Groß Wersmeninken

von Johanna Ambrosius
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Zu deutsch:
„Dorf an der Quelle.“

Von sanftem Hügelrücken
Schaust Du mit hellen Blicken,
Mein Dorf, in Gottes Welt hinein;
Dich zieren keine Mauern,
Nur schlichte deutsche Bauern
In strohgedeckten Hütten klein.

Wo hell die Quelle springet,
Sich hin zu Tale schlinget
Durch üppig grünen Wiesenplan
Die blauen Blumen sprießen,
Gleich Mädchenaugen grüßen
Sie jeden durst’gen Wandersmann.

Und ringsherum wie Schanzen
Aus hunderttausend Lanzen
Der dunkle Tannenwald sich säumt,
Darinnen wilde Tauben
Still brüten unter Lauben –
Und sich’s so wonneselig träumt.

Schön bist Du, wenn vom Taue
Noch tropfen Feld und Aue,
Doch weckt der Lerche Morgenlied;
Wenn durch die Waldesspitzen
Mit hellen Augenblitzen
Die Sonne Dir ins Antlitz sieht.

Und kommt der stille Abend
Das letzte Rot begrabend,
Wie Dankesopfer steigt’s empor,
Die Hüttlein alle rauchen,
Gleich goldnen Sternen tauchen
Die Lichter aus dem Grün hervor.

Wie heimlich und zufrieden
Liegst du, wenn deine Müden
Ihr Tagwerk treu getan;
Kein wüstes Rädersausen,
Kein schrill Maschinenbrausen
Darf störend deinem Schlummer nahn.

Schön bist du immer, immer,
In Tau und Schneegeflimmer
Zur Zeit der goldnen Ährenpracht;
Nichts gleicht dir, wenn im Lenzen
Aus tausend Blütenkränzen
Dein Antlitz uns entgegenlacht.

Dann tragen deine Lüfte
Nur süße Honigdüfte,
Im Blütenschnee liegt jedes Haus,
Streust auf der kühlen Straße
Bis hin zur schmalsten Gasse
Den köstlich schönsten Teppich aus.

Wie eilen aus den Stuben
Die Mädchen dann und Buben
Zum lustig frohen Ringelreihn;
Der Kuckuck ruft vom walde,
Und von der nahen Halde
Stimmt eine Hirtenflöte ein.

Und wenn am Sonntag leise
Der Glocken süße Weise
Vom fernen Kirchturm ruft: komm, komm;
Wie eilen deine Scharen
In blond und grauen Haaren
Zum lieben Gotteshause fromm.

Du pflegst noch deutsche Sitte,
Mein Dorf; in deiner Mitte
Blüht noch die Wunderblume Treu‘;
Da gibt’s noch Mädchenherzen
Keusch wie die Blum‘ im Märzen,
Behütet von der guten Fey.

O schau mit hellen Blicken
Noch lang vom Hügelrücken,
Mein Dorf, in Gottes Welt hinein,
Kein Maler wird dich malen,
Doch wirst du ewig strahlen
Im deutschen Land‘ ein Edelstein.

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