Ich in der Hocke

von marie mehrfeld
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Eins weiß ich genau,
ich bin eine Frau,
oft viel zu schwach
und dennoch hellwach,
bin auch bequem,
trau nur, schau wem,
doch’s Ohr ist offen,
das Wesen betroffen,

muss viel mehr schreiben,
an Dingen mich reiben
nimmt mich gefangen,
was kann ich verlangen,
was will ich ausrichten
mit meinen Geschichten,

in dieser Welt
dreht sich’s ums Geld,
ist nicht mehr viel
Gefühl hier im Spiel,
Hauptsache ist,
der Rubel fließt,

viel Lug und Betrug,
wohin geht nur der Zug
der Unendlichkeit in
der rasenden Zeit,

auch ich sitz darin,
genau wie ich bin,
nicht erster Klasse,
gehöre zur Masse,
nicht Luxus pur
und stehend nur,

will euch was fragen,
könnt ihr mir's sagen,
wie ist’s um die Welt
in zehn Jahren bestellt,
wenn wir so aasen
über die Maßen,

das Saudi Arabien
will Panzer habien,
wir liefern sie ihnen
mit frohen Mienen,
denn Waffenexport
schafft Arbeit vor Ort,
dafür schicken sie uns,
was will man mehr, zig
Tausende Hassprediger her,

das ist der Wandel,
der faire Handel,
der gute Deal
hat schlechten Stil,

dauert nicht lang bis
zum Weltuntergang,

das ist Geschwätz,
hör auf damit jetzt,
sei lieber heiter,
das bringt dich weiter -

die dreckige Socke,
ich in der Hocke,
der Mast der Laterne,
was hab ich ihn gerne,
der Stein im Regal
ist fundamental,
die Milch in der Tüte,
verblichene Hüte,
abends die Lust und
morgens der Frust,
die Eile mit Weile,
zwei Stunden die Meile,
die Väter, die Kinder,
zu viele Rinder,
das schwarze Schaf
war niemals brav,
der Füller mit Tinte
ist nur ne Finte,
die Schüler vor Jahren,
wie lieb die mal waren,
der Nebel am Morgen,
die ewigen Sorgen,
das Chaos im Keller,
das Netz immer schneller,

nahöstliche Luft,
ein Muezzin ruft,
ich lass’ mich nur locken
von Kirchenglocken,

das öde Schlafzimmer
ist ungeheizt immer,
werd’ jetzt versuchen
ganz ohne zu fluchen
die Gosch zu halten
und abzuschalten,

ist nichts mehr zu tun
außer zu ruh’n,
dreh mich nun um
und bleibe stumm,
Tagwerk vollbracht,
auch euch gute Nacht.

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Kommentare

11. Okt 2019

Axel, Du KÖNNER als Humorist -
Dein Lob mir besonders wichtig ist ...

LG Marie

11. Okt 2019

Hallo Marie, Du machst Dich etwas rar in letzter Zeit; Deine kleine Satire ist auf hintergründige Weise gewitzt und durchaus etwas gesellschaftskritisch. Gefällt mir, sehr gerne gelesen.

LG Detmar

12. Okt 2019

Dank Dir für das Lob - und etwas rar mache ich mich, weil mir innerhalb der Familie eine schwere Aufgabe zugewachsen ist, die alle meine Zeit und Energie in Anspruch nimmt ...

LG zurück - Marie

11. Okt 2019

Halte deine Gedanken nicht an,
lass sie laufen bis irgendwann
NEUES DENKEN
sich einstellen kann.
Gott zum Gruße -
Denken braucht Muße.
Danke für dein tolles Gedicht!
HG Olaf

12. Okt 2019

Gut gereimt, danke, Olaf, neues Denken suche ich immer, bin nur zur Zeit etwas gebremst ...

HG zurück -Marie

11. Okt 2019

Gute Nacht! Und danke für dein gelungenes und menschliches Gedicht.

Herzliche Grüße
Soléa

12. Okt 2019

Danke Dir für Deinen freundlichen Kommentar
und grüße Dich herzlich zurück, liebe Soléa!

Marie

14. Okt 2019

Hallo Marie,
dein Text spricht mir aus der gefrusteten Seele, wenn ich das Treiben unserer ach so laschen Politiker betrachte.
Sie kuschen und huschen, um es ihren vermeintlichen Wählern Recht zu machen, dabei sind sie nur Handlanger des unaufhaltsamen Untergangs.
Gut oder besser nicht, dass uns das Leben manchmal ganz unmittelbar fordert, sodass wir uns von ihrem Treiben abwenden können bzw. müssen.
Ich wünsche Dir Kraft und hin und wieder Zeit ein paar Zeilen mit uns zu teilen.
LG
Manfred

14. Okt 2019

Ja, „sie“ sind, aber auch „wie sind“ Handlanger des unaufhaltsamen Untergangs, damit sprichst auch Du mir aus der Seele; wenn man sich um einen lieben Menschen sorgt und kümmert, der schwer krank ist, dann liest man dennoch interessiert, was alle so schreiben und setzt ein Like, wenn es passt, bei Dir immer, aber es fehlt die Energie, sich schriftlich darauf einzulassen …
Danke für Deine Worte, lieber Manfred!

LG Marie