Einladung

von Johanna Ambrosius
Aus der Bibliothek

Wie lange willst Du draußen stehen?
Komm‘ nur herein, Du lieber Gast,
Die Winde gar zu stürmisch wehen,
Komm‘, halt ein Weilchen bei mir Rast.
Vergebens gingst um Obdach bitten
Schon lange Du von Tür zu Tür,
Ich weiß, was Du dabei gelitten,
Komm‘, ruhe endlich aus bei mir!

Lass Dich getrost nur bei mir nieder,
In meine Hände leg‘ Dein Haupt,
Dann kommt gewiss der Frieden wieder,
Den Dir die böse Welt geraubt.
Dann steigt mit sanftem Flügelfächeln
Die Liebe aus des Herzens Grund,
Und zaubert Dein geliebtes Lächeln
Aufs neu‘ um Deinen ernsten Mund.

Komm‘, ruhe aus, ich will Dich halten,
So lang noch eine Ader schlägt,
Mein Herz wird nie für Dich erkalten,
Auf wenn man es zu Grabe trägt.
Du schaust mich an in zagem Sehnen,
Bleibst stumm ob der verheiß’nen Luft,
Und hast nur Tränen, nichts als Tränen,
Komm‘, wein‘ Dich aus an meiner Brust!

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