Träume eines Schaukelpferds

von Willi Grigor
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Ein Schaukelpferd steht steif und stumm,
wartend auf ein Publikum.
Es ist alt, wohl über hundert,
und träumt, was nicht verwundert.

"Ich, ein stolzes Schaukelpferd,
ein Leben ohne einen Schritt,
nicht nach vorn, nicht umgekehrt,
mein Schaukelgott, ich darum bitt:

Ich möchte springen, schreiten, traben,
über Stock und über Stein.
Ich möchte Angst beim Springen haben.
('Und wenn ich breche mir ein Bein?')

Ich möchte über Wiesen flitzen
im rasanten Fluchtgalopp,
mit hochgestreckten Ohrenspitzen,
ich sage es betont salopp.

Ein großer Wunsch, der mich beschwingt:
Ein Kind, sich haltend mich umschlingt,
froh schaukelnd auf meinem Rücken.
Das wär das lange Warten wert!

Doch große Zweifel mich bedrücken:
Welch Kind mag heute noch ein Schaukelpferd!"

Willi Grigor, 2015
Reflexionen und Gedanken

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Kommentare

14. Mai 2016

Danke für den freundlichen Kommentar und die Klicks auf "lesenswert", Cassandra.
Ich glaube, ich habe nie auf einem Schaukelpferd gesessen, bin ein Kriegskind.
Ich wünsche schöne Feiertage

Willi