Engel

von Anouk Ferez
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Am Wünschen und Nichtfassenwollen,
was unter Gottes Blick geschah,
am Sehnen und am Missverstehen
bin ich verzweifelt. Tage gehen
in Wochen über – deren Schar
lässt Mond um Mond wie Rubel rollen.

Mein Engel, in diffusen Augenblicken,
die aus dem Zug der Zeit sich lehnen,
kann sich mein Blick zum Himmel dehnen.
Hilf mir, dem Denken zu entrücken!

Dann reich mir, Engel, Bücher ohne Seiten.
Ich hauche Omen zwischen ihre Bände.
Und bette Leere sacht in meine Hände,
lass mich von blinden Zeilen leiten.

So schenk mir, Engel, Zeit zum Schwinden.
Sag: gab’s ein Leben vor dem Tod?
Steckt nicht nur Schmerz in alten Rinden?
Spricht goldnes Harz nicht von Verbot?

Verbot zu lieben und gemäß zu leben,
was man als Fügung in sich fühlt …
wird nicht der Wunsch vom Harz umschlossen
und mundtot tief ins Meer gespült?

Engel, all die stummen Worte,
die deine Stimme nicht berührt…
bleibt denn dies Schweigen eine Pforte,
durch die kein Weg in Liebe führt?

Am Sehnen und Nichtfassen wollen,
was unter Gottes Blick geschah
bin ich verzweifelt. Jahre gehen.
Ich glaubte erst als ich dich sah.

3-2017
Anouk Ferez

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Kommentare

22. Mär 2017

Das ist so wundervoll poetisch, Anouk, dass man es mehrmals lesen will, immer wieder. Und bei jedem Mal findet man es schöner: Das ist Dichtung, vergleichbar mit den ganz Großen! Es bleibt einem fast der Atem weg, wenn man deine Zeilen liest. Ich liebe dieses Gedicht.

LG Annelie

22. Mär 2017

Liebe Annelie, wie wunderschön hast du das gesagt, ich danke dir sehr für dieses riesengroße Lob! Ich freue mich jedes Mal wie ein kleines Kind, wenn jemandem gefällt, was ich schreibe. Denn eigentlich schreib ich "nur so". Weil ich Dinge beobachte. Darüber nachdenke . Versuche, zu verarbeiten. Und nichts hilft mir so sehr beim Verarbeiten, wie darüber zu schreiben.

Liebe Grüße, und danke vielmals,
du hast meinen Tag erleuchtet mit Deinen Worten.
Ich wünsche dir einen ebenso schönen hellen Tag
Anouk

22. Mär 2017

Danke dir. - Dein Gedicht - schön wie ein Lebenselexier -
ein wenig traurig zwar,
dafür jedoch so wahr, so wahr ...

Auch dir einen wunderschönen hellen Tag -
Annelie