Ein Sommermorgen

von Volker Harmgardt
Mitglied

Ein Sommermorgen -
Hauch eines sanften Windes,
ertrunkener Tag.

.

(C) VH 1979 Auf der Fähre nach Irgendwo !
Rechtshinweis:
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich oder durch Copyright geschützt und darf ohne Genehmigung nicht verwendet werden.

Interne Verweise

Kommentare

13. Jun 2017

Ein wunderschönes Foto, Volker. Und das Haiku hört sich auch nicht schlecht an. Aber da ich alles immer ganz genau wissen will in der Literatur: Weshalb ist der Tag ertrunken? - Habt ihr ihn weggeworfen und nicht genossen - z.B. während dieser Fahrt? - Das wäre zu schade ...
Oder verrätst du uns, wofür diese Metapher steht - denn ein Haiku sollte zwar nicht total simple (null-acht-fünfzehn) und durchaus zum Nachdenken anregen; aber auch keinesfalls zu kompliziert und undurchschaubar sein. Und es wäre schön - wenn du dich für das jetztige Porträt von dir entscheiden könntest, das sehr hübsch geworden ist; man kommt auf merkwürdige Gedanken, wenn ein Mann sich dauernd "neu" präsentieren muss - wie ein Fotomodell. Pardon - jetzt habe ich die Wahrheit gesagt. Aber doch nicht gemein und durchaus zu ertragen - oder?

Liebe Grüße und bonne chance mit deinem Haiku,
Annelie

15. Jun 2017

Hallo Annelie,
Du darfst sagen, was Du willst.
Es ist offen und ehrlich und genau das zählt !!!
Nun, der Tag auf der Fähre war ein Abschiedstag
und meine Gedanken sind im Meer ertrunken.
Rettung nicht in Sicht. Das zu beschreiben war
schwieriger als gedacht und hat einige Mühen
gekostet.
Ich möchte an dieser Stelle nicht weiter
darauf eingehen. Punkt und Schluß.
Es gibt ja auch die berühmten Tage, die man
am Liebsten vergessen möchte oder den Tag,
der gebraucht ( zum Vergessen !!!) war. Sicherlich
gibt es dazu noch mehr Varianten. Ein Haiku jedoch
sollte immer die persönliche Situation, ob nun mit oder ohne
Naturbegleitung, darstellen. Für den Leser oft nicht frei
von Mißverständnissen. Es gibt in der Literatur reichlich
chiffrierte oder verzerrte Texte und mein Wahlspruch
" Denken und Sprache sind frei " sollen das auch
bekräftigen. Eine für mich erfrischende und schlüssige
Folgerung literarischer Arbeit.
Jetzt aber zu meiner Bilderfolge mit einem kleinen Satz
aus dem Prosagedicht von Paul Eluard:
>> Das Bild vom Manne glänzt außerhalb des Souterrains.
Ebenen aus Blei scheinen ihm die Gewissheit zu geben,
dass es nicht mehr umgestoßen wird, aber damit wird es
nur noch tiefer in die große Traurigkeit getaucht, die
es kennzeichnet. Die Kraft von früher, ja, die Kraft von
früher hatte sich selbst genügt (...) <<
Das noch:
Au hasard l'etoile filante ( Dem Zufall eine Sternschnuppe) !
Liebe Grüße an einem wunderschönen Tag,
Volker

15. Jun 2017

Hallo, Volker, danke für deine Rückmeldung. Ich möchte dir noch ein drei Meister-Haiku präsentieren, die sehr aussagekräftig sind:

die melodie
auf meinem lungenflügel
du weinst

Sonja Raab

Lange kein Wort ...
auf dem Kakao
bildet sich Haut

Ramona Linke

le cartable de la petite
trop lourd
pour le grand-père

Die Schultasche der Kleinen
zu schwer
für den Großvater

Marlèn Alexa

Nachtlicht
geschultert - Duft
letzter Rosen

Gabriele Hartmann

Von der bloßen Beschreibung abweichen; das ist die Kunst. "Haiku schreiben" - Einführung in die Kunst, den Augenblick in Worte zu fassen von Lonnie Hull DuPont gibt einige gute Beispiele - "Sommergras" bringt vollendete Haiku und Tanka von wirklichen Könnern. Interpretieren darf man schon, aber sobald man fragen muss: Was ist damit gemeint?, und wenn man dann nicht dahinter kommt, weil man nicht dahinterkommen kann, handelt es sich um ein Rätsel und nicht um ein Haiku, pardon.

LG Annelie

16. Jun 2017

Annelie,
ich kenne so viele Haiku`s, dass ich schon
keine mehr lesen möchte, geschweige denn
selber schreiben !
Was ist ein vollendetes Haiku, was
ist der Augenblick und die Kunst darin ?
Für mich immer eine subjektive Fühlung
und Betrachtung und man kann dem/der
Haiku-Schreiber/-in nur vage und unvollendet
folgen. Außer man hat für sich persönlich
eine phantasievolle Idee !
Es bleibt immer ein Echo der Dinge, die
jemand zu Papier bringt. Ein Klang, drei
oder fünf Zeilen und doch die ganze Welt.

Meine Gemütsverfassung in einem
kleinen Vers:
" Schlagende Kritik,
von inspirierter Seele
mit Herzmassage. "

Und ich sage zum Ende hin, wenn man sich für
die Freiheit der Wörter entschieden
hat, kann nichts mehr passieren !!!
Das ganze Leben ist ein Rätsel, jedes Haiku
ist ein Rätsel, wir sind Rätsel........etc.
Ich grüße Dich liebe Annelie
und ich nehme Dein PARDON gerne an.
Möchte mich nicht duellieren.
Volker

15. Jun 2017

Ich hasse Duelle; aber ich glaube, lieber Volker, dass du ohne Kritik nicht besser wirst. Ich wäre für jede gut gemeinte (!), nicht beleidigende Kritik dankbar - sofern ich sie nicht widerlegen könnte; aber ich meine, dass die bloße Aufzählung von Naturereignissen kein Haiku "macht". Nun hast du noch deinen versunkenen Tag hineingezaubert - und erklärt. Ich meine, Volker, wenn du mit diesem versunkenen Tag begonnen hättest und noch einmal versucht hättest nachzuempfinden, was damals in dir vorging, wäre es ein ganz fantastisches Haiku, ja, wenn du die richtigen Worte gefunden hättest, ein Meisterhaiku geworden - und ich hätte, wie oft vor solchen Super-Haiku, davorgesessen und gedacht: Mein Gott, ist das schön oder gut oder fantastisch ...

Liebe Grüße,
Annelie

16. Jun 2017

Danke für Deine schnelle Antwort.
Mit Deiner konstruktiven Kritik kann
ich wunderbar umgehen. Und mit ein
wenig Abstand betrachtet, sehe ich
auch Möglichkeiten der Verbesserung.
Will aber hier zu Bedenken geben, dass
der eigene Blick in die Vergangenheit,
Gegenwart und Zukunft die größte
Quelle unserer Schaffenskraft ist,
daraus schöpfen wir unsere erlebten/
erdachten Bilder und malen sie mit
Worten aus. Das ist eines jeden
Menschen Kreativität, ein großes
menschliches Vermögen.
Ich finde, wir sollten den Dialog
nicht überstrapazieren, wobei ich
Dir abschließend gerne noch dieses,
aus der Vorbemerkung zu Dietrich Krusche`s
Haiku-Büchlein im dtv-Verlag erschienen,
zitieren möchte.
(...) Dabei kann es leicht geschehen, dass wir
ein Haiku, obgleich es in unserer eigenen Sprache
vor uns steht, nicht verstehen, schlimmer noch,
dass wir nicht begreifen, auch beim zweiten und
dritten Lesen nicht...und weiter....An solch grund-
sätzlichem Mißverstehen ist nichts zu ändern. Jede
Beschäftigung mit Dichtung schließt es als Risiko
ein, mit dem japanischen / deutschen Haiku
besonders (...)
Das auf die Schnelle zu später Stunde.
Ich grüße Dich und verabschiede mich mit
einem kleinen Haiku von Sampu:

Im Sommerregen
schwimmen die Frösche mir
bis vor die Haustür.

Volker

16. Jun 2017

Danke, Volker, dieses Haiku gefällt mir ganz ausgezeichnet und ich verstehe es - auch dann, wenn ich es nicht "bildlich", "real" auffassen sollte.- Ich frage mich, ob ein Haiku die richtige literarische Gattung ist, Vergangenheit zu beschreiben, zu bewältigen. Ich fände es viel besser, würde man Haiku - nach kurzem oder längerem Nachdenken - verstehen. So oder so! Selbst jenes Haiku, dass du angeführt hast und das jeder nach dem ersten Lesen verstehen würde, wie es geschrieben ist, könnte man anders auffassen:nämlich zum einen als Übertreibung und zum anderen als Wunschdenken. Beide Fälle sind für mich akzeptabel, ja besser noch: meisterhaft! Dann wollen wir die Diskussion beilegen - ich bin gespannt auf deine neuen Haiku. Übrigens denke ich an und für sich gerne über Haiku nach und mag es, wenn sie "unvollendet" sind. Bei folgendem Haiku von mir habe ich an die Hamburger Schauspielerin Heidi Kabel gedacht, die mich immer zum Lachen bringen konnte - ganz besonders in "Tratsch im Treppenhaus":

Sie poliert
den Treppenknauf -
mit gespitzten Ohren

Ich hätte es auch so formulieren können:

Im Hausflur
Sie poliert den Treppenknauf
mit gespitzten Ohren,

aber das erste Beispiel ist tatsächlich besser, weil es aufs Wesentliche reduziert ist.

Danke auch für den Kommentar zu dem von dir zitierten Haiku-Buch, das ich mir zulegen werde. Schade, dass Herr Krusche nicht seine persönliche Meinung zu Haiku bekanntgegeben hat, die man sich wirklich erklären lassen müsste. Ich glaube, das müssten schon Meister-Haiku sein, wenn sie trotzdem gelungen wären.

LG Annelie

19. Jun 2017

Hallo Annelie,
da ich in diesem Forum nicht mehr ganz so uptodate bin,
die Zeit mich für andere Dinge in Anspruch nimmt und
unser Diskurs ein Ende finden muss, bleibt nur noch ein
kleiner Gruß nach Lübeck zu senden,
Volker

Hier noch ein feiner Spruch:
Tradition ist nicht die Anbetung der Asche,
sondern die Weitergabe des Feuers.

19. Jun 2017

Diskussion beendet - over. Spruch einverleibt - over -, dankend zurückgrüßend - over, Glück wünschend für neue Projekte - over,
Annelie

19. Jun 2017

Ein Haiku ist wie Du und Du,
das kann nicht jeder, man braucht Ruh.
Und wenn es klappt, dann freut sich jeder,
ich bin nicht so gewitzt, wie jener,
der so was schmiedet, wie geschmiert.
mir fehlt so manches, was sich ziert,
und andere sich daran erfreuen.,
du brauchst dich jedenfalls nicht zu scheuen,
Drum mach schön weiter und auch heiter,

denn wie du schreibst, ist viel gescheiter !

Danke, lieber Volker !
Gruß
Alfred

20. Jun 2017

Hallo Alfred,
mein Haiku ist das ICH !
Danke für Deine Doppel-DU-Deutung.
Freude ist schön, muss es aber nicht
hervorrufen, mit seinem Haiku kann man
im weißen Feld der Einsamkeit landen, aber
dagegen auch im bunten Ozean der Träume.
Das liegt am Leser und Analytiker.
Daher kann es einfach sein oder auch
kompliziert.
Ich grüße Dich für heute und sei gedankt
für Deinen Kommentar,
Volker

Neuen Kommentar schreiben