Winterleuchten

von Annelie Kelch
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So lieb hat 's gefrühlingt
noch vor zwei Tagen
pfiffen die frechen
Spatzen dem Winter
ihre Schurkenlieder

Erd- und Luftgeist
vermählten sich
im Vorüberziehn
lichtzarter Bläue
Schalk brach
den Starrsinn
riesiger Bäume

Gras, einödig,
auf der Böschung
zum Wasser, erwachte ...
richtete sich auf
und stand stramm
vor der Sonne.

Wind, leichtfüßig,
blies in die Takelagen
der Schiffe und
blähte die Segel
vergangener Träume

Bunte Tücher
winkten sich zu
in den Straßen
voller Licht
entdeckte ich
ein zwinkerndes Aug

Der vorletzte
Wermutstropfen
des Winters
sickerte in
die Ritzen des
Asphalts

Am nächsten
Morgen lag Schnee
Der hat alles
zunichte gemacht.

Nun schweigt
meine Seele stiller
als sonst – Nun
ist 's wieder
kalt vom Schnee
über Nacht
gefallen –
Alles umsonst.

Copyright: Annelie Kelch, Foto: pixabay
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Kommentare

05. Feb 2018

Ganz umsonst war es doch nicht -
Es taugte sehr schön zum Gedicht!

LG Axel

05. Feb 2018

Dank, Axel, Dir, für Deinen Kommentar:
Die Sonne scheint - und auch der Schnee ist wieder da.

LG Annelie

05. Feb 2018

Ein sehr gutes Gedicht, liebe Annelie, deine Trauer über den Rückfall in den Winter verstehe ich, wenn ich alledings nach draußen schaue, sehe ich endlich mal wieder eine strahlende Sonne ... und nehme den Kälteschub gerne in Kauf.

Liebe Grüße - Marie

05. Feb 2018

Liebe Marie, vielen lieben Dank für Deinen bunten Kommentar. Ich wollte Dir noch schreiben, dass Dein letztes Gedicht hier in LitPro einsame Spitzenklasse ist. Ich habe noch lange darüber noch nachgedacht. Heute Morgen allerdings hat es nur für einen Vers gereicht, weil ich sehr wenig Zeit hatte. Allerdings werde ich es nachher noch einmal lesen und wahrscheinlich auch kopieren. Schön, dass bei Dir jetzt die Sonne scheint - hier ist sie schon wieder abgetaucht, der Schnee hat sich auch verkrümelt.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie

06. Feb 2018

Danke, liebe Varia!

LG Annelie

06. Feb 2018

Dein schönes melancholisches Gedicht, liebe Annelie,
erinnert mich an eine eigene Erfahrung:

Früh schon klopft Frühling an die Tür.
Lockt heimkehrende Wildgänse herbei,
mit jubelnder, kraftvoller Schnatterei.
Erneuter Frost quält sie nun über Gebühr.

LG Monika

06. Feb 2018

Liebe Moni, danke für deinen Kommentar und für das aufklärende Vorfrühlingsgedicht. Man soll den Frühling nicht vor dem Mai loben, fällt mir spontan dazu - und noch etwas. Das Quälen - junger Schauspielerinnen hatte schon der alte fette Hitchcock drauf. In "Die Vögel" quälte er die Hauptdarstellerin Tippi Herdren so sehr, dass sie aufgrund seiner Regieanweisungen von einem der Vögel im Gesicht verletzt wurde, nah am Auge. Das hätte ganz leicht noch mehr "daneben gehen" können. Ihre Karriere war denn auch weitestgehend beendet - weil sie nicht so wollte wie er. Muss ja ein winterkalter Typ gewesen sein, dieses Genie "Hitch".

Liebe Grüße zu Dir, frühlingswarme Moni,
und zu Khalessi - und einen wunderschönen Resttag,
Annelie