Friede

von Johanna Ambrosius
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In ein Beet von jungen Saaten, rings von Tannen grün umkettet,
Weltverloren, weltverborgen liegt ein Bauernhof gebettet.
Freundlich winkt der weiße Giebel durch die dunkelgrünen Zweige,
Recht ein Bild des süßen Friedens, jeder Hauch sprich: Leid, hier schweige.

Leise rauscht die Brunnenröhre über graubemoostem Steine,
Auf der Schwelle liegt ein Kätzchen, blinzelt matt im Abendscheine;
Tauben girren in den Schlägen, Schwalben zucken auf und nieder,
Hoch hin über Taub‘ und Schwalben jauchzen Lerchen ihre Lieder.

Kerzengrad‘ wie Abels Opfer steigt in goldnem Abendrote
Eine seine Rauchessäule aus des Strohdachs engem Schlote.
Doch wo ist die junge Hausfrau, wo das rüstige Gesinde?
Dort, wo sich die Saaten teilen, kommt sie an mit ihrem Kinde.

Marmorkalt und grambeschattet sind des jungen Weibes Züge,
Und mit scheuer Hand vom Boden nimmt sie Scherben, Splitter, Krüge,
Hat denn in des Hauses Räumen ein Gewittersturm gewütet?
Sind denn Hof und Flur und Garten vor dem Unhold nicht behütet?

Und sie hebt die Hand zum Schweigen, Tränen fallen in die Asche,
Dort in der Jasminenlaube liegt ihr Mann mitsamt der Flasche. –
O Natur, wo auch dein Friede selig sich hat eingenistet,
Immer hat die Schlange Sünde deine Unschuld überlistet.

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