Senryu ✓ Gedichte, Erklärung und Aufbau

empfohlene Senryu
von Carl Heinz Kurz
von Tilly Boesche-Zacharow
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neue Senryu
die schönsten Senryu
von Ingeborg Henrichs
von Ingeborg Henrichs
von Ingeborg Henrichs
von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Vorbeigelaufen
an Schaufenstern des Lebens
zum Glück…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Neues im Frühling
Auf Abstand Gemeinschaft sein
Kunst…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Auch Höhenflüge
enden mit und ohne Wind.
Wichtig: die…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Auserlesener
Aufgehender Augenblick
Atemdurchlässig…

von Marie Mehrfeld
Mitglied

Karneval feiern.
Maske verdeckt dein Gesicht.
Du…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

verstehend hören
in der Welt ist viel Gutes
es schreit…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Verlassener Ort
Leere Hüllen. Schattenlos
Immer sein…

von Monika Laakes
Mitglied

Grenzenlos Freiheit...
Kopfgeburten entspringen
im…

von Marie Mehrfeld
Mitglied

Die Reise nach innen,
Nebel umwobene Tage
und Nächte…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Das Herz der Seele
übersteht schwarze Löcher
ewig der…

von Annelie Kelch
Mitglied

Sonntag -
die Rose
im bunten Strauß der Woche

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Zwischen den Jahren
Soll die Welt ruhig ausschlafen

von Yvonne Zoll
Mitglied

Wägendes Irren
aus der Launenhaftigkeit
Im Natürlichen…

von Volker Harmgardt
Mitglied

In Erinnerung an Rolf Dieter Brinkmann (1940-1975)
"Bei…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Offene Herzen
In Urkräfte der Welt schaun
Vulkane und…

von Yvonne Zoll
Mitglied

gefrorener glanz
im aushärtenden abend
asphalt zum…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Tief in deinem Lied
sind die angenommenen
Töne wie…

von Marie Mehrfeld
Mitglied

Den Kopf hoch tragen
und den Mut nicht verlieren.

von Yvonne Zoll
Mitglied

Erfahrungsabgrund
Ungelenke Reflexion
Entflohen Bilder…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Wesentlich der Kern
Auf Umlaufbahnen kreisen

von Sigrid Hartmann
Mitglied

Verwundetes Herz
Die Knospe einer Rose
In Kälte und…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Von vibrierendem
Fieber funkendes Wähnen
vermeintlich…

von Yvonne Zoll
Mitglied

nächtlich kreuzungen
äolisch zart erwartend
tiefhohe…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Der zwölfte Monat
Ein übriggebliebener
Vollendet den…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Gut gelaunt erwacht
Ein kleines Gespenst, verscheucht

von Marie Mehrfeld
Mitglied

Die Gürtellinie:
Besser oberhalb bleiben.
Es hebt das…

von Monika Laakes
Mitglied

Wie ich es liebe,
das Vibrieren im Augenblick.
Ein…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Ein Kleiderwechsel
Gemeinsinn steht uns allen
Aktuell.…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Verbrenn die Decken
Worauf wir einst gelegen
Und werfe…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Wortloses Sagen
Lehrt lautlos das Herzwissen
Sprache…

von Marie Mehrfeld
Mitglied

Wer und warum sind wir?
Woher kommen wir, wohin
werden…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Durchfrosteter Flaum
Fetzen in laurauer Luft
mein…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Heimat der Menschheit
Schwebend Blau im Zeiten Raum

von Yvonne Zoll
Mitglied

Was sich als Zwitschern
Zwischen zwei Gedanken zeigt

von Yvonne Zoll
Mitglied

Erstickende Lust
zuletzt Zugluft umstritten
im…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Lebensmelodie
Alltagsrausch und hohe Kunst
Klangreiche…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Entblätterungen
Wesentliches auflesen
Natur der…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Geschlossene Zeit
Zukunft verharrt ungeträumt
hinter…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Fort von Vielleicht kaum
Im Bereich des Möglichen
Und…

von Carl Heinz Kurz
Bibliothek

O, sieh doch, Liebste:
ich küsse deinen Schatten,
ob…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Abgezogen im
Abend würzige Wolken
Blässe fließend…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Sommernachrichten
Ankommen und loslassen
Reisezeit zum…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Die blaue Stunde
Schwebend zwischen den Zeiten
Ewiges…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

in augen blicken
diskrete enthüllungen
frei von…

von Monika Laakes
Mitglied

Gedankenspiele,
wenn ich zu den Wolken schau.
Welten…

von Monika Laakes
Mitglied

Lebe Zuversicht,
hab viel Mut im Neuen Jahr.
Glück…

von Monika Laakes
Mitglied

Spontan quälen mich
bedrückende Gedanken.
Chaos auf…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Ankommen im Sein
Öffnet dir alle Himmel

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

erinnerungen
zukunft von gestern im jetzt
entbundene…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Liebe geht leise
Schließt auf.Wärmt.Heilt und beschützt.…

von Monika Laakes
Mitglied

Träume versinken
im grauen Himmelsgewand.
Wer zählt…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Fortgeflogen frei
verjüngter Flügel Fülle
flutend…

von Monika Laakes
Mitglied

Geliebte Freiheit.
Du machst mir Glücksgefühle,
wenn…

von Monika Laakes
Mitglied

Oh Lyrikzauber,
lass die Seele erglühen
zu…

von Monika Laakes
Mitglied

Wie oft stirbst du noch,
Zauberin meiner Worte?
Trauer…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Orakelsprüche
ehedem errettende
wie ausschließliche…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Am Adventhimmel
da sieh, sprach einst Grossmutter
die…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Alltäglichkeiten
Spiegel des Unendlichen
Verdichten…

von Ella Sander
Mitglied

In der Pfütze der
geerbten Identität
bleibt Blick…

von Marie Mehrfeld
Mitglied

Verschenktes Lächeln
fliegt gespiegelt zu dir zurück.

von Yvonne Zoll
Mitglied

Irritierende
Zwischengeräusche rangeln
Ruinös verstört…

von Ella Sander
Mitglied

Im unschuldigen
Blick der Kindheit Erleben:

von Yvonne Zoll
Mitglied

Im erspürenden
Verorten ausgefallen
andere Werte

von Monika Laakes
Mitglied

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zur Freiheit oder Knechtschaft.
Bleib…

von Yvonne Zoll
Mitglied

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Zug phasenhaften Basements

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Mitglied

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Mitglied

Angst vor Corona,
Menschen hamstern Klopapier,
aus…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Gemüt umfließend
Wortgelöst unverkostet
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von Yvonne Zoll
Mitglied

Abgespiegelte
Wunder ragende Wesen
Zur Frage gekürt…

von Yvonne Zoll
Mitglied

ins unwahrscheinlich
gemeißelt weithin diffus
jener…

von Marie Mehrfeld
Mitglied

Die klare Sicht auch
auf die Missstände der Welt.
Das…

von Ingeborg Henrichs
Mitglied

Vorbereitungen
Süss der Schmelz Vergänglichkeit
Stille…

von Angélique Duvier
Mitglied

Reines Herz

Dein Herz ist so rein
wie eine Lotosblume…

von Yvonne Zoll
Mitglied

Lichtdurchflutetes
Zwinkern kürt allein Primzahl

von Somos Eleen
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Der Himmel so blau
und im Wind steht ein Drachen.
Die…

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Erklärung, Aufbau und Beispiele des traditionellen Senryu (Senryū)

Debon (1984, S. 411) nennt die Senryu „Siebzehnzeiler, die keine ‚haiku‘ sind“. Die Darstellungen über Entstehung und Entwicklung sind widersprüchlich. Ich folge den grundlegenden Ausführungen Blyths.
Formel dem Haiku gleich, dreizeilig mit 17 Silben in der bekannten Aufteilung 5 - 7 - 5, steht seine inhaltliche Prägung in der Tradition des Renga und zwar in der Mindless-Form, dem mushin-renga, ‚herzloses Kettengedicht‘, das den humorvollen, witzigen und an Wortspielen reichen Stil bevorzugte und sich im Volk großer Beliebtheit erfreute (Blyth 9. A. 1984, Vol. I, S. 42). Es wurde in der umgekehrten Silbenfolge 7 - 7 / 5 - 7 - 5 von zwei Autoren geschrieben. Dabei galt es, den dreizeiligen Vers in unerwarteter und überaschender Weise an den vierzehnsilbigen Vordervers anzuschließen. Diese Form des mushin-rengas hieß maekuzuke „Vordervers-Anschluß“ (Debon 1984, S. 410).

Als Beispiel für das maekuzuke ein Gedicht von Sōkan:

Kirtaku mo ari
kiritaku mo nashi

Nusubito wo
toraete mireba
waga ko nari

Erschlagen könnt ich ihn
aber dann doch wieder nicht.

Erwischt wurde der Dieb
und als ich näher hinsah,
war es mein eigener Sohn.

Debon (1984, S. 411)

Der zweite Traditionsstrang, der das Senryu prägte, ist das kyōka, das ‚komische Waka‘, ‚Trollgedicht‘, oder auch kyōku, das ‚Trollvers‘ oder ‚verrückter Vers‘ – ein satirisches Hokku (Blyth 1960, S. 13).

Sōkan wa
doko e to hito no
tōtareba
chito yōji ari
anoyo e to ie

Should Poeple ask
Where Sōkan has gone
Then answer,
"He has gone on some business
To the next world."

Blyth (1960, S. 13)

In den 300 Jahren nach Sōkan sind ständig humoristische Gedichte geschrieben worden, in den letzten 100 Jahren vornehmlich in der Hokku-Form; sie waren jedoch kaum bekannt und auch wenig geachtet. Das änderte sich erst durch Karai Hachiemon (1718-1790).

Karai Hachiemon war offiziell ernannter Sammler und genoss als solcher ein hohes Ansehen. Weniger seinem eigenen dichterischen Talent als vielmehr seiner ausgiebigen Tätigkeit als kritischer Beurteiler und Selektor verdankte er seine Popularität. Diesem Umstand und der Vorliebe Karai Hachiemons für das kyōku ist es zuzuschreiben, dass diese Gedichtart entdeckt wurde und Berühmtheit erlangte.

...
Hachiemon begann seine Sammeltätigkeit 1757; der erste Teil der Anthologie erschien 1765; bis zu seinem Tode 1790 umfasste sie 24 Bände. Der ausführliche Titel lautet: ‚Imosegawa Yanagidaru‘, vom ersten Wort das Ende und vom zweiten der Anfang ergeben die japanische Lesart für Senryu, gawa-yanagi, das übersetzt Flußweide heißt. Diese Wortkombination wählte Hachiemon zum Pseudonym. Erst nach seinem Tod wurde der name auf die gedichtform übertragen.

Sein Lebenswerk und der Umstand, dass das Haiku sich inzwischen zu einer hochgeistigen Gedichtform gewandelt hatte, machten das Senryu ungeheuer populär, denn es bot jedermann die Möglichkeit literarischer Betätigung, der außer der formalen Begrenztheit keine Einschränkungen auferlegt waren.

Das Senryu lebt von „Hyperbolen, Metaphern, Personifizierungen, Kalauern und Verballhornungen; es liebt die respektlose Verspottung, die Travestie und die Parodie“ (Debon 1984, S. 412), versprachlicht Ironie, Satire und Dummheit, menschliche Schwächen, alltägliches Einerlei und banale Nichtigkeit. Der Sprachstil ist umgangssprachlich geprägt, liberal, niemals moralisierend oder anklagend, dafür spöttisch, ja zuweilen zynisch und anzüglich (Blyth 1960, S. 7):

Nusumi yori
kuretaru hana wa
ori-nikushi

It is more difficult
To break off a branch he is given
Than to steal one.

Blyth (1960, S. 166)

Wenn man einen Blütenzweig stiehlt, so nimmt man soviel, wie man haben möchte, aber wenn man ihn geschenkt bekommt, fürchtet man, unbescheiden zu sein und zuviel abzubrechen.

Dorobō no
kaeri ni marui
tsuki wo home
Yasharō

On the way back
From stealing,
He praises the round moon.

Blyth (1960, S. 221)

Dieses ist ein Beispiel dafür, dass das Senryu sich jeder moralisierenden Äußerung enthält. Der satirische Unterton ist sehr zart. Der Dieb hat durch den erfolgreichen Diebstahl alle seine Materiellen Wünsche erfüllt. Nun, auf dem Heimweg, erwacht seine geistige Natur, und er betrachtet den Vollmond mit ruhigem und friedlichen Sinn.

[Auszüge aus "Das deutsche Kurzgedicht - in der Tradition japanischer Gedichtformen" ISBN 3 88996 144 4; Mit freundlicher Genehmigung von Margret Buerschaper]