Der Wind der Zeit

von Anouk Ferez
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Ich lausche stumm. Es weht die Zeit,
als gäb‘s kein gestern, heute, morgen.

In meinen Augen keimen Sorgen.
Es flügeln Winde Ewigkeit. Sie wirbeln Staub
durch die Epochen. Und ich glaub
das Weite nah. Das „Jetzt“ scheint weit.

In meinem Herzen nistet Einsamkeit.
Dort reichen Gruß und Abschied sich die Hand.
Wer, sag mir WER ist’s, der befand,
dass Leben, UNSER Leben einzig wäre?

Mephisto, Dämon und Schimäre,
ich fürchte euch wohl nimmer mehr
- in dieser und in keiner andren Sphäre!

Es sind Verluste, die mich töten.
Die neuen Sonnen, die sich röten,
um bald darauf schon zu verblassen.
Nichts kann ich halten: Alles fließt.
Wir alle müssen uns entfalten.
Leben, streben und vergehen.
Wiederauferstehen.

In meinen Adern fließt die Zukunft
- und gleichsam die Geschichte!
Die der Jungen und der Alten.
Ich verdichte. Ich zerfalle.
Und es schließt
sich jener Endloskreis.

Der Wind der Zeit bauscht leis
schlohweißes Haar um spröde Knochen.
Aus diesen krochen
all jene Kinder einst hervor ,
die ich daselbst in tausend Leben
gottgegeben einmal war.

So bin ich Anfang, bin ich Ende,
bin jeder Ruhe, jeden Ausstiegs bar.
Ein jeder von uns ist‘s: Wir alle stehen.
Darauf wir fallen, fallen, fallen.
Und unsere Seelen gehen
fortwährend heim, durch jenes Tor…
Und unsere letzten Schritte hallen
dem neuen Leben noch im Ohr.

Mai 2017, Anouk Ferez

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Kommentare

12. Mai 2017

Hallo lieber Axel , dir sei gedankt
dass deine Antwort drunterprankt.
Von dir zu lesen freut mich stets sehr
und reimst du die Zeilen, dann umso mehr!

Liebe Grüße
Anouk

19. Mai 2017

Der Wind der Zeit
weht überall,
und ist bereit,
wird es nie leid,
sehr viel dabei
zu überbrücken.
Drum deine Zeilen,
mich beglücken !

herzlichst
Alfred

19. Mai 2017

Und wie freuen mich die deinen,
die durch den Brodem aller Zeiten scheinen,
die mir zeigen: alles ist verbunden
da sind Brücken
unumwunden
und aus freien Stücken
kann man ein Wanderer durch Zeiten sein
somit ist man nie allein...
und die Verluste, die ich spüre
wenn ich mich durch die Zeiten führe
sind vielleicht nicht wirklich existent
denn nichts, nichts geht verloren
alles ist ewig, bloß hier und da in anderer Form
(und der Gedanke tröstet mich enorm)
und wer das Wesen und den Kern erkennt
hat das höchste Ziel erreicht
auch wenn die Zeit mal scheinbar rennt...
Lieber Alfred, es grüßt dich ebenfalls herzlichst
Anouk

19. Mai 2017

Dein nachdenkliches schönes Gedicht empfinde ich nach und mit - und danke dir dafür.
Liebe Grüße, Marie

19. Mai 2017

Liebe Marie, ich danke DIR , fürs Lesen , Kommentieren und vor allen Dingen fürs Hineinfühlen. Hab ein schönes Wochenende und sei lieb gegrüßt von Anouk

19. Mai 2017

Ein solches Gedicht sollte man sich öfter mal vor Augen halten - und möglichst nie vergessen.

Liebe Grüße,
Annelie

22. Mai 2017

Liebe Annelie, ich freue mich sehr, dass du mein Gedicht gelesen und reflektiert hast. Zum nicht-vergessen ist es leider viel zu lang. Ich tue mich immer unglaublich schwer, mich kurz zu fassen und das was ich meine, komprimiert und unverwässert auszudrücken. Das ist eigentlich mein Ziel auf das ich zusteuern möchte: etwa kurz und dennoch "poetisch" ausdrücken.
Ich danke dir vielmals für deinen lieben Kommi
lG
Anouk

22. Mai 2017

Falls du das schaffst (dich kürzer zu fassen), liebe Anouk, dann wirst du ein(e) zweite(r) Garcia Lorca(rin). Darauf freue ich mich. Gib dir bitte Mühe.

Liebe Grüße,
Annelie

22. Mai 2017

Liebe Anouk,
ich müsste jetzt googeln, um zu erfahren, was diese Hieroglyphen bedeuten. Ich habe null Ahnung ... etwas sehr Gemeines? Weil ich das mit der "Mühe geben" geschrieben habe ...?

LG Annelie

23. Mai 2017

Oje, um Gottes Willen, liebe Annelie. Es ist ein lachendes Gesicht ! Drehe das mal 90 Grad nach rechts und dann siehst du die 2 Augen und die Nase und den lachenden Mund. Wenn man keine "emoticons" bzw Smileys zur Verfügung hat, so ist dies die gängige Methode, ohne Worte ein Lachen bzw. eine Freude zu zeigen. Oje oje, nun habe ich versucht mich ultra kurz zu fassen ( lachendes Gesicht) und es ist gleich schief gegangen... Das hier wäre ein weinendes Gesicht :-(

Wenn man es 90 Grad nach recht dreht, sieht man, wie die Mundwinkel abwärts zeigen..
Liebe Annelie, ich freue mich immer sehr über deine Kommentare , klar weiß ich, was du mit dem Mühe geben meinst und sehe das auch so . Liebe Grüße und lachendes Gesicht :-)
von Anouk

23. Mai 2017

Liebe Anouk,
du hast meine eher scherzhafte Bemerkung sehr ernst genommen. Lass dich nicht davon beeinflussen - und fasse dich weiterhin kurz oder kürzer - eben Lorca-like. Dann brauchen wir nicht soviel auswendig zu lernen. Ich habe um 90 Grad gedreht und das lachende Gesicht jetzt wahrgenommen - und schicke dir ein Lachen zurück, mein erstes Lachen in Kurzform: :-), bringt Spaß. Ich werde das jetzt öfter anwenden.

Liebe Grüße,
Annelie

01. Sep 2018

Danke, Uwe, das freut mich sehr! Vielleicht ist es auch ein wenig sehr pathetisch , aber manchmal fühle ich mich einfach so, dass ich solche Zeilen ( quasi als "Ventil") schreiben MUSS.

LG
Anouk

01. Sep 2018

So von der Seele geschrieben
wie könnt ich es nicht lieben und
gleichzeitig hoffen
wie viel Erfahrung uns noch offen ...

Herzlichen Gruß
Eva

02. Sep 2018

Liebe Eva, hab vielen Dank. Da ich persönlich nicht glauben kann , dass mit dem Tod alles vorbei ist, habe ich die große Hoffnung auf noch sehr viel Erfahrung. Das ließe und Menschen wachsen und lernen und hoffentlich weiser und liebevoller handeln.
Sei lieb gegrüßt, einen schönen Sonntag wünscht dir
Anouk