Auf Weihnachten folgt Ostern - immer

von Annelie Kelch
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Der Strauch schläft tief im
Arm der Tanne; leer sind
die aufgestellen weißen Bänke,
aber herüber von den
Schrebergärten dringt an das
winterschwache Ohr: Musik
aus Kofferradios.

An den Rabatten wachen wieder
deutsche Gartenzwerge, dass
nicht zur Reife kommt, was man
zum Unkraut zählt, und weit geöffnet
steht die Eingangstür zum
'Ristorante Lago di Garda',
woran an leichten runden Tischen
nur Liebespaare sitzen, die sich
warmhalten an Händen.
Das macht mir schmerzlich klar,
dass ich alleine bin, und dass hier
keine Heimatwinde wehn, sagt
jener Strauch im Nachbargarten mir,
an dessen Zweigen bunt bemalte
Ostereier hängen.

Auch du, mein Lieb', weilst fern
von mir. Das macht, dass ich
vor Sehnsucht trunken, den
Weg, wohin?, verlier.

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