Den Mund nicht zu voll nehmen

von Horst Fleitmann
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Ein Herr, speist heute mit Genuss
im Restaurant "Zum Gelben Fluss".
Der Gast wirkt plötzlich aufgeregt,
als sich der Dichter in ihm regt.

Vier Zeilen die noch nie geschrieben,
hat er auf seiner Zunge liegen.
Doch weil sein Mundwerk grade kaut,
ist ihm der Vortrag jäh verbaut.

Mit vollem Mund gestikuliert
dem Kellner er, was ihn pressiert:
Er bittet nun mit Hand und Fuß
um das was er jetzt haben muß.

Ein Stift soll her, dazu Papier.
Er will's Gedicht notieren hier.
Der Kellner doch, spricht Mandarin.
Zu dumm... schon sind die Verse hin.

Der Herr zahlt ärgerlich, geht heim
und sucht die Verse, die so fein.
Zu Hause doch, im Dichterzimmer
steigert der Ärger sich noch immer.

Hätt' er nur bürgerlich gegessen
oder ein Blatt und Stift besessen...
Der Dichtermensch ist schier untröstlich
und isst fortan nie mehr fernöstlich.

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Kommentare

19. Feb 2020

Darum mein Rat befolg' ihn schnell:
hab immer Stift und Block zur Stell',
egal ob Grieche oder Japaner,
nur so geht es auch viel spontaner
um festzuhalten manch 'ne Zeile
bevor daheim dann Langeweile ;-)))

In diesem Sinne, mit einem "Hoch der Lyrik" zu Dir
LG Uschi