Öffentliches Tanzvergnügen

von Johanna Ambrosius
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Unter tollem Menschenwust
Ging ein Träumer Engel suchen,
Wandte schmerzbewegt dann fort
Sich von ihrem rohen Fluchen.

Gramvoll maß sein Seherblick
Diese seelenlose Leere,
Wo von gottentstammtem Hauch
Eine Spur zu finden wäre.

Alles Dunst! Nur schnell hinweg
Aus der tierisch wilden Menge,
Fort zum Ausgang, wo ein Weib
Sitzt behäbig im Gedränge.

Roheit, Sinneslust auch hier
Blickt dich an aus ihren Mienen,
Bietet feil mit plumpem Scherz
Zur Erfrischung Apfelsinen.

Aus dem Glase süßen Weins
Tut sie heimlich schmatzend nippen,
Reicht für wenig Geld zum Kuss
Ihre vollen Purpurlippen.

Doch was hängt an ihrer Brust?
Unter schmutz’ger Lumpenhülle
Quitt gleich goldnem Sonnenlicht
Ihres Kindes Lockenfülle.

Hinter, vor und neben dir
Wogt die Flut von Schuld und Sünde,
Schau, wie rein und ohne Fehl
Gott dich grüßt aus diesem Kinde.

Auf der Stirne lilienrein
Ruht der Unschuld süßer Frieden,
Wie er nur den Seligen
Überm Sternenzelt beschieden.

Langsam schlägt’s die Augen auf,
Seine wunderreichen blauen,
Beug‘ dich tiefer und du kannst
Himmelswonnen drinnen schauen.

Lacht dir nicht ein Paradies
Mitten in den Höllenfreuden?
Wo kein Cherub dir verwehrt
Deine Seele satt zu weiden?

Keine Pfütze, noch so tief,
Die ein Sonnenstrahl nicht küsste;
An Oasen gänzlich bar
Keine giftdurchhauchte Wüste.

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