Ophelia – Tod im Frühling ...

von Annelie Kelch
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Der Frühling kommt – und geht ...
wie junge Liebe, die noch auf dem Prüfstein steht.
Ich denke oft an meine Heimat im April:
Die Wiesen lagen meist verlassen brach und vogelstill.
Und unter grauen Himmeln
schien der Winter Dauergast,

geduldet zwar, doch ungeliebt …
wie' s eigene Grab, dafür manch einer schon bezahlt.
Die Sonne war ein schöner Traum von gestern.
Ich trug die Kleider auf von meinen großen Schwestern,
hab still am Tisch gehockt und
bunte Bilder aufs Papier gemalt

und in Gedanken mir
den grünen Lenz herbeizitiert:
die alte Unke, Maßlieb, Disteln und Ophelia* …
Laertes' Schwester, die im Bach ertrunken war.
Selbst wenn der Totengräber sang beim Graben,
weil er nach Branntwein hat gegiert …
soll ihr Begräbnis sich wohl christlich zugetragen haben.

Ich malte Büsche, darin keine Früchte brannten ...
und Vogelnester, unbehaust, nachlässig hingestreckt,
viel zarte Knopsen, schlafend, von der Sonne ungeweckt,
die Flut der Tränen, die den Himmel übermannten.
Kurzum, ich malte, was ich draußen sah:
den Frühling, der noch in den Kinderschuhen steckt.

Den Frühling … wie er kommt und geht ...
gleich junger Liebe, die noch auf dem Prüfstein steht.
Ich denke oft an meine Heimat im April:
Schwer hing der Dunst des Nebels überm Fluss.
Die Sonne rang sich händeringend durch zum Morgenkuss.
Gar nagelrostig stak so manches Brett im grauen Sand …
Und Circes Lachen drang sirenenhaft und schrill
mir ins Gemüt, wenn Blut gesickert kam
aus meiner bleichen Hand.

*Ophelia heißt ein Gemälde von John Everett Millais, das 1852 fertiggestellt wurde. Es stellt die gleichnamige Figur aus Shakespeares Tragödie Hamlet dar, wie sie in einem Fluss treibt, kurz bevor sie ertrinkt. Im Stück wird dies in der Rede (4. Aufzug, 7. Szene) von Hamlets Mutter Gertrude beschrieben, Quelle: Wikipedia.

Copyright: Annelie Kelch, Foto: Internet, kostenfrei
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Interne Verweise

Kommentare

16. Apr 2018

Der Frühling lässt sich hier nicht treiben:
So stark kann man ein Bild "beschreiben"!

LG Axel

16. Apr 2018

Dank, lieber Axel, Dir, für Deinen Kommentar:
Der Frühling im April ... nur in Paris
ist er wohl jedes Jahr - auch wunderbar.

LG Annelie

16. Apr 2018

So unterschiedlich klar und rein
kann die Betrachtung des Frühlings sein.
LG Ekki

16. Apr 2018

Danke, lieber Ekki, für Deinen wohlwollenden Kommentar.

Liebe Grüße,
Annelie

16. Apr 2018

Es ist Trost und Freude fürwahr
Frühling wird wieder wahr
LG
ulli

16. Apr 2018

Dank, lieber Ulli, Dir, für Deinen Kommentar ...
Der Frühling hat ein Aug auf uns geworfen längst, das ist mal klar.
Doch trinkt er zu viel Wodka leider noch an mancher Bar ...
kippt dann und wann - vom Hocker, und gleich wird es wieder grau ...
wie 's über Stadt und Land im trüben Monat März fast jeden Tag aussah.

LG Annelie

16. Apr 2018

Oh Annelie,
Deine Dichtkunst
gleicht einer Symphonie.
Du lässt in andere
Sphären entschweben.
So seh ich Dich.
So seh ich Dein Leben.

LG Monika

16. Apr 2018

Oh, Monika, da muss ich Einspruch gleich erheben;
wer sollt Dir Schutz gewährn beim seligen Schweben?
Möcht nicht, dass Du Dich bei der Landung arg verletzest,
weil anderenfalls Khalessi seine kleinen Freunde auf mich hetzet ...
Mein Leben - ? Keine große Chose, eher moribund ...
Würd ich nicht lesen, schreiben, abends in die Röhre schaun -
gäb 's momentan für mich zum Leben wirklich keinen guten Grund.

Liebe Grüße zu Dir, Khalessi und seinen(euren)
vierfüßigen FreundInnen,
Annelie

18. Apr 2018

Ach Annelie,
bestechend ist doch Dein Humor,
der macht mir großen Spaß
und blitzt aus Deinem Gedicht hervor.
Siehe "Einspruch". Spitze!

Liebe Grüße zu Dir,
von Khalessi + Monika

18. Apr 2018

Dagegen keinen Einspruch ich erhebe, liebe Monika ...
Dir jegliche Gerichtsverhandlung hier erspar.
Khalessi ist ein guter Hund, zur Klage gibt es keinen Grund.
Monika, ich weiß nicht ob Du den Film "Der Regenmacher" kennst ...
nach einem Roman von John Grisham. "Regenmacher" nennt man
in den USA Star-Anwälte, die für ihre Klienten sehr viel Geld
erstreiten, auch mithin eine Kritik am Rechtssystem und eine große
Anklage, was kapitalistische Versicherungskonzerne dort betrifft, deren
einziges Ziel es ist, ihre Versicherten durch ganz fiese Betrugsmaschen
um eine "Schadensregulierung" zu bringen

Der Film kam neulich im Fernsehen und ich denke,
dass der Roman auch sehr lesenswert ist.

Liebe Grüße,
Annelie

18. Apr 2018

Danke Dir für den Tipp, liebe Annelie.

Noch einen erbaulichen Frühlingstag,
Monika + Khalessi

17. Apr 2018

Wie, "zum Leben wirklich keinen guten Grund,"
jetzt geht es aber rund.
Du weißt genau, was Leben ist und heißt -
bist Annelie und recht gescheit ...

Sei herzlich gegrüßte von mir
Soléa

17. Apr 2018

Oh, danke, liebe Soléa, ich war gestern wohl ein wenig depressiv, hab wieder mal viel gegrübelt. Muss auch mal sein. Heute geht es mir bedeutend besser. Die neue Frisur steht Dir übrigens ausgezeichnet. Das sieht richtig super aus. Nicht, dass die grauen Haare Dir nicht gut zu Gesicht stünden, aber würdest Du sie färben, könnte man Dich für ein ganz junges Ding halten. Großes Kompliment.

Liebe Grüße zu Dir und danke für die Aufmunterung,
Annelie

17. Apr 2018

ICH möcht mir AUCH die Haare färben!
(Doch müsste ich sie erst erwerben ...)

LG Axel

18. Apr 2018

Sehr amüsant, wie Axel kokettiert mit seiner blanken "Platte" ...
Ich frag mich, ob er überhaupt mal viele Haare hatte.
Wir sollen seine letzten Löckchen loben ...
Er kämmt sie sich sehr fesch von schräg nach oben.

LG Annelie

18. Apr 2018

Nein, die Haare stehen mir nach oben:
Das kommt von Bertha Krauses Toben ...

LG Axel

18. Apr 2018

"Grübeln", auch ein Talent von mir, liebe Annelie - könnt mir manchmal selber an den grauen Kopf schlagen ... Danke fürs Kompliment :-)) der neue Schnitt, ist der alte. Seit über 40 Jahren trage ich kurz und bin damit, denke ich, noch besser dran als der liebe Axel ... Färben mag ich nicht, zu viel Aufwand und am Alter selbst, ändert es auch nichts. "Schönheit" kommt bekanntlich ja von innen und ein Lächeln (das man hier auf den Fotos eher selten sieht) ist in der Regel, auch von Vorteil ...

Liebe und sonnige Grüße zu dir
Soléa

19. Apr 2018

Ich schließe mich den Lob meiner Vorredner/innen für dieses Gedicht verspätet an,.liebe Annelie, du bist offenbar grade in einer sehr schöpfersichenm Phase, während ich mich mit gutem Grund etwas ausgeklinkt habe ...

liebe Grüße Marie

19. Apr 2018

Dank Dir, Marie, ich hab dich schon vermisst ...
und bin sehr froh, dass Du allhier jetzt wieder bist.

Liebe Grüße,
Annelie