„Flammen“ im Advent

von Annelie Kelch
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Adventszeit –
Wochen der flammenden Lichter …
Was wären tausend brennende Kerzen
ohne das frühe Dunkel des Abends …
Und tiefe Nacht wäre uns
die rasch einfallende Finsternis –
ohne die feierliche Lichtflut vor dem Fest.

Meine „alte Flamme“ lief mir über den Weg –
in meiner Heimatstadt, die liegt nicht weit …
und brennt ... mir manchmal auf der Seele.
Im festlichen Kerzenschein des Marktes
schien ER kaum verändert; aber mein Herz
blieb völlig gleichgültig: Ich wunderte und
und freute mich darüber und wusste sofort,
wem ich das zu verdanken habe: IHM.

Freude und Genuss in der Weihnachtszeit ...
früher sangen wir noch – Weihnachtslieder:
Eine Freude, die sich teilen lässt ...
Genuss ist egoistischer: Wir tauschten
mit wachsender Begeisterung von bunten Tellern:
Marzipanherzen gegen Dominosteine;
Haselnüsse gegen Lebkuchen,
Krokant gegen Schokoladensterne
und putzen uns häufiger als sonst die Zähne.

Im Kachelofen prasselte ein wildes Feuer;
am Tannenbaum brannten die Wachskerzen,
wir spielten Halma und tranken Glühwein,
hörten Musik, lasen, malten und lachten ...

Der erste Festtag (Christtag) brach an ...
mit Mohnstollen, weich gekochten Eiern,
Kuchen und feierlicher Musik: Freude
und Genuss zugleich.

Am zweiten Festtag (Stefanitag)
kam meistens Besuch: Geschenke
wurden überreicht; alte Geschichten neu
erzählt: Wie man geflüchtet war im tiefen Schnee
vor den Russen und mit dem Vieh in Ställen
gehaust hat. – Und weißt du noch, damals,
als wir in russische Gefangenschaft
gerieten und wie eisig die Winter
in Sibirien waren …

Ja, diese Winter – ach, wie viel kälter
wären sie erst, gäbe es unser Weihnachtsfest nicht.
Es fällt hinein in die Dunkelheit dieser Welt –
fällt in Elend und Krankheit, in Leid und
Liebeskummer, stürzt sich voller Zärtlichkeit
in unsere Schuld, in Reue und Schmerz. Und es fällt
in unser Sterben – allein um der Hoffnung willen.
Wo wären wir Menschen denn
ohne einen Funken Hoffnung,
sag, wo denn nur …
W o ?

Quelle: pixabay
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Kommentare

17. Dez 2017

Dank, lieber Axel, dir, für deinen Kommentar.
Früher sehr festlich noch und mit weniger Konsum -
das Weihnachtsfest war.

LG Annelie

17. Dez 2017

Bin berührt von deinem mich nachdenklich stimmenden Gedicht zum 3. Advenit, liebe Annelie, auch das Wiedersehen mit einer alten Flamme ... das dich nicht mehr in Aufregung versetzt ... wie gut ich das verstehe, habe es ähnlich erlebt.
Sei herzlich gegrüßt und bedankt -
Marie

17. Dez 2017

Danke, liebe Marie, für deinen verständnisvollen Kommentar. Das Feuer, das "alte Flammen" erstrahlen lässt, verlischt irgendwann - und das ist gut so. Wir entwickeln uns weiter - und "alte Flammen" leben nur mehr in der Erinnerung weiter.
"Advenit" gefällt mir übrigens besser als Advent. Es hört sich so herrlich jiddisch an. Klasse! - Aber ich befürchte, liebe Marie, dass du dich nur vertippt hast.

Liebe Grüße auch von mir zu dir,
Annelie

17. Dez 2017

Seit die Kinder groß sind, liebe Annelie, ist Weihnachten nicht mehr das was es war. Vielleicht ist mein Herz zu erwachsen geworden und der Verstand zu reif?

Herzliche Grüße
Soléa

17. Dez 2017

Liebe Soléa, damit hast du im Allgemeinen ganz sicher recht. Deshalb wäre es gut, würden alle Menschen im Herzen Kinder bleiben.
Und es ist nicht immer gesagt, dass der Verstand darunter leiden muss. Möglicherweise würden Kinder keine Kriege führen. (Welcher Mensch mit Verstand führt Kriege, darin Menschen umkommen?!) - Ich verweise auch auf "Kinder an die Macht" von Herbert Grönemeyer, "... sie sind die wahren Anarchisten" - und wir müssten gewiss viel weniger Steuern zahlen.

Liebe Grüße,
Annelie