Weihnachten im Waisenhaus - Ein Gothic Märchen

von Ventus Bitterblossom
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Der Chor der Feen:

Zwischen schwarzen Tannen
steht am Rande von dem Wald,
das Waisenhaus der Oberin,
der Wind weht eisig, frostend, kalt.

An dieser heilig Weihnachtsnacht
wird an jedes Kind gedacht,
wenn es im Kreise der Familie
gibt Erinnerungen viele.

Ein Schal, ein Lied, ein heißer Tee,
Großmutter liest Geschichten,
der Baum, er blinkt bunt tief im Schnee,
Christ, er wird sie richten.

Doch eine wird, des Schicksals wegen,
immer schon nur übersehen,
so muss sie barfuß und verschlissen,
den Schnee vom Wege kehren gehn'.

Für sie hat es so manche Dinge
wie Elternliebe, nie gegeben,
so sieht sie zu den Fenstern rein
und beginnt zu fegen.

Das Mädchen Calamity:

Ich blick mich um und sehe nur
abertausend schöne Lichter.
Sie erhellen in den Fenstern wohl
die bezaubernsten der Glücksgesichter.

Ob meine Eltern irgendwo
wohl auch zusammen sitzen?
Ob sie singen, lachen, feiern?
Oder Lebkuchen stibitzen?

Warum muss ich alleine sein,
und wer ist dieser Jesus?
Erklärt es mir, lasst mich hinein,
Weil ich vielleicht erfriern’ muss.

Stadtwache:

Du da, Streuner, Plage, Dreck!
Scher dich von dem Fenster weg!
Beschmier der guten Leute Wände
nicht mit dreckig' Kinderhände!

Verschwinde hier, und keine Fragen,
muss ich dich erst wieder schlagen?

Der Chor der Feen:

Mit kleinen Augen voller Tränen
rennt sie davon auf kaltem Stein.
Hinfort von hier, auf schnellstem Wege,
begibt sich in den Wald hinein.

Doch ungesehen hinter ihr
da laufen sie, mit gierig Blick.
Zwei Männer, beide garstig,
einer dünn und einer dick.

In einer Hand erblüht es,
im Licht des Mondes Scheinen
Ein tödliches Vergißmeinnicht,
so folgen sie der Kleinen.

Voll Hass und Angst bemerkt sie nicht,
was um sie herum geschieht.
Das Laub verschwindet, der Ast er bricht,
Es scheint, die Wurzel flieht!

Nun schließt sie auch die Augen gar
und schreit die Frustration hinaus,
die Bäume winden und sie ziehen,
sich aus des Mädchen Weg heraus.

Doch statt erneut nur grad’ zu wachsen,
hat die Ranke einen Plan,
und flüstert leis geheime Worte,
zu dem hinterlistig‘ Farn.

Dieser fängt beide Ganoven
ohne Mühe an den Füßen.
Doch hört man ihre Schreie nicht,
der Knebelpilz, er lässt sie büßen.

Gegenwehr gibt's wenig nur.
Dies ist die Macht finstrer’ Natur.
Und während die Gewächse balgen,
formt die Ranke einen Galgen.

Calamity erreicht schon bald
das Ziel der kleinen Reise.
Sie ist zurück, im Herz vom Wald,
hier ist es ruhig und auch schön leise.

Niemand da der nach ihr schreit,
keiner hier der will ihr schaden,
doch jeder ist dem Tod geweiht,
der es betritt uneingeladen.

Nun kommt herbei , aus dem Gehölz‘,
ein alter gut Vertrauter ihr.
Es setzt sich bald an ihre Füße,
ein schattenschwarzes Katzentier.

Sie schnieft und wischt die Tränen weg,
die Katze springt zu Schoße ihr.
Bald schon, da hat sie vergessen,
leis’ erklingt jetzt ein Klavier.

Und in der Dämmerung der Nacht,
Hört unsre’ kleine Heldin nicht,
Wie mit hölzern Drehung sacht,
Das Genick der Räuber bricht.

Und der Schnee mit dicken Flocken,
Wird zur Decke, wird zu Socken,
Hüllt das Waisenmädchen ein,
Lässt sie im Wald zu Hause sein.

Und unter dieser weißen Pracht,
wird schon nach zwei sehr kalten Tagen,
nichts davon zu sehen sein,
was beschloß ihr nachzujagen.

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