Saurier im Morgenrot ...

von Annelie Kelch
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Die Sonnenblume facht die Glut des Tages an;
mein alter Strom, ein Saurier unter seinesgleichen,
streckt die matten Glieder, seine Nebenarme.
Die Flut läuft auf; sie träumt von Landeinnahme,
in ihren Wassern spiegelt sich der rote Himmel wider.

Ein Fischer taucht sein Boot ins frühe Nass:
Die Wellen warten auf ein Ruder, das sie kämmt.
Über das Licht der Bogenlampe streicht das Morgenrot.
Der Mond, ein Bleichgesicht, erklärt die Nacht für tot,
indes das Tageslicht bereits die Städte überschwemmt.

Ein Nebelmantel wandert übers Gras im Tau der Wiesen:
Er sucht die Ufer ab nach einem neuen Horizont.
Am Hafenkai werden die ersten Schollen angepriesen,
paar weiße Segel, einsam noch, der Mond besonnt.

Wie in den müd geschlafenen Adern unser Blut,
pulsiert die Zeit im großen Strom der Ewigkeit.
Gib acht, mein kluges, stilles Kind, sei auf der Hut:
Der Mensch ist bös zuweilen, doch dein Land ist gut.

eigene Zeichnung: Flusslandschaft im Abendrot, mit Tusche und digital
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Kommentare

05. Jun 2018

Dank, Axel, Dir, für Deinen Kommentar;
auch Bertha früher mal ein Saurier war.

LG Annelie

05. Jun 2018

Stimmungsvoll, einfach schön, Dein Gedicht, liebe Annelie; außerdem bist Du eine begabte Zeichnerin, Malerin, bin sehr angetan ...

liebe Grüße zu Dir -
Marie

05. Jun 2018

Liebe Marie, Dein Kompliment erfreut mich sehr. Vielen lieben Dank dafür. Ich habe kürzlich meine Leidenschaft fürs Malen wiederentdeckt. Auch mit einem Zeichenprogramm lassen sich gute Bilder kreieren. Das bringt mir wirklich viel Spaß.

Liebe Grüße auch zu Dir,
Annelie

05. Jun 2018

Ah, wieder ein so seelenvolles Annelie-Gedicht. Poesie pur. Einfach wunderschön. Zieht mich hinein in ein fantastisches Märchenland. Hab es genau vor Augen, dieses Farbenspiel. Danke!

LG Monika

05. Jun 2018

Danke Monika, für Deinen lieben, positiven Kommentar. Ich war gestern in Hamburg, und vor dem Rathaus, nahe der Binnenalster, konnte ich bereits die Elbe riechen und war trotz pieseligen Wetters wieder mal "hin und alle".

Liebe Grüße,
Annelie

05. Jun 2018

Du malst auch mit Deinen Worten wunderschöne Bilder, die Du dann mit einem eigenen Bild noch betonst.
Ein bemerkenswertes und lesenswertes tiefgehendes Gedicht.

Liebe Grüße
Thomas

05. Jun 2018

Danke, lieber Thomas, dein Kommentar hört sich dermaßen wohlgesonnen an, dass mir heute niemand mehr die gute Laune verderben kann. Das ist allein Dein Verdienst.

Liebe Grüße,
Annelie

05. Jun 2018

Danke, lieber Thomas, Dein Kommentar hört sich dermaßen wohlgesonnen an, dass mir heute niemand mehr die gute Laune verderben kann. Das ist allein Dein Verdienst.

Liebe Grüße,
Annelie

05. Jun 2018

Dein Bild und die Zeilen verbinden sich –
Beide, habe ich verinnerlicht.

Viele Grüße in deinen Abend
Soléa

05. Jun 2018

Danke, liebe Solèa, für Deinen schönen Kommentar ...
Von Flüssen träumst Du heut vielleicht und
wie die Morgendämmerung am Hafen ist - und früher war.

Liebe Grüße zu Dir,
Annelie