Nebel

von marie mehrfeld
Mitglied

Nebel
kriechen über
Wiesen und Wälder,
betten Seelen in fahles
Tuch,

Nebel
überdecken Freude,
vergangener Kummer singt,
lässt uns an gestern
denken,

Nebel
legen sich
über Ohren, Augen,
Münder, nichts hören, sehen,
sagen,

Nebel
verwirren die
Sinne; Worte, Lieder
und Gesichter geraten in
Vergessenheit,

Nebel
über Hiroshima
und Nagasaki nach
zweiundsiebzig Jahren. Nichts dazu
gelernt?

Nebel
lasten schwer
auf dem kollektiven
Gedächtnis der Erde, überdecken
Erinnerungen,

Nebel
verschleiern atomare
Drohungen narzisstischer Potentaten.
Turmbau zu Babel, brandgefährliche
Sprachverwirrung.

Erinnerung: Nur ein Schatten blieb übrig. An einer Hauswand in Nagasaki zeichnen sich die Umrisse eines bei der Explosion verbrannten Menschen ab. Am 9. August 1945 um 11:02 Uhr warf ein amerikanischer B-29 Bomber, die Bockscar, die Fat Man genannte Kernwaffe über der Mitsubishi-Waffenfabrik ab, als sich gerade eine Wolkenlücke auftat. Ursprüngliches Ziel waren die Schiffswerften. Obwohl die Bombe ihren geplanten Zielpunkt um mehr als 2 km verfehlte, weil der Abwurf wegen starker Bewölkung radargesteuert erfolgen musste, ebnete sie fast die Hälfte der Stadt ein und tötete etwa 36.000 der 200.000 Einwohner sofort.
(Quelle: Wikipedia)

"Süddeutsche" online

Buchempfehlung:

92 Seiten / Taschenbuch
EUR 9,50

Interne Verweise

Kommentare

10. Aug 2017

Danke, Axel.
Zwei, drei Irre mit Macht und Geld
können zerstören die ganze Welt ..

LG - Marie

Detmar Roberts
10. Aug 2017

Marie, die Nebel, über die du in deinen sieben Elfwortversen schreibst, sind nicht leicht und lieblich, wie Nebel auch sein können, sie sind giftig, und ich spüre sie auch. Wie kann es sein, dass die Menschheit nach den verheerenden Auswirkungen der beiden Atombombenabwürfe 1945 weiterhin solche Waffen produziert hat, nein, noch produziert, denn Mister Trump brüstet sich ja damit, dass er das US-amerikanische Atomwaffenarsenal grade auf Vordermann bringen will. Dazu der völlig unberechenbare nordkoreanische „Führer“ und die gegenseitigen Drohungen der beiden Egozentriker, das ist wirklich "brandgefährlich". Den „Turm zu Babel“ verstehe ich auch, es herrscht ungeheure Sprachverwirrung in der großen und kleinen Politik momentan - wie in der biblischen Geschichte. Danke für diese starke Gedichtsformation.
Grüße, D.R.

11. Aug 2017

Danke für deinen langen Beitrag, Detmar, wir sind da offensichtlich einer Meinung.
Liebe Grüße - Marie

10. Aug 2017

Nebel umnachtet auch so manches Politik-Gehirn: Mesdames! Messieurs!
Er wallet manche Strecke - von Korea bis Laboe.
Schon Hermann Hesse fühlte sich nicht wohl im Nebel,
ganz sicher auch nicht jener gute August Bebel.
Drum liest Mariechens Elfchen, sieben,
dafür muss man sie loben, lieben.

Liebe Grüße,
Annelie

11. Aug 2017

Danke für deine sachkundige gewitzte und gebildete Antwort, Annelie, auch noch gedichtet, ich habe sie mir kopiert und dem Gedciht in meinen Unterlagen beigefügt. Ja, wenn Gehirne vernebelt sind, muss man mit den irrwitzigsten Entscheidungen rechnen, das ist auf der hohen politischen Bühne besonders gefährlich.

Liebe Grüße - Marie

11. Aug 2017

Ich freue mich darüber sehr, Marie, habe es aber, glaube ich, mit keiner Silbe verdient.
Und zu manchen Politikern kann man nur sagen: "Gorillas im Nebel". Du kennst den gleichnamigen Film gewiss.

Liebe Grüße,
Annelie

10. Aug 2017

Ich hoffe all die Nebel und das Grauen ist nur da, damit das Gute Lichte hervor bricht. Es polarisiert enorm.
LG in den Sommer Abend
Karin

11. Aug 2017

Danke, Karin, das ist auch meine Hoffnung, Nebel brechen auf und werden vom Licht aufgelöst.
Liebe Grüße - in den sehr grauen Freitagmorgen ...

10. Aug 2017

Das Bild kenne ich und hat mich schon damals schockiert. Man kann nur innig hoffen oder Beten das denen an der Macht, der Verstand nicht ganz flöten geht1

Liebe, friedliche Grüße in Deine Nacht
Soléa

11. Aug 2017

Danke, liebe Solea, hoffen und beten, dass der Verstand erhalten bleibt, so sollte man es halten.

Liebe Grüße in den novemberigen Sommertag - Marie

11. Aug 2017

Ja, liebe Marie, wie Nebel in den Köpfen zweier Potentaten den Verstand verdrängt,
spür ich in Deinem hervorragenden Text im letzten Elfchen uneingeschränkt.

LG Monika

11. Aug 2017

Danke, liebe Monika, für deinen gereimten anerkennenden Zweizeiler, hoffen wir, dass sich der Nebel hier und da lichtet ...

Liebe Grüße, Marie