Das größte Raubtier ist der Mensch ...

von Annelie Kelch
Mitglied

Selbst wenn das tümpelnde Meer
mit schäumenden Nüstern um Gnade bäte:
Wir würden seinen unverfälschten Atem
auslöschen und es versenken …
wie unser Land und die ganze Welt.

Phönix kehrte auf Nimmerwiedersehen
in die Asche zurück, die letzte Lerche stiege
in die Lüfte, als sei nichts geschehen,
scheidet das Giftkorn aus –
stirbt und fällt ...

Noch beginnt vor dem Sterben das Leben;
aber das Auge der Nacht wächst
schon über den Tag hinaus und rückt ins Licht,
was keine Zukunft mehr hat.

O Raubtier Mensch mit deinen Fleischgelüsten:
Das sechste Massensterben hat begonnen …
Kannst du denn nie genug bekommen?
Von Kopf bis Fuß auf Fleisch mit Fritten eingestellt,
trägst du die dicke Wampe fröhlich durch die Welt.

O Raubtier Mensch: Kein Klimawandel kann dich toppen …
Du frisst dich weiter durch den Fleischberg, bist nicht mehr zu stoppen.
Schlägst deine Hauer in die Regenwälder, raubst dem Ozean die Fische;
es gibt kein Halten, keine Grenzen: Du liebst reich gedeckte Tische.

Wie lange noch? – Drei Menschenleben, dann ist Ultimo.
Stirbt dann der Mensch aus … sind die letzten Tiere – endlich – froh.

Das sechste Massensterben
Ohne das Wissen der meisten Menschen hat die Apokalypse bereits begonnen. Doch diesmal sind es nicht Vulkane, Erbeben oder Meteoriten, die für das Aussterben großer Teile des Lebens auf der Erde sorgen werden, sondern eine einzelne Spezies: der Mensch.
Tierart um Tierart verschwindet, für immer. Es ist nicht das erste Mal: Bereits fünf Mal wurde das Leben auf der Erde beinahe ausgelöscht, bevor es sich über Millionen von Jahren neu entwickelte. Wohl jedem bekannt, ist das letzte große Sterben: Das Aussterben der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren – das fünfte große Sterben auf dieser Erde.
Nun hat das sechste begonnen. Und die Tiere sterben schneller aus, als vielleicht jemals zuvor in der 4,5 Milliarden Jahre langen Geschichte der Erde. Eine Tatsache, deren wahres Ausmaß sich die meisten Menschen zu begreifen weigern. Vielleicht können wir es auch gar nicht wirklich begreifen. Das sechste Massensterben hat begonnen, und gemessen an der Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber diesem Fakt, scheint es kaum mehr aufzuhalten.
Das Aussterben der Tiere – Wie lange noch?
Klimawandel, Versauerung der Ozeane – all diese Faktoren hat die Studie nicht mal mit eingerechnet, sondern nur mit gegenwärtigen Fakten gerechnet. Das Ergebnis ist selbst mit dieser mutwilligen „Schönrechnung“ noch erschreckend: Das Sterben ist, je nach Gattung, zum Teil um den Faktor 100 beschleunigt. Wenn der momentane Trend der Beschleunigung anhält, bleiben bis zu einem Zusammenbrechen der Tierwelt wie zur Zeit der Dinosaurier vielleicht nur noch rund 200 Jahre – drei Menschenleben.

Nicht nur die Geschwindigkeit, auch die Ursache des Sterbens ist einmalig in der Geschichte dieses Planeten. Zum ersten mal sind es nicht äußere Einflüsse wie Meteoriten oder Vulkane, die verantwortlich sind für die Zerstörung des Lebens auf diesem Planeten, sondern eine einzelne Spezies: Der Mensch.
Und es ist nicht der Klimawandel, wie viele vielleicht vermuten könnten – dieser ist, wenn existent, noch viel zu wenig ausgeprägt, um einen solchen Effekt hervorrufen zu können. Es ist die Gier.
Das Landlebewesen Mensch hat es geschafft, nicht nur an Land, sondern auch in Luft und Wasser das größte aller Raubtiere zu werden. Er hat es geschafft, ein ganzes Ökosystem zu zerstören. Weil er Fleisch essen will.
Es sind nicht die Fabriken, nicht die Ölfelder, nicht mal die Umweltverschmutzung, sondern vor allem anderen ist es der Fleischkonsum, der sich für diese Krise hauptverantwortlich zeigt. Es ist die industrielle Landwirtschaft, die großflächig Lebensräume zerstört, Böden auslaugt, Wildleben verdrängt. Eine Landwirtschaft, deren Erzeugnisse zum überwiegenden Teil an Tiere verfüttert wird, Tiere, die der Mensch in riesigen Fabriken züchtet, tötet und aufisst. Tonnenweise, Millionen über Millionen von Tierkörpern, die der Mensch in sich hineinmampft.
Nimmt man die Masse aller an Land lebenden Wirbeltiere auf diesem Planeten zusammen, so machen die Menschen mittlerweile ein Drittel von ihnen aus, und seine hochgezüchteten Futtertiere – die Kühe, Schweine, Schafe, Hühner – fast die gesamten anderen zwei Drittel. Weniger als fünf Prozent entfällt auf freie Wildtiere, auf Rehe, Elefanten, Bären, Giraffen, Hasen, Kamele, Känguruhs – sie sind nur noch eine Randerscheinung. Der Mensch hat den Planeten und seine Bewohner industrialisiert.
Eine bittere Wahrheit.
All das mag düster klingen, bitter – aber es ist die Wahrheit, eine Wahrheit, welche viele Menschen noch immer erfolgreich verdrängen. Wie auch immer sie das schaffen.
Und während eine weitere Tierart diesen Planeten für immer verlässt, frisst sich der Mensch weiter durch diesen Planten, schlägt seine Zähne in die Regenwälder, saugt die Rohstoffe aus den Böden, frisst die Ozeane leer, zermalmt den reichen Boden der Erde zu Agrar-Sand, um seine gentechnisch veränderten Samen darin zu versenken. Und verschließt seine Augen in süßer Ignoranz.
Wird es noch ein Erwachen geben? Welche Nachricht könnte den Menschen aufschrecken aus seiner Trance? Die indigenen Völker, die Aktivisten, die Wissenschaftler – sie rufen vergeblich an gegen das Störgeräusch einer Zivilisation auf dem Egotrip, sie dringen nicht durch das Rauschen der Alltags-Illusion, werden verschluckt im samtenen Vorhang völliger Realitätsverleugnung.
Was könnte hindurchdringen durch diesen Firewall der Ignoranz? Eine Schreckensnachricht wohl jedenfalls nicht mehr, denn viel schlimmer können die Nachrichten kaum noch werden. Es bleibt kaum mehr als die irrationale Hoffnung, dass es noch reicht, dass genug Leute aufwachen und umkehren, um die Hypnose einer ganzen Zivilisation zu durchbrechen. Autor: David Rotter

Collage - Die letzten Fische im Aquarium; copyright: Annelie Kelch
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Interne Verweise

Kommentare

18. Jun 2018

Solch einen "klugen" Jäger hat's noch nie gegeben!
(Grad das scheint ja das Dumme eben ...)

LG Axel

18. Jun 2018

Dank, Axel, Dir, für Deinen Kommentar:
In Deutschland ist der Verbrauch an Fleisch doppelt so hoch wie im weltweiten Durchschnitt. Die EU liegt mit 82,6 kg/Kopf "gut" im Trend. Im Vergleich: Afrika mit 18,6. In Indien sind es nur 4,1. Diese Zahlen liegen einer Studie von 2011 zugrunde. Deutschland schlachtet mehr denn je; der größte Schlachtbetrieb in der BRD hat eine Exportquote von 50 %. Na dann guten Appetit und nach uns die Sintflut.

LG Annelie

18. Jun 2018

Wie wahr, wie klug formuliert, danke, Du hast einige Baustellen der Erde mit intensiven Worten angesprochen, tausendfach schon wurde es beklagt, vergeblich, so scheint es, doch uns bleibt nicht mehr, als es immer wieder und immer wieder zu benennen liebe Annelie ...

liebe Grüße - Marie

18. Jun 2018

Danke, dass Du meine Worte bestätigt hast, liebe Marie. Ich meine, dass Dein Wort hier Gewicht hat. Es ist doch auch gar nicht gesund, mit zu viel Übergewicht herumzulaufen. Aber auch das hält die Menschen nicht davon ab, sich Fastfood hineinzustopfen. Es gehört nicht viel mehr dazu, als ein bisschen Besinnung und die Gründe für diese ungesunde Esslust zu erforschen. Eine Geschmacks- und Ernährungsumstellung auf leckere Salate und schmackhaftes Obst würd 's schon bringen. Davon würden unsere Ur-Ur-Enkel dann auch profitieren können, anstatt mit Problemen überhäuft zu werden oder aufgrund allgemeiner Ignoranz gar elend zugrunde gehen zu müssen.

Liebe Grüße,
Annelie

20. Jun 2018

Kluge und eindringliche Worte, liebe Annelie. Maßhalten hat der Mensch nie gelernt.

Liebe Grüße, Susanna

21. Jun 2018

Liebe Susanna, danke für Deinen guten Kommentar. Maßhalten ist schwer, aber man kann es lernen. Kummer und Minderwertigkeitskomplexe - darunter leiden wohl viele dicke Menschen. Sie sind meist abhängig von den Urteilen anderer über sie. Man sollte in erster Linie aber an sich selbst glauben. Auch das kann man lernen. Es gibt wohl einige gute Therapeuten in Deutschland. Einigen Menschen kommt erst die Erleuchtung, wenn gesundheitliche Probleme hinzukommen. Oft ist es dann bereits zu spät.

Liebe Güße zu Dir, einen wunderschönen Tag,
Annelie