BAHNHOF DER GEFÜHLE

Bild von Andreas Brod
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Fröstelnd und wartend stehe ich am verschneiten und kalten Bahnsteig. Ein eisiger Wind bläst aus Norden und treibt mir Tränen der Kälte in die Augen. Im Schein der hellen Bahnsteiglaternen sehe ich kleine, wirbelnde Schneeflocken. Es sieht aus, als tanzten sie vor Freude.

Eiserne Gleise
Die Schwellen schneebedeckt
Wohin führen sie?

Das Signal zur Einfahrt des Zuges zeigt grünes Licht. Sehen kann ich den Zug noch nicht, doch die immer lauter werdenden Geräusche der Gleise vernehme und kenne ich. Der Nordwind bekommt kräftige Unterstützung vom Fahrtwind des Zuges und ich beginne vor Kälte zu zittern.

Eiskalt der Nordwind
Treibt den Schnee mir ins Gesicht
Lässt mich erstarren

Der Zug fährt ein, ich höre das Kreischen der Bremsen und meine Augen suchen dich hinter den Fenstern des noch einfahrenden Zuges. Tränen laufen mir über die Wangen. Ein kleiner Ruck noch und der Zug steht still. Die Türen öffnen sich automatisch und meine Augen springen von Tür zu Tür, dich weiter hastig suchend.

Vom kalten Fahrtwind
Die Tränen fließen ständig
Ein Meer des Frostes

Plötzlich stehst du vor mir und fällst mir glücklich in die Arme. Sanft und zärtlich berührt dein Mund meine verfrorenen Lippen, wir küssen uns und ich spüre nur noch die Wärme und Liebe, die uns beide vereint und verzaubert.

In kalter Schneenacht
Die Macht der Liebe fühlend
Trotz kalter Lippen

Haibun © Andreas Brod 2006

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Kommentare

04. Dez 2019

Es lässt den Leser auch nicht kalt -
Bald ward das Wort hier zur Gestalt ...

LG Axel