Grüne Wiesen

von Willi Grigor
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Ein Mensch, der eine schöne Kindheit hatte,
die freudig ihn nun durch sein Leben trägt,
dem können auch die dunklen Lebensschatten
nicht mehr die warmen Flammen löschen,
die Glut, die tief in seinem Herzen brennt.
Die warmen Flammen ihn das Kind sein lassen,
das so wie einst auf grünen Wiesen rennt.

Ein Mensch, der keine Kindheit hatte,
dem Elend Steine vor die Füße legt,
auf Bildern sieht das Glück der Satten,
dass Freud sich nicht mit Leid soll mischen:
Ein solcher Mensch hat Wärme nie im Herz gespürt,
die Kälte nie ihn hat ein Kind sein lassen,
nie über grüne Wiesen ihn geführt.

© Willi Grigor, 2018
Aus dem Leben

Siehe auch Erzählung
literatpro.de/prosa/100418/de-2011-zurueck-im-dorf-der-kindheit

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Interne Verweise

Kommentare

16. Apr 2018

Mit der Kindheit fängt das Leben an.
Ohne Kindheit ist man böse dran.

Danke für Deine Zeilen, Axel.

LG
Willi

16. Apr 2018

Ja, lieber Willi, auch diese gute Erkenntnis von Dir muss berücksichtigt
werden vom "hohen" Gericht, wenn jemand wegen einer
mehr oder weniger schweren Straftat verurteilt werden muss.
Ich danke Dir sehr für dieses gute Gedicht. Lies doch auch mal
das Vorwort der Droste-Hülshoff zu Ihrer Novelle "Die Judenbuche",
auch ein Gedicht wie Deines, nur mit anderen Worten.

Liebe Grüße,
Annelie

16. Apr 2018

Liebe Annelie, Danke für Deine Worte und den Tipp. Du bist nun mal belesen. Das zeichnet Dich aus, sowie Deine Schreibkunst.
Ich habe auf die Schnelle eine Kurzfassung der Novelle "Die Judenbuche" von Anette von Droste-Hülshoff gelesen, ergreifend.
Das Einleitungsgedicht hat mich berührt:

Wo ist die Hand so zart, dass ohne Irren
Sie sondern mag beschränkten Hirnes Wirren,
So fest, dass ohne Zittern sie den Stein
Mag schleudern auf ein arm verkümmert Sein?
Wer wagt es, eitlen Blutes Drang zu messen,
Zu wägen jedes Wort, das unvergessen
In junge Brust die zähen Wurzeln trieb,
Des Vorurteils geheimen Seelendieb?
Du Glücklicher, geboren und gehegt
Im lichten Raum, von frommer Hand gepflegt,
Leg hin die Waagschal’, nimmer dir erlaubt!
Lass ruhn den Stein – er trifft dein eignes Haupt!

Herzliche Grüße
Willi

17. Apr 2018

Ein sehr schönes Gedicht, dem ich aber widersprechen möchte. Es gibt viele Menschen, die keine schöne Kindheit hatten und dennoch Liebe und Schönheit leben
lg Flo

17. Apr 2018

Es gibt sie, ohne Zweifel, liebe Flo

Mein Gedicht handelt aber nicht um diese. Es handelt um die zwei Ausnahmefälle: die Glücklichen, die Zerstörten. Ich wollte den Kontrast hervorheben.
Es könnte hier auch der Eindruck entstehen, dass ich einer der "Glücklichen" wäre. Vor allem, wenn man auch meine Erzählung
literatpro.de/prosa/100418/de-2011-zurueck-im-dorf-der-kindheit
gelesen hat, in der ich meine schöne Kindheit (bei durchaus ärmlichen Umständen) beschreibe. Bin ich aber nicht. Ich bin einer der vielen, die nach einer schönen Kindheit auch Schattenseiten des Lebens kennenlernten/-lernen, oder eben umgekehrt.
Ein Gedicht kann nie die ganze Komplexität des Lebens beschreiben. Wohl auch deshalb wird der Stoff für Gedichte nicht ausgehen.

Ich danke Dir für die Reflexion

LG
Willi

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