Lachen!

Bild von maruschka
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Sitz’ in der Kneipe, will aufhör’n zu grübeln.
Nun nicht mehr grollen und nichts mehr verübeln.
Nicht mehr bejammern das Missgeschick,
nicht länger verteufeln die Politik.
Nicht weiter beklagen das fehlende Geld.
Und dass es so schlecht um die Welt bestellt.
Überall im Land nur Betrug im Spiel?
Ich bin überfordert. Es wird mir zu viel.

Die Sicht ist getrübt, mein Blick verschwommen.
Die Freude ist mir abhanden gekommen.
Jetzt will ich mich auf die Suche machen,
um wiederzufinden verlorenes Lachen.

So hock ich in meinem Lieblingscafé
und trink ʼnen Grappa zum grünen Tee.
Freu mich am Leben, die Welt ist bunt!
Und fang’ an zu lachen, ganz ohne Grund.
Ich wiehere prustend und laut vernehmlich.

Die anderen Gäste finden das dämlich
und glotzen mich ärgerlich, missmutig an.
Doch unvermutet dauert’s nicht lang,
und sie alle kichern auch irgendwann,
bis schließlich das Café vor Lachen bebt.
Sie rufen, juchhe, wie schön, dass man lebt!

Sie danken mir für den Lachanstoß,
vergessen den Alltag und lassen los.
Man hebt die Gläser und prostet sich zu,
aller Missmut ist verflogen im Nu.
Dann wanken sie alle vergnügt nach Haus.
Dort breitet Gelächter sich weiter aus.

Ich feire mit Freunden bis Mitternacht.
Das Lachen – es hat mir Glück gebracht.

Umberto Boccioni wurde am 19. Oktober 1882 in Reggio Calabria (Italien) geboren und starb am 17. August 1916 bei Verona. Er war ein italienischer Maler und Bildhauer des Futurismus.

Interne Verweise

Kommentare

22. Apr 2017

Danke, Marie. Ja, so könnte es damals gewesen sein - mit der Mamsell auf dem Gemälde. Der Futurismus wirkte sich ja auch sehr stark auf die Literatur aus. Treibende Kraft der Gruppe der Futuristen war der Dichter Filippo Tomasso Marinetti. Mit der Industrialisierung in Europa eroberte die plastische Dynamik die Malerei, wie man auf dem Gemälde Boccionis gut erkennen kann. Text und Gemälde passen sehr gut zusammen. Gefällt mir.

Liebe Grüße,
Annelie

22. Apr 2017

Danke, Annelie, du kennst dich sehr gut aus. Zum Glück haben wir ja das Internet, können uns schnell und umfassend informieren. Mir geht es bei dem Gedicht vor allem darum, gegen das allgemeine runterziehende Gemeckere "über alles und jeden und besonders über Politiker" anzuschreiben - mit einem fröhlichen Beitrag über das Lachen, das wichtigste Lebenselixier überhaupt. Das Bild ist Dekor, passt aber hier gut.
Liebe Grüße, Marie

Detmar Roberts
22. Apr 2017

Das Gedicht ist eine Wohltat für mein Zwerchfell, tritt in wohl gesetzten Reimen gegen den allgemeinen Negativismus an. Habe mich amüsiert beim Lesen - und laut und lange gelacht, das möchte ich dir umgehend mitteilen, Marie.
Grüße, Detmar

22. Apr 2017

Das freut mich sehr, Robert, danke. Habe beim Schreiben intensiv gegrinst.
Liebe Grüße, Marie

Detmar Roberts
22. Apr 2017

..." und mit dem Atem den Erdball umwehen", das stelle ich mir plastisch vor und finde es besonders - schön.
Grüße D.R.

22. Apr 2017

Danke nochmals - und einen angenehmen Resttag!
LG Marie

22. Apr 2017

Ein aufbauendes Gedicht. Eine Wohltat, die Missmut vertreibt.
Durch Lachen verknäulte Gedanken hinfortschütteln,
so dass nichts Negatives zurückbleibt.
Danke für dies lichtvolle Gedicht.
LG Monika

22. Apr 2017

Ich danke dir, Monika! "Lichtvoll" gefällt mir. Es gibt Situationskomik, die bringt sich völlig Fremde zum gemeinsamen brüllenden Lachen, es verbindet Menschen auch ohne Sprache miteinander. Mit dir - kann man sicher gut lachen.
LG Marie

22. Apr 2017

Ich liebe das Lachen. Danke für Dein: Mit dir - kann man sicher gut lachen.
Das gilt auch für dich, Marie.
LG Monika

22. Apr 2017

Diese Beschwingtheit nimmt mich mit....!
Liebe Grüße
Soléa

23. Apr 2017

Danke, Soléa, ich wünsche dir einen fröhlichen Sonntag!
Liene Grüße, Marie