Hamburger Fischmarkt

von Olaf Lüken
Mitglied

Silbern glänzen alle Fische,
sperren ihre Mäuler auf,
voll beladen sind die Tische,
blutig seh'n die Augen aus.

Aale glitschen, Karpfen springen
in den unter'n Stelllagen.
Fühl ihr Weinen, Klagen, Singen;
es dreht sich um mein Magen.

Ein Fischweib preist die nasse Ware,
die sprachlos auf den Platten liegt,
für sie sind alle Exemplare,
das Beste, was zum Kauf man kriegt.

Ich soll am Stand zu schneller Wahl
mich bedenkenlos entscheiden,
Seh' leere Augen, all' die Qual,
die der Fisch musst' still erleiden.

Ich schaue auf das trock'ne Blut
und die schwarze Perlmutthaut.
Daran find' ich gar nichts gut.
verlasse ihren Stand kleinlaut.

Hering, Hechte, Heilbutt, Aale,
warten auf den, der sie holt.
Sie lächeln nun mit einem Male,
vor mir flirrt ein wenig Gold.

Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

08. Jul 2019

Den kalten Markt kein Fisch wohl schätzt -
Bald wird durch Plastik er ersetzt ...

LG Axel

08. Jul 2019

So ist es. Ich habe die Fische mal gefragt, wer der ÜBELSTE unter ihnen sei ? . Keiner wollte so recht antworten.
Nemo sagte: " Der größte Lump, sei ein Hai. Er heißt Trump !"
HG Olaf

09. Jul 2019

Sehr stimmungsvoll.
Hast du Interesse an den paar Stellen, wo ich vom Klang oder Rhythmus her etwas ändern würde? =o}

12. Jul 2019

Gut geschrieben, diese Betrachtung. Warum aber unter Satire, Traurigkeit empfinde ich dabei.
Liebe Gruesse
Soléa

14. Jul 2019

Freut mich, dass und was du ansprichst, was sichtbar ist und kaum gesehen wird, lieber Olaf.
LG Uwe