Der Buddha in meinem Zimmer

von Jürgen Wagner
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Du sagst Leere, ich sag Fülle
Du sagst 'Flieh!' und ich sag Nicht
Du sagst Täuschung nur und Hülle
Ich sag Leben, heil'ge Pflicht

Du sagst Leiden, ich sag Werden
Du sagst Nichts und ich sag 'Da'
Du sagst 'ewig währen die Beschwerden'
Ich sag: Lösung ist auch nah

Ich sag Greifen, Du sagst Lassen
Ich sag Wachsen, Du sagst Bleib
Ich will forschen und erfassen
Du sitzt still im Erdenleib

Ich sag Suchen, Du sagst Leeren
Ich sag Machen, Du sagst Ruh'n
Ich will Liebe und Begehren
Du reist in des Pilgers Schuh'n

2017

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Kommentare

17. Jul 2017

Wundervoll, Jürgen, schade nur, das Hesse dein Gedicht nicht mehr lesen kann.

LG Annelie

Jolanthe
18. Jul 2017

Ein sehr befreiender Dialog, der weder dem Osten noch dem Westen, weder dem Christentum noch dem Buddhismus die absolute, alleinige Wahrheit zuspricht, sondern sie beide gelten lässt!

Kann nicht alles, was hier aufgezälhlt wurde, heute für uns richtig und morgen für uns falsch sein? Wir haben doch alle auch temporäre Wahrheiten und auch die jeweilige Situation erfordert doch jeweils anderes.

Kann eine Wahrheit für den einen Menschen gültig sein und für den anderen nicht? Und gibt es da noch Unterschiede bei Mann oder Frau?

Müssen wir nicht allle viele gegensätzliche Erfahrungen machen, damit Herz und Geist sich weiten und wir andere besser verstehen können?
Und hinter unsere persönlichen Erfahrungen sollten wir doch nicht zurück gehen!

Stoff genug zum Nachdenken! Ich danke sehr für den Anstoß dieses Gedichtes!
Jolanthe

18. Jul 2017

Der historische Buddha ist schon sehr weit gegangen und hat eine momentane umfassende Loslösung von irdischen Bedingtheiten und Lasten erlebt, eine Ekstase in eine hohe und friedvolle Ebene. Was zunächst die große Befreiung und Erleuchtung ist, wird aber zum Durchgang, denn das Leben geht weiter. Bleibt der Erde treu - sagte mal einer ... ob Mann oder Frau ... Einen friedvollen Abend! JW

Jolanthe
19. Jul 2017

Herzlichen Dank für Ihre Antwort!

Die große Ruhe und der tiefe Friede des Buddha in all seinen Statuen haben mich immer angesprochen. Ein klein wenig von ihnen habe ich in der Meditation erlebt. Sie erschienen mir lange als erstrebenswertes Ziel und waren doch von meinem Grundtemperament her unerreichbar. Mein Leben hat wohl ein anderes Ziel..

Verstehe ich Sie oben recht, dann wäre mir Ihre Antwort tröstlich! "Bleibt dem Leben treu!" - könnten Sie bitte dazu ein wenig mehr sagen?

Einen frohen Sommergruß ! Jolanthe

20. Jul 2017

Wenn einen der stille Buddha bewegt, dann muss man nicht den Zen- oder Vipassanaweg gehen. Man kann in vielen Tätigkeiten Achtsamkeit und Ruhe und Sorgfalt realisieren, leichter ist es allerdings, wenn man eine spirituelle Praxis mit entwickelt, sei es Gebet, Meditation oder Yoga oder meditatives Singen/Tanzen, die Arbeit mit Mantren o.ä. Auch die Natur lehrt einen etwas von der Bedeutung der Stille. Nietzsches Wort 'Bleibt der Erde treu!' ist eig. keine Sache des Temperaments, sondern ob man tatsächlich glaubt, man müsse in einer höchsten Wirklichkeit jenseits des mühe-, schuld- und leidvollen Erdenlebens seine Zuflucht nehmen. Das tun die Buddhisten, das tun eig. auch die Christen (s. Ofb 21). Diese religiöse Lebensflucht sollte man irgendwann überwinden, denn es gibt kein Paradies, in dem wir jenseits 'leben' könnten, auch die geistigen Räume sind primär stille Räume. Der Ausweg aus dem religiösen Dilemma bestünde darin, dass man das Leben so gestaltet und sich so weiterentwickelt, dass das Leben auch - für alle - erträglich wird. Mit Morgengrüßen! JW

19. Jul 2017

...und auch von mir ein Wort dazu: Gerade das Paradoxe birgt die eigentliche Bewegungsabsicht und somit Lebendigkeit und ist als Katalysator dankbar anzunehmen.
Ein wichtiges Thema und eine gute Betrachtung. Lg Karin

20. Jul 2017

So geht es mir auch: man darf es nicht ganz auflösen, es muss etwas Spannung bleiben - und so kann das Leben weiter sich entfalten. LG! Jürgen

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