Schneeweiße Unschuld

von Maik Kühn
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ein Traum schneeweißer Unschuld, für sie geschneidert nach Maß
bespickt mit funkelnden Steinen aus geschliffenem Glas
unter dem Schleier kunstvoll geflochten das dunkle Haar
farblich dezent verziert, ihr Gesicht, Mund und Augenpaar

quälendes Schmachten inmitten der heiligen Stätte
aufkommender Wunsch nach einer letzten Zigarette
surreal die Schar, gekommen zu bezeugen den Bund
in greifbarer Nähe liegt bereit das zweifache Rund

geweckte Erinnerungen an seinen ersten Kuss
honigsüße Phantasie, ihrer Seele zum Genuss
der entrückte Geist, abrupt zurück an diesem Orte
denn es öffnet sich kraftvoll die gusseiserne Pforte

kein würdevoller Gang, er ist scheinbar gehetzt
unpassend gekleidet, seine Hose zerfetzt
nicht der Bräutigam eröffnet hier das Feuer
ein fremder Mann entpuppt sich als Ungeheuer
statt Schmetterlinge fliegen Geschosse aus Blei
im gesamten Kirchsaal herrscht panisches Geschrei
völlig sinnlos enden dreiunddreißig Leben
auch das des Täters, wer soll ihm auch vergeben

auf den Stufen zum Altar liegt die geopferte Braut
in diesem Land verhängnisvoll der Farbton ihrer Haut
er beugt sich hinab, berührt sie, es zerreißt ihm das Herz
gerettet durch Verspätung, alleingelassen im Schmerz

für ihn beginnt mit dieser bitteren schicksalhaften Wendung
der Kampf gegen jegliche ideologische Verblendung

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