Ungebetener Gast

von Maik Kühn
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ein Korn aus Eis nimmt stetig zu an Schwere
geformt in einem neblig-grauen Meere
erlangt gut gereift sein kritisches Gewicht
verlässt frei fallend die düstre Wolkenschicht

es steht im Heim aus verwobenem Geäst
ein schlafender Vogel unter Hausarrest
so wie der Hammer trifft am Kopf den Nagel
weckt ihn per Zufall unser Korn aus Hagel

dies missfällt der sich angepirschten Katze
nur knapp entgeht er ihrer starken Tatze
hätt ich doch gehört auf der Eltern Worte
könnt bereits fliegen fort von diesem Orte

im Tausch für das eigene junge Leben
ist die Elster bereit alles zu geben
jetzt frisst unser Eindringling scheinbar Kreide
und nimmt sich von dem glänzenden Geschmeide

sein Frauchen wenig später schwelgt im Glücke
denn stündlich mehren sich die edlen Stücke
nach diesem letzten Ring kommt wohl die Wende
denn einsatzlos geht jeder Tausch zu Ende

von Weitem sieht er schon den erregten Feind
mit gespreizten Flügeln, die Kräfte vereint
stürzt sich der kleine Vogel hinab und fliegt
wird von der verfolgenden Katze bekriegt

schwebt dicht vorbei an einem schnellen Wagen
der Fahrer bremst hart, beginnt laut zu klagen
das erstarrte Pfotentier vor dem Gefährt
sogleich den Nestbewohner als Freund verehrt

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