Abendland- oder Götter-Dämmerung?

von * noé *
Mitglied

Bald schon wird Sprache Burka tragen,
ab Januar – so lang nicht mehr! –
darf Kritik längst nicht alles sagen,
entschieden hat’s das EGMR**).

Denn in dem Land der freien Gleichen
ist nicht mehr alles wirklich gleich,
gewisse religiöse Zeichen
sind – scheints – viel gleicher noch als gleich.

Man soll, das stimmt, den Frieden wahren,
auch den der religiösen Art,
doch ist das ehrendes Gebaren,
wenn sich’s mit Sprechverboten paart?

Und: Gilt es nur in eine Richtung,
was Glaubensdinge diskriminiert?
Es ist doch nicht ein Ding der Dichtung,
dass dies zu Un-Frieden hinführt.

Gutes Benehmen setzt voraus,
man achtet jeden, wie er ist.
Motto friedlichen Unterbaus
bei Muslim, Jude oder Christ.

Was heilig ist, soll man nicht schmähen,
ob Engel, Gott oder Prophet,
das kann nur Hassentwicklung säen –
was stets in jede Richtung geht.

Ich soll, was du glaubst, respektieren, ***)
dann respektiere du auch mich.
Auch du sollst Schmähreden nicht führen,
denn so etwas gehört sich nicht!

© noé/2018

... wo doch sogar im Globalen Migrationspakt *) einer der Punkte „das Recht auf freie Meinungsäußerung“ garantieren möchte – wohl doch für alle Beteiligten …?

ACHTUNG: Mit den Sternchen erläutere ich meine obigen Aussagen für Interessierte.

*) Der Globale Migrationspakt („Globaler Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration“) ist zwar rechtlich nicht bindend, genießt aber große Symbolwirkung. An ihm sind die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen beteiligt. Nach Stand vom 8. Dezember 2018 wollen 192 von ihnen diesen Pakt am 10.-11. Dezember 2018 in Marrakesch unterzeichnen. In einem Artikel der SZ vom 8. November 2018 (https://www.sueddeutsche.de/politik/migration-fluechtlinge-afd-1.4200722) heißt es: „Bekannt ist, dass die USA der UN-Vereinbarung nicht beitreten, Österreich sich verabschiedet hat, Ungarn, Kroatien und Australien ebenso, voraussichtlich werden Polen und Tschechien folgen.“
Der Migrationspakt setzt auf Fluchtvermeidung. Ein Satz der Präambel formuliert das so: „Niemand soll aus Verzweiflung Migrant werden.“ Allerdings beinhaltet er auch einen Satz wie: „Lediglich Flüchtlinge haben einen Anspruch auf besonderen Schutz, den das internationale Flüchtlingsrecht vorsieht.“ Ich nehme mal an, dass dadurch sog. „Wirtschaftsemigranten“ davon ausgeschlossen bleiben sollen, aber– je nach Auslegung – bietet die Formulierung Spekulationen über die Rechte der bisherigen Einwohner der aufnehmenden Staaten Raum.
Vollständiger deutscher Text des Paktes (32 Seiten) siehe hier: http://www.un.org/depts/german/migration/A.CONF.231.3.pdf

**) EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte)

***) Auslöser für diesen Text:
Das EGMR hat einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen, gefährlich deshalb, weil er europäischen Staaten erlaubt, das Recht auf Meinungsfreiheit einzuschränken, wenn eine bestimmte Äußerung im Verdacht steht, Muslime beleidigen zu können und so den religiösen Frieden zu gefährden. (Ist das erweiterbar auf z. B. Christen? Oder sind Nichteuropäer diesem Gesetzt nicht unterworfen, das sie in Anspruch nehmen?)
Das Urteil ist für alle 28 Mitgliedsstaaten der EU rechtsverbindlich und tritt am 1. Januar 2019 in Kraft.
https://de.gatestoneinstitute.org/13225/europaeischer-gerichtshof-menschenrechte-scharia

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Kommentare

09. Nov 2018

Was ist das für ein Glaube, dem "Beleidigungen" etwas anhaben können? Beleidigungen sprechen meist eh nur Ungebildete aus, man reagiert nicht darauf oder sollte gar nicht darauf reagieren; das ist weniger als ein Fauxpas. Berechtigte Kritik, sofern eine Religion Gewalttaten verherrlicht, ist mehr als angebracht, weil eine solche Religion Kinder und Jugendliche auf den falschen Weg bringen könnte.

Liebe Grüße,
Annelie

09. Nov 2018

Noé, alle, aber wirklich alle meine Achtung.
Das Wirt Toleranz bedeutet in unserem Gebrauch immer " gegen Fremde",
vergessen wird, deren Toleranz für uns auch nur mal anzusprechen, statt gar zu erbitten.
LG Schalom an dich
Uwe

09. Nov 2018

Eine zivilisatorische Kapitulationserklärung und
eine Wiederholung der Geschichte, die bestimmte Glaubensgemeinschaften
mit einer Machtfülle ausstattet, sich ohne jede freie Gegen-Alternative
nach eigenem Gutdünken gegen alle anderen rücksichtslos durchzusetzen.
Ein demokratisches Fiasko.
Der Friede wird so nicht gewahrt. Genauso wenig wie es alle anderen Anhänger
einer Doktrin in der Geschichte aufgehalten hat.
Die Konsequenzen sind ähnlich wie im 15ten Jh.

LG. Waldeck