Mein Bruder mit den Nebelaugen (f. Moni Laakes)

von Annelie Kelch
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Mein schwermütiger Bruder mit den Nebelaugen
streift hastig durch den goldenen Oktober
Die letzte Mahd träumt einen letzten Traum im Schober
Das Laub der Bäume friert und hält den Atem an
Und dennoch fallen ein paar welke Blätter
Aufs regennasse Pflaster dann und wann.

In Flüssen kräuselt sich vor seinem schroffen Blick das Wasser:
Mein kalter Bruder redet herbstlich mit den sanften Wellen
Die kühlen Worte ziehen eilig weiter zu den lauen Quellen
Der Wind wird stürmischer und deutlich regennasser.

Vielleicht, dass sich ja irgendwo noch Träume regen …
Vielleicht beim Anblick einer letzten Rose rot
Mein herber Bruder mit den Nebelaugen schaut verwegen
Sein frischer Atem bläst die Sommerreste tot.

Liebe Moni, wie im September versprochen: hier dein Oktobergedicht, geschrieben am 08.10.2017

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nirgendwo, neu
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Kommentare

08. Okt 2017

Bin sehr gerührt, liebe Annelie! Und überwältigt. Deine schöpferische Kraft ist imponierend. Möge sie weiterhin fließen. Danke für dies wunderschöne Herbstgedicht. Es gefällt mir sehr! Unabhängig von der Widmung, die mich ein wenig atemlos macht. Merci!!!
Muss gleich fort und habe noch vorher reagieren können.
Noch einen frohen Sonntag.
LG Monika

08. Okt 2017

Danke, liebe Monika, für deinen Kommentar. Ich freue mich, dass dir mein Gedicht gefallen hat.

Liebe Grüße und einen schönen Sonntag,

Annelie

08. Okt 2017

Bin in dein stimmungsvolles Gedicht mit allen Sinnen eingestiegen, es hat mich auch beim dritten Mal lesen noch berührt. Sehr passend das Foto. Schön, dass du wieder DA bist.

Liebe Grüße - Marie

08. Okt 2017

Liebe Marie, danke für deinen lieben Kommentar. Aber er läuft doch nicht darauf hinaus, dass - "nach dem zehnten Mal gelesen" - jedes Gedicht, nicht allein meines, fad wird (eher Scherz)? Ich fasse es so auf, dass du es drei Mal gelesen hast und immer noch ganz nett fandest. - Ich bin noch da - dank Zäg, Zag, Zug, Zig und Zog (Zäg ist wieder aus Mynamar zurück; Aung San hat ihn abschieben lassen. Er ist nicht ihr Typ.

Liebe Grüße,
Annelie

08. Okt 2017

Die Poesie trägt (D)ein Gewand -
Fein nimmt sie uns hier bei der Hand ...

LG Axel

08. Okt 2017

Dank, lieber Axel, dir, für deinen Kommentar.
Mein kalter Bruder ist ein großer "Schieber";
schiebt Nebelbänke - hin und wi(e)der.

LG Annelie

08. Okt 2017

Ein fein formulierter und komponierter Text. Berührend.

Herzliche Grüße
Willi

08. Okt 2017

Dank, Willi, dir, für deinen lieben Kommentar.
Doch hab den Text ich eher "ausgebrütet".
Dem Komponieren widmet sich "mein" Christian,
der oft wie wild auf der Gitarre wütet.

Liebe Sonntagsgrüße,
Annelie

08. Okt 2017

Oje, da fehlte noch mein Klick! Sorry!
Tolle Kommentare für ein hervorragendes Werk.

LG Monika

08. Okt 2017

Das "Werk", o Monika, es ging so leicht mir von der Hand,
obwohl am Herbst ich nicht sehr viel Gefallen fand.

LG Annelie

09. Okt 2017

Für Monika schriebst du diese schönen Zeilen
die wir alle hier gerne mit ihr Teilen ...

Liebe Grüße an dich und Monika
Soléa

09. Okt 2017

Liebe Soléa, dank dir für deinen Kommentar,
ich widme gerne, das ist wahrlich wahr.
Auch du stehst schon auf meiner List'
und darfst gespannt sein, sofern
du 's nicht längst schon bist.

Liebe Grüße an dich und Solange,
Annelie

10. Okt 2017

Liebe Annelie, WAS FÜR EIN STIMMUNGSVOLLES GEDICHT, allein der Titel hat mich schon tief hineingezogen!
Heuer streift dein herber Bruder mit den Nebelaugen schon durch die Rheinauen und ich finde das Bild, das du dem November überstülpst, nicht nur höchst passend, sondern dazu wunderbar plastisch und tiefsinnig überlegt... ich bin sehr sehr beeindruckt! Eines deiner besten Werke. Oh, ich hasse den November. Aber derart personifiziert bekommt er nun einen Platz in meinem Herzen. Auch das Morbide,Herbe, Herzwehe hat sein Schönes, und jeder Melancholie liegt auch ein Zauber inne, und jede
"Weh-mut" birg auch das Wort " Mut" ... den Mut, alten Schmerz los- und dafür Neues zuzulassen.
Also ab mit den alten, wenn auch bunten Blättern....
Alles Liebe von
Anouk

10. Okt 2017

Liebe Anouk, ganz lieben Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Aber ich habe dieses Bild dem Oktober "übergestülpt". Weil ich Monika doch ein Oktober-Gedicht versprochen hatte, weil sie mein Gedicht "September" so gut fand. Aber egal. Kein großer Unterschied - ob Oktober oder November - erst im Dezember tritt meistens eine gravierendere Änderung ein, Wetter und Natur betreffend. Das hast du sehr schön formuliert ... mit der Wehmut, dem Mut, und dem Hesse-Zitat. Lassen wir uns also bezaubern vom Oktober und auch von dem verhassten November, der unsere Herzen wieder einmal (die Zeit vergeht so furchtbar schnell) mit Vorfreude auf Weihnachten füllt.

Ganz liebe Grüße zu dir,
Annelie

17. Okt 2017

Liebe Annelie, dann hab ich glatt was "falsches" reininterpetiert.. wahrscheinlich weil ich neulich so entsetzt war, dass sich der "goldene Oktober" zu Beginn eher als November präsentierte.. mir war aufgrund der ersten Zeilen so, als ließest du den "späteren Bruder" des Oktobers, also den November (m it Nebelaugen) bereits durch den Oktober ziehen (obschon der November verfrüht und noch gar nicht an der Reihe ist) und somit den goldenen Oktober frühzeitig beenden. So präsentierte sich hier in den Auen des Niederrheins auch das Wetter. Zunächst. Seit Mitte Oktober ist es Gottseidank wieder schön und wahrhaft golden, wie man es sich wünscht um noch etwas Lebenskraft zu tanken vor der grauen dunklen Zeit...

Wie auch immer, ich liebe dieses Gedicht von dir ganz besonders und habs mir nun ausgedruckt. Wenn mir Inspiration fehlt, huscht mein Blick über deine schönen Beschreibungen.
Liebe Grüße,
Anouk

17. Okt 2017

Liebe Anouk, ich fühle mich geehrt, dass du dieses Herbst-Gedichtchen ausgedruck hast und hoffe sehr, dass dich die Zeilen zu etwas Größerem, Besserem inspirieren werden. - Der letzte Winter war nicht sehr kalt, jedenfalls nicht hier, an der Ostsee. Ich gehe allerdings auch gern in den Wintermonaten spazieren. Zu kalt darf es dann allerdings nicht sein.

Ganz liebe Grüße zu dir an den Niederrhein,
wo es sich gewiss auch sehr gut leben lässt -
in landschaftlicher und meteorologischer Hinsicht,

Annelie