Das Schmalzbrot - eine Tragödie

von Robert K. Staege
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Die Leiche an der Kampenwand
hatte ein Schmalzbrot in der Hand,
mit Petersil und Salz gewürzt.
Damit ist der Mann abgestürzt.

Er wurde in den Tod gerissen,
und hatte nicht mal abgebissen.
Als man den Toten schließlich fand,
hielt er das Brot noch in der Hand.

Ein Polizist zum Fundort kam,
sich dort sogleich das Schmalzbrot nahm,
und schoss mit seinem Telefon
zuallererst ein Bild davon.

Denn er hatt' bei den Zeitungsfritzen
noch einen alten Kumpel sitzen.
So kamen Wanderer und Schnitte
auf Seite 1 (ganz oben - Mitte).

Das Bild ging in die Welt hinaus:
Der tote Kraxler und sein Schmaus.
Post mortem kam der Wanderer
zu Ruhm, wie kaum ein anderer.

Auch Unwahres tat man berichten
(die üblichen Blabla-Geschichten):
Wie sowas kommt! - Wie sowas geht!
Was halt so in der Zeitung steht:

"Mit Schmalzbrot ist das Klettern schwierig!"
Schon gilt ein Mann posthum als gierig,
liegt er mit Schmalzbrot in der Hand
maustot am Fuß der Kampenwand.

Um sicher durch die Wand zu steigen,
sollte der Kraxler dazu neigen,
sein Schmalzbrot vorher zu verspeisen;
- und erst danach wandabwärts reisen.

Drum jedermann geraten sei:
Halt' Dir am Berg die Hände frei!
Denn wo der Mensch mit Schmalzbrot klettert,
kann's sein, dass ihn ein Fall zerschmettert.

Damit der Nörgler nun nicht klagt,
sei frisch und frei dazugesagt:
Es geht nicht nur um Schmalzbrotesser;
Getränkekraxler sind nicht besser!

Denn sowas gibt's - man glaubt es kaum -
auch anderswo im Alpenraum:
Die Leiche an der Watzmannwand
hielt einen Bierkrug in der Hand.

Geschrieben am 8. Juni 2017

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