Meer

von Lena Lotta
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Die Farben sind so klar am Meer. Alles so gestochen scharf, jede
Form für sich im Raum. Die Luft flimmert nicht, sie zieht sich ins
Nichts zurück.
Der Himmel ist so hoch, der Strand so weit, der Horizont unendlich. Die Realität so absurd intensiv, dass sie irreal wird.
Ich löse mich auch auf, lasse alles zurück. Es bedeutet nichts mehr.
„Sein“ wird zu Sonnenwärme, zu Salz, Sand und Wind.
Freiheit. Grenzenlosigkeit. Bedeutungslosigkeit, doch erfüllend, nicht beängstigend.

Nur der Ozean hält mich im hier. Er ist überpräsent, allgegenwärtig.
Kraft, Faszination. Die Wellen die sich in Zeitlupe auftürmen, stehen zu bleiben scheinen, alles wird still.
Retardierender Moment.
Dann die Erlösung, die Welle bricht. Materie wird zu Energie, Wucht, Kraft, Lärm und schliesslich zu nichts.
Ein unendliches Spiel, doch jedes Mal anders, jedes Mal neu.

Im Wasser ist der Gegensatz zu an Land.
Hier zählt nur der Moment, volle Konzentration. Alle Fasern des Körpers gespannt. Ich fülle ihn voll aus, ich nehme alles wahr.
Ich versuche, das Meer zu lesen, zu verstehen. Mich darauf einzulassen.
Euphorie, wenn es gelingt. Der perfekte Moment am perfekten Ort.
Pures Glück, pfeilschnell auf dem Wasser, die Kraft der Welle hinter mir. Sie trägt mich, wir sind Eins.
Adrenalin, wenn die Welle auf mich zurollt, über mir bricht, mich unter Wasser zieht, mich zum Spielball macht und tosend umgibt.
Und hinter den Wellen Ruhe. Frieden.

Alles dicht an dicht. Alles eins.
Alles einfach, alles Sinn.
Leben. Hier und jetzt.

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