Amerika

von Annelie Kelch
Mitglied

Gegangen:
den Weg,
der nicht mehr war.
Lieder,
längst verklungen:
gesungen.
Die Saiten deiner
Gitarre: zersprungen ...
und dann gingst
du fort – nach Amerika.

Noch lange
berührte ich zärtlilch
die Klinke der
Tür, durch die
du gegangen; ich
wusste anfangs nichts
mit mir anzufangen.
„Anfangs“: das dauerte fast
ein Jahr.

Wie ein Adler
wollte ich mit
gebreiteten Schwingen
fliegen zu dir.
Was hielt mich
noch hier?: eine Handvoll
schnöder Erinnerungen …

Bis kein Brief
mehr von dir kam ...

So wartete ich – mit
dem Glauben der Mutlosigkeit,
mit dem Lachen, das mir längst vergangen
war, mit dem unendlichen Schmerz
der Reue, dir nicht gefolgt zu sein …

Tot wähnte ich dich ...
im Land der unbegrenzten
Möglichkeiten zu leben,
zu sterben und mutterseelenallein
irgendwo in den
Straßenschluchten,
zerstört an Leib und Seele …

Dabei warst du längst wieder
glücklich – mit einem College Girl
aus San Francisco, das mich irgendwann
anrief und mir zum Geburtstag
gratulierte.

Golden Gate Bridge in San Francisco, California
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Interne Verweise

Kommentare

13. Feb 2018

Dein Flug ist letztlich doch gelungen:
Ein Dichter hat sich aufgeschwungen!
(Der Mensch bricht gerne alle Grenzen -
Um sie durch neue zu ergänzen ...)

LG Axel

13. Feb 2018

Dein Spruch ist klug, ja, fast schon weise ...
doch bin ich froh, dass ich im Lande blieb
und letztlich pfiff - auf diese Reise.

LG Annelie

13. Feb 2018

Der Kerl verdiente dich einfach nicht
so wie Du es schilderst im Gedicht.

LG Ekki

13. Feb 2018

Danke, lieber Ekki, für Deinen Zuspruch und Dein Einfühlungsvermögen.
Es war zwar so, dass einer, den nicht nur ich, sondern alle Mädchen
in meiner (vorletzten) Klasse kannten, zurück nach Amerika ging. Er hieß
Henry, kam mit den Jahrmärkten jedes Jahr zu uns, spielte Gitarre, war nett
und wurde umschwärmt von (fast) allen Mädchen im Städtchen, die noch(!)
keine hohen geistigen Ansprüche stellten. Mich hat er (einmal) an einem
schönen Sommerabend bis vor die Haustür begleitet. Das war auch schon
alles. Der Rest ist "erstunken und erlogen" bzw. entsprang meiner Fantasie.

LG Annelie

13. Feb 2018

Erinnerung an Henry. Vielleicht erreicht ihn Dein romantisches Gedicht, liebe Annelie.
Auch Bertolt Brecht hatte mich mit seiner "Erinnerung an die Marie A." schon in seinen Bann gezogen. Und Dein Gedicht, liebe Annelie, habe ich sehr gerne gelesen.

Noch einen schönen Abend mit funkelnden Erinnerungen,
Monika

13. Feb 2018

Lieb Monika, hab Dank für Deinen guten Kommentar.
Auch ich lieb die "Erinnerung an Marie A".
Wie dieser Henry aussah, weiß ich gar nicht mehr.
Er war ein Mädchenschwarm, nahm alles nicht so schwer.
Ich bin zu müd, als dass Erinnerung mir heute funkeln könnt.
Das Schicksal hat mir leider keinen Schlaf gegönnt.
Mein Bad wird renoviert von Kopf bis Fuß;
ganz klar, dass ich heut Nacht mal schlafen muss.

Noch einen schönen Abend wünsch ich Dir,
nur mit Khalessi - ohne KRAUSE-Bier.

Liebe Grüße,
Annelie

13. Feb 2018

Dein feines melancholisches Gedicht hat verschüttete Erinnerungen
aufgeweckt, habe es mehrfach gelesen, dafür danke ich Dir, liebe Annelie ...

Liebe Grüße - Marie

14. Feb 2018

Liebe Marie - dank Dir, denn mit 'nem guten Kommentar von Axel und von Dir,
gewinnen unsere Gedichte ganz enorm wohl hier.
Ich freue mich, in Dir Erinnerung geweckt zu haben.
Du hattest sie zum Glück nicht allzu tief vergraben.

Liebe Grüße,
Annelie

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