Abel

von Else Lasker-Schüler
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Kains Augen sind nicht gottwohlgefällig,
Abels Angesicht ist ein goldener Garten,
Abels Augen sind Nachtigallen.

Immer singt Abel so hell
Zu den Saiten seiner Seele,
Aber durch Kains Leib führen die Gräben der Stadt.

Und er wird seinen Bruder erschlagen –
Abel, Abel, dein Blut färbt den Himmel tief.

Wo ist Kain, da ich ihn stürmen will:
Hast du die Süßvögel erschlagen
In deines Bruders Angesicht?

Veröffentlicht / Quelle: 
Gesammelte Gedichte, S. 16; Verlag der Weißen Bücher 1917
Tizian: Kain und Abel. (1570/76, Santa Maria della Salute, Venedig)

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