Haiku ✓ Gedichte, Erklärung und Aufbau von Haikus

Frosch Getsuju Haiku Dichtung

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde das Haiku begrenzenden inhaltlichen Regeln unterworfen und es bahnten sich, ähnlich wie beim Renga im 12./13. Jahrhundert, auch in der Haiku-Dichtung zwei Richtungen an.
Während die traditionelle Tendenz der literarisch anspruchsvolleren Bashō-Schule sich mehr den jahreszeitlich-naturgebundenen, transzendenten Inhalten widmete und durch sprachliche Ausdruckskunst und inhaltliche Perfektion den sinnreichen Haikustil anstrebte, lag anderen Dichtern daran, dem Humor, der schlichten, volkstümlichen Aussage, einen Weg offen zu halten.
Die aus diesem Bestreben erwachsene Gattung ist heute unter dem Namen Senryū bekannt.

empfohlene Haiku
von Margret Buerschaper
von Carl Heinz Kurz
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neue Haiku
von Robert K. Staege
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die schönsten Haiku
von Volker Harmgardt
von Monika Laakes
von Volker Harmgardt
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von Monika Laakes

Traumbild, raubst den Schlaf.
Frühlingsdüfte betören.
Wo finde ich dich?

Auf Flügeln der Zeit
fliegt mein Andenken an dich,
geliebte Muse.

Wolke, noch einmal
wandelst du über's Wasser,
ehe du…

von Volker Harmgardt

Blätter verwelken -
meine Haut zeigt Risse,
aber ich lebe noch.

von Volker Harmgardt

Dein Haar hat der Wind,
als der Winter dich küsste-
Traurigkeit berührt.

von Volker Harmgardt

I n l a n g e r K e t t e
winden sich die Menschen fort -
Schmetterlinge fliegen.

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P.S. So dicht sind die Worte,
welch` Überraschung,
Nietzsches Lehre "von…

von Volker Harmgardt

K l a n g f a s z i n a t i o n -
wenn Worte Blüten tragen,
sing`ich den Frühling.....

von Volker Harmgardt

Im Spätsommer
unterwegs in die Heimat -
Lektionen in Sehnsucht.

von Monika Laakes

Sieh nur, die Spinne.
Hab keine Angst und schau hin.
Zum Netzwerkwunder.

von Volker Harmgardt

Im späten Gleichgewicht -
Nichtigkeiten zu Staub zerfallen,
ego te absolvo.

von Volker Harmgardt

Am schwarzen Feldrand,
gehalten von nebligen Armen -
Der einsame Baum.

von Volker Harmgardt

Ein Sommermorgen -
Hauch eines sanften Windes,
ertrunkener Tag.

.

von Volker Harmgardt

M a g i s c h e r F r ü h l i n g -
die zarten Blätter flüstern
eine kurze Zeit.

von marie mehrfeld

In schlanker Schönheit
blüht sie dem Tod entgegen.
Einsame Rose.

von Volker Harmgardt

S c h w a r z e r H o r i z o n t -
die rote Aprilsonne flog
ins Ungewisse.

von Volker Harmgardt

In Weiß und zartrosa,
im Kontrast zu Seegras + Rum -
drei Frauen im Boot.

Ein Haiku zum Bild " In der Barke"
von Claude Monet (1887)

von Soléa P.

Getragen vom Wind
schläft der Morgen in Bäumen
fällt auf die Nase

Hoch über ihm
blinzelt verwundert
die Sonne

Kalt ist es geworden
gezuckert ruht der Wald
hüllt sich in Schweigen

In…

von Angélique Duvier

Sonnenblumengelb
strahlte sie mir entgegen,
wollt gepflückt nicht sein.

von marie mehrfeld

Besinnung im Morgengrau.
Das Streiten über mir
berührt mich nicht.

Gemächlichkeit.
Dunkle Gedanken vergehen.
Fliehen für immer davon.

Tief eintauchen
in die Fluten des Fühlens.
Alle Sinne nun weit…

von Volker Harmgardt

Verwehte Spuren -
Streiflichter über dem Jenseits
in virtuoser Farbenpracht.

von Volker Harmgardt

A l l e s g u t im B l i c k
an diesem friedlichen Punkt -
hoch über der Erde.

von marie mehrfeld

Nieselnder Morgen.
Frohen Muts setze ich
Fuß vor Fuß vor Fuß.

Unterwegs mit Zuni.
Der bleierne Himmel
spiegelt mir Lächeln.

Einatmen, innehalten.
Regen netzt mein Gesicht.
Augen nun schließen.…

von marie mehrfeld

Kurz vor Mitternacht.
Ihr heiteren Minuten
wir lieben euch.

Zum Abflug bereit.
Klang der Gedanken
lässt Flügel wachsen.

Verschenktes Lachen
vom Echo gespiegelt.
Doppeltes Staunen

Schatten…

von marie mehrfeld

Nachtwind rüttelt zaghaft.
Verweht zerbrochenes Denken.
Atem der Ahnen.

Vergangene Zeiten
von Wehmut verschleiert.
Stunde der Geister.

Rostige Ketten klappern
klagend am rissigen Tor.
Bäume im…

von marie mehrfeld

Vollmondnächte.
In silberblauem Schweigen
Klarheit suchen.

von Volker Harmgardt

Sehnsucht nach Sonne,
mitten im Blitzgewitter
erschöpfte Tränen.

von Volker Harmgardt

Im Morgengrauen -
es roch nach Moos und Erde,
lebendiger Wald.

von Volker Harmgardt

A m W e l t p o e s i e t a g
nehmen wir das Wort wörtlich -
Wildnis und Heimat.

Am 21.03.2017 / World Poetry Day
bei mir, bei Dir, überall !

von Annelie Kelch

Glasperlenspiel –
Der Morgen wirft Schatten
ins Grün

Was wäre, wenn ...
Flüsternde Winde verwehren die Antwort

Marionetten –
Stimmen und Leiber
marschieren zur Urne

Auch du, Kastalien ...*,…

von Volker Harmgardt

Gezielte Einsamkeit,
plötzlich trifft der Sommer
auf meine kalten Füße.

von Volker Harmgardt

Über den steilen Berg
toben Wind und Vögel,
wir wandern ins Tal.

von Volker Harmgardt

Im Fenster geseh`n -
Über alle Schwellen gesprungen,
das zärtliche Gesicht.

(C) Volker Harmgardt

von Volker Harmgardt

So früh am Morgen
peitscht Regen ans Fenster
und du gehst vorbei.

von marie mehrfeld

Gewitterstimmung.
Verdrängtes ringt mit dem Mut.
Wolkenmeer schwarz.

Gebogener Rücken.
Mitternächtliches Bangen.
Die grellen Blitze.

Deine dunklen Worte
verschluckt von Donnerschlägen.
Gesänge…

von Volker Harmgardt

Klares Frühlicht hebt
uns behutsam in den Tag,
einfach glücklich sein.

Montag, 31.Juli 2017
Esbjerg (Dänemark)

P.S.
Den Begriff "hygge" verwendet man in Dänemark gerne
für einen entspannten Tag (meist…

von Sigrid Hartmann

Wenn das Licht vergeht
spielen die Gedanken
mit den Schatten der Nacht

von Annelie Kelch

Nachtwanderung -
Ich gebe mein letztes
Geheimnis preis

Doofer Mond: war voll -
und hat alles ausgeplaudert

Jetzt pfeifen es die Spatzen
von den Dächern: Sie hat
einen Lover ...

Auf einem Tablett…

Seiten

古池や
蛙飛び込む
水の音

Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des Wassers.

Matsuo Bashō (1644–1694)

Erklärung, Beispiele und Aufbau des Haiku

Für die Entstehung des Haiku scheinen zwei Tatsachen von grundlegender Bedeutung zu sein. In der Renga-Dichtung hatten sich schon im 12. Jahrhundert zwei inhaltlich differenzierte Richtungen herauskristallisiert (Blyth 9. A. 1984, S. 41):
There appeared in renga two schools which characterise other spheres Japanes culture, the serious and the playful. Some of the renga teachers favoured humour, wit and puns; their works were called kyōrenga, literally, "mad" renga, but meaning "light" renga, ... contrastet with poems of deep emotion and beauty as their objects.

Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Haiku, scherzhafte, verspielte Renga, durch ihre Hauptvertreter Sōkan (1465-1553) und Moritake (1473-1549) sehr populär (Blyth 9. A. 1984, S. 45).
Zum Zweiten scheint die durch regelhafte Vorschriften bedingte wachsende Bedeutung des Hokku ausschlaggebend. Das Bemühen um einen inhaltlich und sprachlich brillianten Start einer Gemeinschaftsdichtung führte dazu, dass die Hokku in ihrer Vollendung oft keiner Ergänzung bedurften und für sich allein als eigene Kurzgedichte bestehen konnten. Das trug zur Entwicklung des Haiku als selbstständiger Gedichtform bei.

Florenz (1905, S. 440) nennt die Bezeichnung "Haiku" für das dreizeilige Kurzgedicht einen Missstand. Sie ist zusammengefügt aus Haikai no Hokku, was soviel bedeutet wie ‚humoristischer Anfangsvers‘. Die Formbeschreibung ‚Anfangsvers‘ trifft auch heute noch zu, die humoristische Sinn- und Inhaltsdeutung, die der Name aufzwingt, verlor sich jedoch schon zur Zeit Bashōs.

Das Haiku ist das kürzeste, prägnanteste, beliebteste und weltweit bekannteste Kurzgedicht der japanischen Literatur.
Die drei Zeilen sind aufgeteilt in 5-7-5 Silben:

xxxxx
xxxxxxx
xxxxx

Hin und wieder kommen auch „unregelmäßige Silbengruppierungen“ (Florenz 1905, S. 439) vor, wie z.B. 5-5-7, 7-5-5 oder 5-9-5.

Der wachsende Zuspruch, den das Haiku erfuhr, war anfangs wohl bedingt durch die Komplizierung der anderen literarischen Formen. Die strengen technischen Regeln und die gequält künstlichen Anforderungen, die die Tanka-Dichtung mehr und mehr beherrschten, förderten das Streben nach Einfachheit und Natürlichkeit. So bildete das Haiku die vereinfachte und damit volkstümliche Alternative. Die Kissenwörter und das altklassische Vokabular traten zurück und weder der Thematik, noch der sprachlichen Ausdrucksform, die „Hohes und Niedriges, Ernstes und Scherzhaftes, Vulgäres und Profanes zuließ“ (Florenz 1905, S. 441), waren Beschränkungen auferlegt. Das führte zu einer Leichtigkeit und Allgemeinverständlichkeit, dass Gebildete und Ungebildete gleichermaßen in der Lage waren, Haiku in großer Menge zu schreiben.

Die Praxis änderte sich hundert Jahre später durch Bashō und seine Schule. Blyth (9. A. 1984, Vol. I. S. 59) begründet den Vorgang:
In the same way if haiku (in its potential form of haiku renga and hokku) had not fallen into vulgarity, mere wordplay, parody, unreal poeticality, excessive simplicity, sententiousness, and epigrammaticness, and even sometimes pantheism and religiosity, Bashō could never have resurrected it into something different form all these, yet not entirely excluding them. The work of Sōkan and Moritake was thus to bring down renga and hokku from the hight to which Sōgi had raised it, too far, to a level above which Bashō had to raise it, until it should become not too bright or good for human nature's dauly food.

[Auszüge aus "Das deutsche Kurzgedicht - in der Tradition japanischer Gedichtformen" ISBN 3 88996 144 4; Mit freundlicher Genehmigung von Margret Buerschaper]

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