Tanka ✓ Gedichte, Erklärung und Aufbau

Die sechs Tanka Dichter

Die Literaturtheorie trennt das Tanka in zwei Teile. Der erste Teil, Oberstollen oder Aufgesang, kami no ku, umfasst 17 Silben; der zweite Teil, Unterstollen oder Abgesang, shimo no ku, weist zwei Zeilen mit je sieben Silben auf. Zwischen beiden Stollen liegt meistens eine Zäsur.

Oberstollen / Aufgesang / kami no ku:

5 xxxxx
7 xxxxxxx
5 xxxxx

Abgesang / shimo no ku:

7 xxxxxxx
7 xxxxxxx

empfohlene Tanka
von Carl Heinz Kurz
von Margret Buerschaper
von Carl Heinz Kurz
neue Tanka
von Yvonne Zoll
von Volker Harmgardt
die schönsten Tanka
von Volker Harmgardt
von Volker Harmgardt
von Volker Harmgardt
von Volker Harmgardt
Mitglied

Das Windrosenherz
hing schräg im Abendrot,
bei kühlem…

von Volker Harmgardt
Mitglied

Zerbrochenes Herz,
als der Schmerz dich baumwärts trug,…

von Volker Harmgardt
Mitglied

An roten Tagen,
zwischen den zeitgenössischen Bildern

von Volker Harmgardt
Mitglied

Den Wald begehen,
Wurzeln auf die Spur kommen
im Licht…

von Volker Harmgardt
Mitglied

Unter der Brücke
liegt ein verzweifelter Mensch
mit…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Sphärisch singender
Rauch in tiziantoten
Tonatonalen…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Worte dämmen bloß
den Instinkt im Intellekt
Pur zur…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Alles rückt näher
Gefährlich gefärbt die in
Farben…

von Volker Harmgardt
Mitglied

Prisma der Liebe -
Himmelblau mit Wahrheit,

von Yvonne Zoll
Mitglied

Bedenken erstorben
verfallen fatalistisch
im…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Dass derjenige
der schaut Dasselbe versteht
Einsehend…

von Jürgen Wagner
Mitglied

Die Krabbenschar eilt
zum Versteck in den Steinen
Bis…

von Yvonne Zoll
Mitglied

So spazieren schwarz
und licht im Schattenspiel aus

von Volker Harmgardt
Mitglied

Ach, schau der Frühling,
was sollen wir mit ihm machen…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Voller Verträumtheit
verwertender Ausdruck nur
Fassung…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Hemmungen in den
Stummheiten Gewesene
Wesen geneigt im…

von Thomas Brod
Mitglied

Kein Kontaktverbot!
Neun kleine Nilgansküken
flauschig…

von Volker Harmgardt
Mitglied

Der Stamm der Eiche
von Nebelwänden umklammert,
aus…

von Thomas Brod
Mitglied

An kahlen Zweigen
Farbtupfer der Jahreszeit
die roten…

von Annelie Kelch
Mitglied

Gedanke um Gedanke
auf die Reise geschickt:
Treibgut…

von Thomas Brod
Mitglied

Still fliegen Wolken
darunter ein Vogelschwarm

von Carl Heinz Kurz
Bibliothek

Ein trotziger Fels:
der größte Friedhof der Welt,
Ort…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Wie im Strömen mit
Gerissen angezogen
In Ekstase fällt…

von Annelie Kelch
Mitglied

Als ich grad eben
aus der Haustür trat, trug ich
noch…

von Carl Heinz Kurz
Bibliothek

Es klagte der Freund:
Ach, wer kein Zuhause hat,
kann…

von Margret Buerschaper
Bibliothek

Noch ist es Morgen –
doch ein welkes Buchenblatt
löst…

von Margret Buerschaper
Bibliothek

Blätter und Knüppel
unterm Kastanienbaum
am frühen…

von Annelie Kelch
Mitglied

Trauermarsch ...
Ich mische mich unter die Trump-Wähler -…

von Carl Heinz Kurz
Bibliothek

Ich las in der Stadt
im Haus der toten Juden
über…

von Wolfgang Luley
Mitglied

ob`s katerchen
ausgebüxt ist
oder mucken hat -

von Robert K. Staege
Mitglied

Die Sonne erstrahlt.
Der Sommerhimmel beginnt
sich…

von Margret Buerschaper
Bibliothek

Schatten sind, wo Licht
ist. Ernten kann nur, wer sät.…

von Corinna Herntier
Mitglied

So schöne Worte,
die du mir auf Zettel schreibst,
mir…

von Thomas Brod
Mitglied

Sein Gang wirkt staksig.
Hüpfend singt, rätscht und ruft er…

von Thomas Brod
Mitglied

Wandel des Klimas
mit Wassernot und Hitze
ein…

von Carl Heinz Kurz
Bibliothek

Als er sie verließ,
um an die Front zu gehen,
sagte…

von Robert K. Staege
Mitglied

Nun naht schon der Herbst.
Bunt in Gelb und Rot und Braun…

von Pawel Markiewicz
Mitglied

Einführung

Hinter einem erträumten Zauberspiegelein namens…

von Thomas Brod
Mitglied

Ein wachsamer Blick
über den Flügel zurück
Vorsicht…

von * noé *
Mitglied

Mondkinder flüstern
Geheimes - immer war's um
den…

von Thomas Brod
Mitglied

Rosa Kirschblüte
zauberhaft gefärbt dein Kuss
birgt…

von Monika Laakes
Mitglied

Ein rotes Signal setzt sie,
eine Hülse aus Metall,

von Wolfgang Luley
Mitglied

Rübe zum Frühstück?
Der Papagei -
ein alter Hase -…

von Thomas Brod
Mitglied

Den Muttern gilt Ehr.
Sie halten viel zusammen.

von Annelie Kelch
Mitglied

Mütze im Gesicht -
wütend stapft er
über sein…

von Pawel Markiewicz
Mitglied

Hund und zwei Katzen
sind Freunde wie Tagfalter
in…

von Pawel Markiewicz
Mitglied

1.
Schmetterlingspärchen
Melancholie verzaubert

von Pawel Markiewicz
Mitglied

Über dem Dualismus im Tanka

Paweł Markiewicz

Der…

von Jürgen Wagner
Mitglied

Der alte Milcheimer
wurd' einst mächtig geschüttelt

von Pawel Markiewicz
Mitglied

Hund liegt in dem Klee
darunter ein Kleevierblatt
er…

von Jürgen Wagner
Mitglied

Mit dem All schwingend
Im grün und blauen Brokat
Ist…

von Annelie Kelch
Mitglied

Rauch
liegt überm Dorf
Nein, kein Flüchtlingslager…

von Monika Laakes
Mitglied

Windig und wetterwendisch
tänzelt er mir über’n Weg.

von Annelie Kelch
Mitglied

Herbst in Moll -
vor dem Grand Hotel
steigt die Diva…

von Jürgen Wagner
Mitglied

In mörderischer Hitze
in Gesellschaft mit Felsen
und…

von Marcel Strömer
Mitglied

Schwer ist das Herz, und
schwer ist es - zu glauben,

von Corinna Herntier
Mitglied

Vereister Bachlauf
fließt unsichtbar durch Wechsel
von…

von Jürgen Wagner
Mitglied

Taktisch klug vesetzt
stehen die Stacheln bereit
gegen…

von Pawel Markiewicz
Mitglied

die Tag- Nachtfalter
flattern hier und da immer
sie…

von Marcel Strömer
Mitglied

Gib Brot für die Welt!
Einen Steinwurf entfernt,
Ruf…

von Marcel Strömer
Mitglied

Wellen schreiten nicht!
Im Wettlauf mit der Zeit

von * noé *
Mitglied

Sommergewitter
unter dem Donnergrollen
gezackte Blitze…

von Marcel Strömer
Mitglied

Bruder trifft Schwester,
der hungert seit gestern,

Erklärung, Beispiele und Aufbau des traditionellen Tanka

Unter den Liedern des Kojiki und des Nihongi tauchen häufig 31silbige Gedichte auf, oft als Nachgesang eines Naga-uta, eines "Langgedichtes", die als Mijika-uta, sino-japanisch Tanka, "Kurzgedicht", oder auch einfach nur als Uta, das "Lied", bezeichnet wurden.

Blyth (1981, S. 103 ff) verwendet die Bezeichnung Waka, "japanisches Gedicht", in der Entstehungszeit so namentlich unterschieden vom Kanshi, dem "chinesischen Gedicht" (Debon 1984, S. 335) und Miner (1979, S. 375) definiert sie als Repräsentation japanischer Dichtung, "that is the major form of court poetry, and in particular Chōka and Tanka".

Die wachsende Liebe japanischer Autoren für die kurze Gedichtform ist das auffallendste Phänomen der japanischen Poesie überhaupt.
Das japanische Kurzgedicht verhält sich zu den übrigen lyrischen Gebilden der abendländischen Literaturen (sic!) wie eine Skizze zu einem ausführlichen Gemälde; sein Dichter zeigt sich als den (sic!) innigsten Geistesverwandten des japanischen Malers, der seine Gemälde auch nicht minutiös ausführt, sondern mit wenigen kühnen Strichen hinwirft. Die Übereinstimmung der dichterischen und malerischen Ideale ist kein bloßer Zufall; sie liegt tief in der geistigen Veranlagung des japanischen Volkes begründet, das, vielleicht aus Mangel bedeutender schöpferischer Kraft, darauf ausgeht, mit den kleinstmöglichen Mitteln etwas künstlerisch Vollkommenes zu schaffen. (Florenz 1905, S. 19)

Die Literaturtheorie trennt das Tanka in zwei Teile. Der erste Teil, Oberstollen oder Aufgesang, kami no ku, umfasst 17 Silben; der zweite Teil, Unterstollen oder Abgesang, shimo no ku, weist zwei Zeilen mit je sieben Silben auf. Zwischen beiden Stollen liegt meistens eine Zäsur.

Der formalen Reduzierung der Gedichte auf dieses Schema, das sich, wie noch näher zu erläutern sein wird, im 7. und 8. Jahrhundert durchsetzte, musste notgedrungen auch eine inhaltliche Erneuerung folgen.

Die Thematik blieb grundsätzlich erhalten: Naturbetrachtung und Jahreszeit, Liebesidylle und Liebesschmerz, Heimweh und Einsamkeit, Helden- und Kaiserlob und Götterverehrung, letztere zunehmend erweitert durch buddhistische Weltanschauung und Transzendenz. Jedoch ist der ausschweifenden, wortreichen Darstellung und der ausmalenden Phantasie, wie sie sich in den Langgedichten zeigt, kein Spielraum mehr vergönnt.

Oki-tsu-tori  5 Auf der Seevögel,
Kamo-doku shima ni  7 Der Möwen Ruhe-Eiland
Waga ineshi 5 Mit mir gelagert

Imo wa wasureji 7 Mein Gemahl vergess ich nie,
Yo no koto-goto ni 7 Wie oft sich die Welt erneuert!

(Ein frühes Tanka aus dem Kojiki I, 42(zit. nach Gundert 1929, S. 18)

[Auszüge aus "Das deutsche Kurzgedicht - in der Tradition japanischer Gedichtformen" ISBN 3 88996 144 4; Mit freundlicher Genehmigung von Margret Buerschaper]