Mein Heimatland

von Johanna Ambrosius
Aus der Bibliothek

Sie sagen all‘, Du bist nicht schön,
Mein trautes Heimatland,
Du trägst nicht stolze Bergeshöh’n
Nicht rebengrün Gewand;
In Deinen Lüften rauscht kein Aar,
Es grüßt kein Palmenbaum,
Doch glänzt der Vorzeit Träne klar *)
An Deiner Küste Saum.

Und gibst dem König auch kein Erz,
Nicht Purpur, Diamant,
Klopft in Dir doch das treueste Herz
Für’s heil’ge Vaterland.
Zum Kampfe lieferst Du das Ross,
Wohl Tonnen Goldes wert,
Und Männer, stark zum Schlachtentross,
Die kräft’ge Faust zum Schwert.

Und wenn ich träumend dann durchgeh‘
Die düst’re Tannennacht,
Und hoch die mächt’gen Eichen seh‘
In königlicher Pracht,
Wenn rings erschallt am Memelstrand
Der Nachtigallen Lied,
Und ob dem fernen Dünensand
Die weiße Möwe zieht:

Dann überkommt mich stolze Lust,
Dass ich’s nicht sagen kann,
Ich sing ein Lied aus voller Brust
Schlag froh die Saiten an.
Und trägst Du auch nur schlicht Gewand
Und keine stolzen Höh’n,
Ostpreußen, hoch! mein Heimatland,
Wie bist Du wunderschön!

Vor dem Ostpreußenlied von Herbert Brust war das 1884 von Johanna Ambrosius gedichtete Lied "Mein Heimatland" das Lied der Ostpreußen.

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