken. Ich kenne keine Krankenschwester
oder Altenpflegerin, die wegen des Geldes
diesen schweren beruflichen Weg geht, sondern
im Blickpunkt steht eher die "Menschlichkeit" und
die Hinwendung zu den Behinderten und Älteren,
die Unterstützung benötigen.
Wir leben in einer Zeit, wo Pflege in Not ist,
Politiker sich jetzt hinstellen und für mehr
Geld und Anerkennung sorgen wollen.
Alles im Zuge der Bundestagswahl ?!?!
Herzlichen Dank für den guten Text, er
spricht mich komplett an und sollte an
Pflege-Fachzeitschriften verschickt werden,
müßte dort viele Leser finden !
LG Volker

02. Aug 2017

Ich bin mir nicht sicher, Volker, ob Tatsachen diejenigen interessiert, die es interessieren müsste. Wenn doch, frage ich mich schon warum die Pflege immer problematischer wird? Ich bekomme das eine oder andere vom nahen Verwandten mit und was er zu berichten hat, macht mir Angst für die Zukunft. Die alten Leute in den Heimen waren mal jung, vielleicht unsere Väter oder Mütter. Sie /wir haben alle ein Recht würdig versorgt zu werden, in reichen Ländern wie unseren…

Liebe Grüße
Soléa

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